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Lufthansa Technik, Oliver Rösler, Jan Brandes
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Reine Handarbeit

Flugzeuge in der Trockenwäsche

In Frankfurt bringen die Mitarbeiter von Lufthansa Technik Flugzeuge zum Glänzen – ganz ohne Wasser, dafür mit viel Muskelkraft. Das ist nicht nur wichtig für die Optik.

Passagierflugzeuge sind nicht nur Verkehrsmittel, sondern auch Botschafter ihrer Airline. Ein sauberes Flugzeug erweckt bei den Passagieren Vertrauen und bringt das Logo bestens zur Geltung. Wie Autos auch werden Flugzeuge deshalb regelmäßig gewaschen. Allerdings gibt es für Verkehrsjets keine Waschstraßen, und Wasser kommt nur noch in Ausnahmefällen zum Einsatz. Stattdessen ist die Trockenwäsche heute Standard.

Außenreinigung ohne Wasser

Lufthansa Technik ist einer der Vorreiter, bereits seit 2004 setzt das Unternehmen auf die Außenreinigung ohne Wasser. Dabei werden die lackierten Bereiche der Flugzeugoberfläche zunächst mit einer flüssigen, beigefarbenen Polierpaste eingerieben. Die Mischung aus chemischen Lösungsmitteln und abrasiven, also reibenden Stoffen geht auch hartnäckigem Schmutz an den Kragen. Nach rund 20 Minuten Einwirkzeit wird der getrocknete Film aus Paste und Dreck abgetragen. Fertig, sauber.

Lufthansa Technik, Oliver Rösler, Jan Brandes
Die Rumpfunterseite gehört zu den am stärksten verschmutzten Bereichen eines Flugzeugs.

Reinigung in Handarbeit

Ganz so einfach ist es dann doch nicht. Zunächst müssen sensible Teile wie Pitotrohre oder Logolights abgeklebt und die Räder mit Plastikplanen abgedeckt werden. Das soll Beschädigungen verhindern. Die eigentliche Reinigung erledigen Flugzeugwäscher in Handarbeit. "Es gab Versuche, elektrische Schleifmaschinen aus dem Trockenbau zu modifizieren. Doch die Entwicklungskosten waren zu hoch", sagt Robert Schimmer, 63, Meister Aircraft Cleaning bei Lufthansa Technik in Frankfurt. Auch bei der früher üblichen Nasswäsche mit Wasser und Reinigungsmitteln wurde mit Maschinen experimentiert. Doch sie arbeiteten nicht so genau wie Menschen und beschädigten schlimmstenfalls sogar das Flugzeug.

Sieben Tage, rund um die Uhr

Robert Schimmer ist in Frankfurt als einer von zwei Meistern verantwortlich für rund 85 Beschäftigte, die meisten davon Leiharbeiter. Sie reinigen im Drei-Schicht-Betrieb sieben Tage pro Woche Flugzeuge innen und außen. Die Hauptkunden sind Lufthansa und Lufthansa Cargo. Die Planung der Arbeitseinsätze ist diffizil. "Kleinste Störfälle haben große Wirkung", sagt Schimmer. Immer wieder kommt es vor, dass ein Flugzeug kurzfristig nicht für die Reinigung verfügbar ist, weil es aus technischen Gründen für ein anderes einspringen muss.

Etwa 270 Arbeitsstunden für einen Airbus A380

Bis zu 50 Arbeitsstunden sind für die Trockenwäsche eines Kurzstreckenflugzeugs, beispielsweise einer Boeing 737, nötig. Bei einem Großraumjet wie dem Airbus A380 sind es rund 270 Stunden – zweimal so viel wie bei einer Nasswäsche. Schimmer erklärt, warum sich dieser Mehraufwand dennoch lohnt: "Andere Fakultäten können während der Trockenwäsche am Flugzeug ungestört arbeiten." Während einer Nasswäsche dürfen weder Mechaniker noch Mitarbeiter der Innenreinigung am Flugzeug tätig sein, weil kein Strom fließen darf. Die Trockenwäsche ermöglicht nicht nur paralleles Arbeiten, sie kann auch stückweise erledigt werden.

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Mit wiederverwendbaren Lammfellmops wird die Polierpaste aufgetragen.

Trockenwäsche nur zweimal pro Jahr nötig

Die Reinigungspaste hat noch einen weiteren Vorteil: Sie versiegelt die Oberfläche und weist Schmutz länger ab. Wurden Langstreckenjets früher bis zu viermal jährlich eingeschäumt und mit Wasser gewaschen, ist die Trockenwäsche nur zweimal pro Jahr nötig, etwa alle 2000 Flugstunden. Kurzstreckenflugzeuge sind schon nach 500 bis 750 Stunden fällig, weil sie häufiger starten und landen. "Am meisten verschmutzt sind die Luftauslässe, der APU-Bereich und die Rumpfunterseite hinter dem Hauptfahrwerk", sagt Schimmer. Dabei handelt es sich nicht nur um Schmutz von der Piste, sondern auch um Verbrennungsrückstände sowie Fette und Öle aus der Luft. Die Paste macht die Flugzeughaut nicht nur sauber, sondern auch glatter. Das verringert den Luftwiderstand und den Kerosinverbrauch, Lufthansa Technik geht von 0,2 Prozent aus.

Nasswäsche nur noch in Ausnahmefällen

Neben Treibstoff spart die Trockenwäsche vor allem aber Wasser. Rund 20 000 Liter wären für die Nasswäsche einer A380 nötig – mehr als 130 gefüllte Badewannen. Die Aufbereitung von mit Schmutz und Reinigungsmitteln kontaminiertem Wasser entfällt ebenfalls.
Ganz ohne Nasswäsche geht es aber nicht. Die stark verschmutzten Fahrwerke werden nach wie vor mit Wasser und Reinigungsmitteln gesäubert. Auch Enteisungsflüssigkeit und Salz werden im Winter mit warmem Wasser entfernt – weil das dann doch schneller geht als die Trockenwäsche.

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Innenreinigung

Innenreinigung

In der Flugzeugkabine gibt es unterschiedliche Arten der Reinigung. Beim täglichen Spot Cleaning werden die verschmutzungsanfälligsten Bereiche wie Waschräume, Küchen und Klapptische sauber gemacht. Beim Basic Cleaning (bei Langstreckenjets alle 1000 Stunden, bei Kurzstreckenflugzeugen nach 500 bis 800 Stunden) werden auch schwerer zugängliche Stellen wie die Sitzschienen und die Abluftgrills gereinigt. Noch intensiver ist die Reinigung während des C-Checks, der etwa alle eineinhalb Jahre stattfindet. In Frachtflugzeugen muss hin und wieder auch ein Kammerjäger ran, der mitgereisten Nagetieren und Ungeziefer den Garaus macht.