Der neue Patiententransportzug werde 150 Personen versorgen können, teilten Lufthansa Technik Defense und Siemens am Dienstag mit. Beide Partner planen die Entwicklung eines Lazarettzuges für militärische Evakuierungen und den zivilen Katastrophenschutz. Dabei steuere Siemens Lokomotiven und rollendes Material bei, während Lufthansa Technik die Patiententransporteinheiten und intensivmedizinische Betreuungseinrichtungen aus der Luftfahrt für die Kabineneinrichtung liefere. Beide Unternehmen unterzeichneten dazu im Vorfeld der Berliner Sicherheitskonferenz eine Absichtserklärung (MoU). Die Partner wollen ihn in Deutschland für die Bundeswehr sowie ihre NATO-Verbündeten entwickeln.
Medizinisches Personal reist an Bord mit
Der Zug besteht aus Vectouro-Reisezugwagen von Siemens, die mit einer Siemens Vectron X oder X Dual Mode (Diesel und Elektroantrieb) Lokomotive kombiniert werden. Lufthansa Technik Defense rüstet die Wagen mit Systemen für Krankentragen ("Litter Racks") und vollständig ausgestatteten Intensivbetten (Patiententransporteinheiten) aus. Der Zug bietet zudem Platz für bis zu 90 medizinische und unterstützende Einsatzkräfte. Die Partner verbinden dabei ihre jahrzehntelange Erfahrung im Schienenfahrzeugbau und im medizinischen Lufttransport.
"Gerade in diesen herausfordernden Zeiten geopolitischer Unsicherheit ist die Fähigkeit zur medizinischen Evakuierung von hoher strategischer Relevanz, und das gilt für den Land- genauso wie für den Lufttransport", erklärte Michael von Puttkamer, Vice President Special Aircraft Services and Defense bei Lufthansa Technik. "Mit Siemens Mobility haben wir einen starken Partner gefunden, um unsere bewährten aeromedizinischen Lösungen auch auf die Schiene zu bringen und so eine durchgängige Versorgungskette zu schaffen. So wollen wir die Einsatzbereitschaft der Bundeswehr und ihrer Verbündeten weiter stärken."
Umsteigen ohne Umbetten
Die Medizintechnik für den Zug habe sich bereits in der Luft bewährt: Die Deutsche Luftwaffe und andere Streitkräfte nutzten die AeroMEDICAL Solutions von Lufthansa Technik seit Jahrzehnten. Unter anderem werde damit der Airbus A400M der Bundeswehr zur "fliegenden Intensivstation". Die gleichen standardisierten Systeme würden nun auch im Zug verbaut, sodass Patientinnen und Patienten beim Wechsel zwischen den einzelnen Verkehrsträgern nicht umgebettet werden müssen. Die Wagen lassen sich je nach Einsatz und Betreuungsbedarf flexibel aus- und umrüsten – von der medizinischen Grundversorgung bis zur Intensivversorgung (NATO-Kategorien D1 bis D4).
Dieselantrieb macht unabhängig von Oberleitungen
Das Zugkonzept basiere auf bewährten Plattformen: Vectron X-Lokomotiven und Vectouro-Reisezugwagen seien auf grenzüberschreitenden Einsatz ausgelegt. Die Wagen eigneten sich zudem dank ihrer druckdichten Bauweise für Hochgeschwindigkeitsstrecken. Patientinnen und Patienten könnten damit auf den wichtigsten europäischen Bahnstrecken sicher und schnell transportiert werden, ohne dass an den Grenzen ein Fahrzeugwechsel nötig sei. Zusätzliche Flexibilität biete die Kombination mit einer Vectron X Dual Mode-Lokomotive, die sowohl elektrisch als auch mit Dieselantrieb fahren könne. Damit bleibe der Zug auch auf nicht elektrifizierten Strecken oder bei Ausfall der Oberleitung einsatzfähig. Ein wesentlicher Vorteil des Konzepts sei die Umrüstbarkeit zwischen zivilem Personenverkehr und Patientenevakuierung. Dies verbessere die Auslastung der Fahrzeuge und erhöhe ihre Wirtschaftlichkeit über den gesamten Lebenszyklus. Die Züge seien für mehr als 30 Betriebsjahre ausgelegt und ließen sich während dieser Zeit modernisieren und an neue Anforderungen anpassen.





