50 Jahre alt - aber noch rüstig
Warum braucht die Ukraine deutsche Sea Kings?

Die Deutsche Marine ersetzt ihre Sea Kings nach 50 Jahren Dienst durch neue NH90. Doch auf die altbewährten Hubschrauber wartet eine neue Aufgabe. Die Ukraine erhält vorerst sechs Sea Kings geschenkt. Die treffen dort auf britische Schwestermaschinen.

Sea King Marine Deutschland im Einsatz
Foto: Bundeswehr

Wie viele Leben haben die Sea Kings der Marineflieger in den letzten fünf Jahrzehnten auf hoher See gerettet? Als Hubschrauber im Such- und Rettungsdienst (SAR) leisteten die Arbeitstiere – entwickelt von Sikorsky, gebaut bei Westland in Großbritannien – seit den 70er-Jahren treue Dienste über Nord- und Ostsee. Doch die Wachablösung für die deutschen Sea Kings ist längst im Gange: Seit Juli 2023 übernimmt der Nachfolger NH90 Sea Lion Stück für Stück die Aufgaben der Veteranen. Ihr Dienstende ist absehbar, von 22 gelieferten Sea Kings fliegt noch rund ein Dutzend. Ein Exemplar stürzte 1998 ab, manch anderes endete in jüngerer Vergangenheit als Teilespender, andere sind eingelagert.

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Der Nutzen für die Ukraine

Vorerst sechs bereits stillgelegte Sea Kings sind auf ihre alten Tage aber noch einmal gefordert – und zwar richtig, denn sie müssen in den Krieg ziehen. Die Bundesregierung möchte die Drehflügler-Oldies der Ukraine schenken, die Ende 2022 und im Frühjahr 2023 bereits drei ausgediente Sea Kings aus Beständen der britischen Royal Navy in Empfang nahm. Ob die noch fliegen, ist unklar. Klar ist aber, dass die Ukrainer die alten Mehrzweckhubschrauber für den frontnahen Such- und Rettungseinsatz gut gebrauchen können. Deutschland will laut Minister Boris Pistorius im zweiten Quartal liefern – und "ein umfangreiches Zubehör- und Ersatzteilpaket sowie eine fliegerische und technische Ausbildungsunterstützung" mit dazu geben.

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Mathias Leischner

Die Sea Kings der deutschen Marine sind allwetter- und nachtflugtauglich und haben sich besonders im SAR-Einsatz bewährt.

Vielseitiger Oldtimer

Die von Deutschland genutzten Sea Kings Mk 41 sind allesamt Lizenzbauten von Westland. Zur Ausstattung der Helikopter gehört standardmäßig eine Seilwinde, außerdem das nachträglich eingebaute Seaspray 3000-Radar und eine Infrarotkamera. Die Sea Kings sind für Flüge in (fast) jeder Wetterlage gerüstet, gelten als robust und zuverlässig – und können nicht nur für den Rettungsdienst, sondern auch als Truppen- und Materialtransporter eingesetzt werden. Die Bestückung mit seitlichen Maschinengewehren sowie Düppelwerfern zum Selbstschutz ist ebenfalls möglich. Theoretisch lässt sich der Sea King mit Torpedos, Wasserbomben und Seezielflugkörpern vom Typ Sea Eagle oder Exocet sogar für Angriffe auf Schiffe nutzen. Diese Fähigkeit nutzen die deutschen Marineflieger jedoch nicht.