in Kooperation mit
Patrick Zwerger

Vier Defekte in sechs Tagen

United-Dreamliner vom Fehlerteufel heimgesucht

Schwarze Woche für einen Dreamliner von United Airlines: Die derzeit für Frachtflüge eingesetzte Boeing 787-9 mit der Kennung N27958 musste in sechs Tagen viermal einen geplanten Flug aus technischen Gründen abbrechen. Das Problem war offenbar jedes Mal das gleiche.

Der Volksmund weiß: Der Teufel steckt im Detail. Im Falle einer Boeing 787-9 der United Airlines findet dieses Detail seine Verkörperung im Klappensystem der linken Tragflächen-Vorderkante. Viermal musste die Flight Crew den Dreamliner mit der Kennung N27958 seit dem 2. Juli zu seinem Startflughafen zurücksteuern – und dort jedes Mal mit erhöhter Geschwindigkeit landen, weil am linken Flügel die Vorderkantenklappen ihren Dienst versagten.

United Airlines gehört zu den größten 787-Betreibern und setzt neben der 787-9 auch die kleinere 787-8 sowie die gestreckte 787-10 ein.

Dreimal zurück nach Tokio

Der erste Zwischenfall dieser Art ereignete sich laut Dokumentation der Flugunfall-Webseite Aviation Herald am 2. Juli, als die N27958 sich auf einem Frachtflug von Tokio-Narita nach Peking befand. Seit Beginn der Corona-Krise nutzen Airlines ihre Passagierjets vermehrt für Frachtflüge, um den Warenfluss aufrechtzuerhalten. Etwa anderthalb Stunden nach dem Start kam der Warenfluss in diesem speziellen Fall jedoch wegen des oben genannten Problems unverhofft ins Stocken: statt weiter nach China zu fliegen, kehrten die Piloten mit der 787-9 nach Tokio zurück. Bei einem zweiten Flug später am Tag, dieses Mal als UA 2770 mit San Francisco als Ziel, trat das Problem erneut auf, weshalb die Reise abermals auf dem Flughafen Narita endete. Ein weiterer Versuch am 3. Juli scheiterte abermals am selben Problem: 50 Minuten nach dem Start war Flug UA2770 wieder in Narita am Boden.

Vierter Vorfall am 7. Juli

Dort blieb der Dreamliner fürs Erste und wurde dabei einer Inspektion unterzogen, bei der laut Yahoo Japan auch Kabel und Sensoren erneuert wurden. Offenbar mit Erfolg, denn immerhin glückte laut Daten von Flightradar24 am 5. Juli endlich die angestrebte Reise nach San Francisco. Von dort flog die N27958 am 6. Juli nach Chicago weiter, bevor sie schließlich, ebenfalls am 6. Juli, nach Rom aufbrach. Doch wer nun denkt, die Geschichte endet an dieser Stelle, der sieht sich getäuscht: Denn kurz nach dem Start zum Weiterflug von Rom nach New York-Newark meldete die Cockpit-Anzeige erneut ein Problem mit den linken Vorderkantenklappen. Die Piloten erklärten über den Transponder-Code 7700 einen Luftnotfall und kehrten zum Startflughafen Fiumicino zurück. Dort landete die 787 wohlbehalten auf der Landebahn 16R, dem Vernehmen nach allerdings mit einer Landegeschwindigkeit von 191 Knoten (354 km/h). Normal wären für die 787-9 etwa 153 Knoten (283 km/h).

"Vollständige Inspektion" in Rom

Aktuell steht das Flugzeug nach dem jüngsten Zwischenfall noch immer in Rom und wird dort ein weiteres Mal untersucht. United Airlines erklärte am heutigen 8. Juli: "Der United-Frachtflug 2860 von Rom nach Newark kehrte nach einem mechanischen Problem beim Abflug zum internationalen Flughafen Leonardo da Vinci zurück. Unser Wartungsteam führt eine vollständige Inspektion des Flugzeugs durch." Die N27958 wurde am 18. September 2015 fabrikneu an United übergeben.