Lange war es ruhig um Virgin Galactic. Im Juni 2024 führte das Raumfahrtunternehmen des britischen Milliardärs Richard Branson den letzten Flug mit dem SpaceShip Two "VSS Unity" durch. Danach wollte man sich auf die Fertigstellung einer neuen Generation des Raketenflugzeugs konzentrieren. Nun hat Virgin Galactic das erste Spaceship der Delta-Klasse vorgestellt. Es heißt "Apeiron", das ist altgriechisch und heißt "das Grenzenlose". Der Name setzte sich in einer öffentlichen Online-Abstimmung durch.
Das neue Raketenflugzeug wurde am 28. Oktober von der Spaceship-Fabrik in Mesa, Arizona zu seiner Betriebsbasis am Spaceport America in der Mojave-Wüste in New Mexico überführt. Dafür wurde es an das Trägerflugzeug "VMS Eve", eine White Knight Two von Scaled Composites, montiert, das von den Piloten Michael Masucci und Dan Elix geflogen wurde. An Bord war auch die Flugtestingenieurin Tori Crichton.
Die Ingenieure werden nun die Avioniksoftware in "Apeiron" integrieren und validieren sowie Flugtests vorbereiten. Sobald diese abgeschlossen sind, will Virgin Galactic zahlende Kunden an Bord des neuen Raketenflugzeugs befördern. Angestrebt wird die Aufnahme des kommerziellen Flugbetriebs zu Beginn des zweiten Quartals 2027.
Mehr Passagiere, mehr Flüge
Das neue Spaceship "Apeiron" soll wie sein Vorgänger SpaceShip Two "VSS Unity" Touristen auf rund 90 Kilometer Höhe bringen. Dafür wird es von der "VMS Eve" zunächst auf bis zu 13.700 Meter befördert und ausgeklinkt, bevor es sein Hybrid-Raketentriebwerk zündet und selbständig weiterfliegt. Nach dem Abschalten des Raketenmotors gleitet das Raumflugzeug weiter bis zum höchsten Punkt des Fluges und die Passagiere erleben einige Minuten in Mikrograviation. Dann geht das Flugzeug in einen Sinkflug über, bei dem die doppelten Heckausleger und Schwanzflächen um bis zu 65 Grad nach oben rotieren. Das bremst und stabilisiert das Flugzeug im Gleitflug. Schließlich landet das Spaceship wie ein normales Flugzeug auf der Landebahn des Spaceport America.
"Apeiron" bietet mit sechs Plätzen zwei mehr als die "VSS Unity". Virgin Galactic plant mit dem neuen Fluggerät zwei Flüge wöchentlich – deutlich mehr als mit der "VSS Unity", die nur für einen Flug im Mnat ausgelegt war. Sie hat seit 2023 insgesamt nur sieben kommerzielle Flüge durchgeführt. Das neue Raketenflugzeug soll über sein ganzes Leben auf 500 Missionen kommen. In Arizona entsteht derzeit ein zweites Delta-Klasse-Raketenflugzeug. Es soll Ende des zweiten, Anfang des dritten Quartals in Dienst gehen.
Pläne für die Fertigung von Delta-Klasse-Raumflugzeugen kündigte Virgin Galactic 2022 an. Damals hieß es, erste Flüge sollten 2025 stattfinden. Zunächst wurde die Indienststellung auf 2026 verschoben und schließlich auf 2027. Verantwortlich dafür seien die vielen relativ kleinen, aber wichtigen Installationsaufgaben, so Virgin Galactic.
Virgin Galactic wurde 2004 von Richard Branson und dem US-Ingenieur Burt Rutan gegründet. Bis zum ersten kommerziellen Suborbitalflug musste das Unternehmen einige Rückschläge hinnehmen. 2007 wurden drei Mitarbeiter von Scaled Composites bei Tests getötet. Am 31. Oktober 2014 stürzte das erste SpaceShipTwo bei einem Testflug über der Mojave-Wüste in Kalifornien ab. Dabei kam der Co-Pilot ums Leben, der Pilot überlebte schwer verletzt.





