Vom Ultraleicht bis zur MiG-25
Die 6 wildesten Flugzeug-Fluchtgeschichten

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Vom Ultraleicht bis zum Kampfjet – lesen Sie hier die spektakulärsten Fälle, bei denen Menschen die Flucht mit dem Flugzeug gelungen ist.

Die 6 wildesten Flugzeug-Fluchtgeschichten
Foto: nbc news

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Bob Hoover war vor seiner Flucht noch nie zuvor in einer Fw 190 gesessen

Bob Hoover

Pilotenlegende Bob Hoover ist vor allem wegen seiner spektakulären Kunstflugauftritte bekannt: Das Video, in dem er eine Fassrolle fliegt und währenddessen entspannt ein Glas Eistee im Cockpit einschenkt, ist weltberühmt. Ebenso sein Aerobatics-Display in einer zweimotorigen Shrike Aero Commander, bei dem er regelmäßig erst ein Triebwerk abschaltete und schließlich das Programm im Segelflug beendete. Ein nicht weniger spektakulärer Stunt brachte dem US-amerikanischen Piloten im April 1945 die Freiheit aus deutscher Kriegsgefangenschaft. Während der Flucht aus dem Gefangenenlager in Barth gelang es Hoover, an einem kaum bewachten deutschen Flugfeld eine Focke-Wulf Fw 190 zu stehlen. Obwohl er das Muster noch nie geflogen war, gelang es schaffte er es, den Motor zu starten, abzuheben und entlang der Küstenlinie bis in die Niederlande zu fliegen. Karten hatte er dabei keine zur Verfügung. "Ich flog, bis ich Windmühlen unter mir sah. Dann wusste ich, dass ich in Sicherheit bin", erzählte Hoover später. Nach der Landung auf einem Feld musste er allerdings noch vor den Bewohnern eines nahen Dorfes fliehen. Wegen der deutschen Lackierung der Focke-Wulf in deutschen Farben hielten sie Hoover zunächst für den Feind.

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Dewjatajew wurde in der deutschen He 111 von der eigenen Flugabwehr beschossen

Michail Dewjatajew

Ähnlich wie Bob Hoover gelang auch einem sowjetischen Bomberpiloten die Flucht aus deutscher Kriegsgefangenschaft: Zusammen mit neun weiteren Gefangenen brach Michail Dewjatajew im Februar 1945 aus dem Arbeitslager Peenemünde auf der Insel Usedom aus. Sie hatten geplant, am dortigen Flugfeld eine Heinkel He 111 stehlen und mit ihr zu fliehen. Der erste Startversuch misslang, doch Dewjatajew drehte die Maschine auf der Bahn und hob schließlich in Gegenrichtung ab. Deutsche Jagdflieger nahmen die Verfolgung auf, doch die Heinkel hängte sie auf ihrem Weg Richtung Leningrad in den Wolken ab. Bei seiner Landung auf sowjetischem Gebiet wäre Dewjatajew beinahe von den eigenen Geschützen getroffen worden, die den deutschen Bomber abzuwehren versuchten. Und auch nach der gelungenen Flucht wurde der Pilot keineswegs sofort als Held gefeiert, sondern als Spion verhaftet: Der Nachrichtendienst erachtete den spektakulären Flug ohne deutsche Hilfe für unmöglich.

Dmitry A. Mottl, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=3787341
Über die Mig-25 hatten westliche Staaten zunächst kaum Informationen

Viktor Belenko

Die MiG-25 war der Schrecken der westlichen Luftstreitkräfte in den 1970er-Jahren. Nicht einmal die wahre Typenbezeichnung war bekannt, von der Technologie des neuen Überschalljägers ganz zu schweigen. Doch selten wird den militärischen Geheimdiensten die Arbeit so leicht gemacht wie durch die Flucht des sowjetischen Piloten Viktor Belenko am 6. September 1976: Auf einem Übungsflug setzte er sich von seinem Flügelmann ab und desertierte in seiner MiG-25P. Im Tiefflug steuerte er die MiG unter dem russischen Radar nach Japan und landete er auf dem Flugplatz Hakodate. 67 Tage lang zerlegten japanische und US-amerikanische Spezialisten die MiG und untersuchten das feindliche Flugzeug bis ins kleinste Detail, bevor sie den Kampfjet in Einzelteilen an die Sowjetunion zurückgaben. Offiziell deklarierte die UdSSR die Fahnenflucht Belenkos als einen Notfall: Aufgrund Orientierungsverlusts während eines Übungsflugs sei der Pilot vom Kurs abgekommen und haben notlanden müssen, so die offizielle Verlautbarung. Später vermeldeten russische Medien mehrfach seinen Unfalltod. Tatsächlich erhielt Belenko 1980 die US-Staatsbürgerschaft und arbeitete in den Vereinigten Staaten als Flugzeugingenieur.

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Mit aufgeklebten roten Sternen sollten die DDR-Grenzwachen getäuscht werden

Bethke-Brüder

Kaum jemand hat die Führung der DDR so sehr blamiert wie die drei Brüder Bethke aus Ost-Berlin: Der eine flüchtete mit einer Luftmatratze über die Elbe, der andere mit einer selbstgebastelten Seilbahn nach Westberlin. Und der dritte Bruder, Egbert, ließ sich 1989 von seinen Geschwistern im Flugzeug ausfliegen. Dafür hatten Ingo und Holger Bethke sogar ihre Kneipe verkauft. Von dem Geld erstanden sie zwei Ultraleichtflugzeuge. Die brachten sie per Spedition nach Westberlin – nicht wenig riskant, denn Privatflugzeuge waren zu dieser Zeit dort streng verboten. Von einem Fußballfeld aus starteten sie Richtung Ost-Berlin. Den Flugzeugen hatten sie zur Tarnung einen Camouflage-Anstrich verpasst, mit rotem Stern auf dem Leitwerk – in der Hoffnung, dass man sie für Russen halten und nicht auf sie schießen würde. In Ost-Berlin sprang Egbert an Bord, wenige Minuten später landeten die Brüder unbeschadet vor dem Reichstag.

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Die An-2 ist das "beliebteste" Fluchtflugzeug der Kubaner

Ruben Martinez

Normalerweise versuchen Kubaner die Flucht in die Vereinigten Staaten von Amerika per Boot: Die kürzeste Entfernung zwischen der Insel und dem südlichsten Punkt der USA beträgt gerade einmal 144 Kilometer. Ein 29-jähriger kubanischer Pilot nutzte jetzt stattdessen den Luftweg: In einer Antonow An-2 flog Ruben Martinez vom Aeropuerto de Sancti Spíritus rund 460 Kilometer bis in die Everglades zum Dade-Collier Training and Transition Airport. Der größte Doppeldecker der Welt ist eine Konstruktion aus den 1940er Jahren, noch heute wird er für Agraraufgaben und Fracht eingesetzt. Als Fluchtmaschine ist die An-2 ebenfalls beliebt: Mindestens 19-mal wurde die Antonow bereits zur Flucht von Kuba genutzt.

Philipp Prinzing
Bekannt aus dem Filmklassiker Casablanca: Lockheed Electra 12

Ilsa Lund & Victor László

Es war die wohl romantischste Flucht der Geschichte, selbst wenn sie nur auf der Leinwand stattfand: Rick Blaine bleibt am Flughafen in Casablanca zurück, als Ilsa Lund und Victor László zusammen in die abflugbereite Lockheed Electra steigen. Am Ende erschießt Rick gar noch Major Strasser, als dieser den Start der Maschine verhindern will. Polizei-Captain Louis Renault deckt ihn – der Beginn einer wunderbaren Freundschaft. Es wäre an dieser Stelle müßig, die ganze Geschichte des Filmklassikers nochmals aufzurollen. Nur ein Fakt – und Achtung, Spoileralarm: Bei den Dreharbeiten hob niemals eine Lockheed Electra ab, es kamen lediglich Mockups zum Einsatz.

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