Zu teuer und unzuverlässig

Auch Belgien sortiert die NH90 (zum Teil) wieder aus

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Belgiens Streitkräfte sind mit der NH90 schon lange unzufrieden. Nun scheinen die Tage des Helikopters in Belgien tatsächlich gezählt – zumindest für die Truppentransport-Variante NH90 TTH. Die soll zeitnah ersetzt werden. Damit folgt Belgien dem Beispiel Australiens.

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In Down Under zogen sie Ende 2021 einen Schlussstrich: Wegen anhaltend hoher Betriebskosten, schlechter Verfügbarkeit und Fähigkeitsmängeln entschied die australische Regierung im Dezember, die 41 bei der Armee eingesetzten MRH90 Taipan durch 40 UH-60M Black Hawk von Sikorsky zu ersetzen. Ein schwerer Schlag für Hersteller NHIndustries und dessen Mehrheitseigner Airbus Helicopters, zumal auch die sechs MRH90 der Australian Navy bei offiziellen Stellen auf der Abschussliste stehen. Dabei trat die MRH90, die der Truppentransport-Version NH90 TTH entspricht, in Australien erst 2007 ihren Dienst an. Doch die in ihn gesetzten Erwartungen konnte der Hubschrauber seitdem zu keinem Zeitpunkt erfüllen.

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Die Betriebskosten der NH90 seien höher als die des Kampfjets F-16, heißt es aus der Chefetage der belgischen Armee.

Teurer als eine F-16

In Belgien stehen die Dinge ähnlich. Dort fliegen derzeit vier NH90 TTH für die Streitkräfte, weitere vier NH90 in der Marineversion NFH als Fregattenhubschrauber und im SAR-Dienst (Search and Rescue). Auch Belgiens Armee sind die hohen Betriebskosten und der schlechte Klarstand der NH90 seit Längerem ein Dorn im Auge. Bereits Mitte 2020 mokierte Frederik Vansina, Kommandeur der belgischen Streitkräfte, dass die NH90 im Einsatz pro Flugstunde teurer sei als eine F-16 Fighting Falcon. Außerdem vermisse er die Unterstützung aus der Industrie, um diesen Zustand zu verbessern, so Vansina weiter. Eine zunächst gezeichnete Option, zwei weitere NH90 zu beschaffen, blieb daher ungenutzt. Als Konsequenz fasste Belgien stattdessen Ende 2020 den Plan, die NH90 TTH bis 2024 gegen ein anderes Hubschraubermuster zu ersetzen.

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Die NH90 TTH sollen zeitnah durch vier neue, schwere Transporthubschrauber abgelöst werden.

NH90 TTH kommt weg

Nun könnte das Ende für die NH90 TTH in Belgien sogar noch schneller kommen. Wie die Zeitung La Libre Belgique berichtet, will die belgische Regierung den aktuellen Verteidigungshaushalt um drei Milliarden Euro aufstocken. Damit soll vor allem der Kauf von insgesamt 18 neuen Hubschraubern finanziert werden – 14 leichteren Exemplaren und vier schweren Transporthelikoptern, die zusammen Platz für "eine Kampfkompanie von 100 Mann" bieten sollen, wie es heißt. Details, welches Muster dafür in Frage kommt, gibt es noch nicht. Bei den 14 leichteren Hubschraubern gilt die H145M von Airbus wohl als Favorit. Das Airbus-Muster könnte auch die Agusta A109 ersetzen, die seit 1992 für die belgische Armee fliegt.

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Die Marineversion NH90 NFH bleibt im Dienst - allerdings nur noch als Bordhubschrauber.

NH90 NFH wird degradiert

Während die Tage der NH90 TTH in Belgien also definitiv gezählt sind, soll die Marineversion NH90 NFH (NATO Frigate Helicopter) vorerst weitergenutzt werden. Allerdings könnte sich ihr künftiges Einsatzspektrum stark eingrenzen. So ließ die belgische Verteidigungsministerin Ludivine Dedonder durchblicken, dass die NH90 NFH komplett vom Such- und Rettungsdienst abgezogen werden und stattdessen nur noch als Bordhubschrauber zur Verwendung kommen soll. Die SAR-Missionen würden dann von einem der neu beschafften Hubschraubermuster übernommen.

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