Die Fairchild A-10 Thunderbolt II stand bei der US Air Force kurz vor der Ausmusterung. Ende 2026, so der Plan, sollte ihr letztes Stündchen schlagen.
Aber wie schon mehrfach zuvor, wendete sich für die A-10 auch dieses Mal das politische Blatt: Kurz nachdem das legendäre "Warzenschwein" im Iran-Krieg als Schnellbootjäger in der Straße von Hormus und beim Kampf gegen iranische Kamikazedrohnen ins Rampenlicht getreten war, gab US-Luftwaffenminister (Secretary of the Air Force) Troy Meink bekannt, in Absprache mit Kriegsminister Pete Hegseth werde man "die Einsatzdauer der A-10 'Warthog'-Plattform bis 2030" verlängern.
Die US-Luftwaffe war seit Indienststellung der A-10 vor 50 Jahren immer der einzige Nutzer des für Erdkampfeinsätze spezialisierten Musters. Bereits 2024 war allerdings bekannt geworden, dass ein namentlich nicht genanntes Land beim Pentagon Interesse an den zur Pensionierung vorgesehenen Panzerknackern angemeldet hatte.
Diesem Begehr erteilte die US-Regierung offenbar eine Absage, wie das Luftfahrtportal Flight Global aus Kreisen des Rüstungskonzerns L3Harris erfuhr.

Die Skyraider II ist bereits bei der USAF im Einsatz, außerdem will Israel das aufgerüstete Agrarflugzeug in einer maßgeschneiderten Version beschaffen.
"Fliegender Traktor" statt "Warzenschwein"
Alternativ zum "Warzenschwein" bieten die USA dem anonymen Interessenten demnach ein anderes Flugzeug an – die von L3Harris produzierte OA-1K Skyraider II
Die OA-1K basiert ihrerseits auf dem einmotorigen Turboprop-Sprühflugzeug Air Tractor AT-802 und dient der Air Force bereits seit 2025 als Erdkämpfer für Spezialaufgaben.
Für diese neue Rolle hat L3Harris den "fliegenden Traktor" sprichwörtlich auf Steroide gesetzt: Die Skyraider II besitzt eine verstärkte Struktur für bis zu 2700 Kilogramm Waffenzuladung an acht Aufhängepunkten und wurde in den Bereichen um Triebwerk und Cockpit nachträglich gepanzert.
Die Bewaffnung umfasst gelenkte Bomben und Raketen sowie Sensorbehälter. Bis zu sechs Stunden kann die OA-1K im Einsatz in der Luft bleiben.

Zur Bewaffnung der OA-1K zählen 70-Millimeter-Raketen des Typs AGR-19 APKWS, außerdem AGM-114 Hellfire sowie GBU-12 Paveway II-Lenkbomben.
Günstig, einfach und robust
Im Dienst soll sich das aufgerüstete Agrarflugzeug durch einfache Wartung, Robustheit und schlanke Betriebskosten auszeichnen. So liegen letztere laut L3Harris bei unter 1000 US-Dollar pro Flugstunde.
Für den ausländischen A-10-Interessenten könne die OA-1K als Gesamtpaket daher in der Tat mehr als ein Notnagel sein, wie der für das Projekt zuständige L3Harris-Manager Jason Lambert gegenüber Flight Global ausführte.
Die Skyraider II habe "in etwa die gleiche Grundfläche wie eine A-10, ist also von der Größe her sehr ähnlich", so Lambert. "Was die … Bewaffnung angeht, kann sie vieles von dem leisten, was eine A-10 leistet."
Es fehlt ihr allerdings die berühmt-berüchtigte GAU-8-Gatling der Thunderbolt II mit Kaliber 30 Millimeter.
Wer steckt hinter der A-10-Anfrage?
Darüber, auf welche Resonanz der Gegenvorschlag des Pentagon in Gestalt der OA-1K bei dem ominösen Interessenten stieß, gab Lambert keine Auskunft. Auch die Gretchenfrage, welches Land sich denn nun konkret hinter der A-10-Kaufanfrage verbirgt, wollte der L3Harris-Mann Lambert nicht beantworten.
Spekulationen dazu kreisten seit Sommer 2024 vor allem um Jordanien. Zumindest erhielt das Pentagon seinerzeit vom Streitkräfteausschuss des US-Senats die Anweisung, einen entsprechenden Verkauf von A-10-Jets an das nahöstliche Land zu prüfen.





