Diese Invader ist Deutschlands neuer Warbird-Star Philipp Prinzing
15 Bilder

Diese A-26 Invader ist Deutschlands neuer Warbird-Star

A-26 von TinaFly Diese Invader ist Deutschlands neuer Warbird-Star

Inhalt von

Deutschlands schnellster zweimotoriger Warbird fliegt bei Tina Fly Am Flugplatz Bremgarten. Die On Mark Marketeer, deren Basis eine Douglas A-26 Invader ist, setzt neue Maßstäbe.

Ed Heinemann ist bis heute als Konstrukteur legendär: Entwürfe wie Dauntless, Skyraider oder Skyhawk sind auf seinem Zeichenbrett entstanden. Doch sein vermutlich bekanntester Wurf war die A-26 Invader. Heinemann war Autodidakt und begann 1926 – und damit schon viele Jahre vor dem Erstflug der Invader – seine Arbeit bei Douglas. Dort blieb er vorerst nur ein Jahr, bis er 1933 durch Umwege und Übernahmen erneut in Long Beach bei seinem alten Arbeitgeber landete. 1937 wurde er der leitende Ingenieur der Zweigstelle in El Segundo und entwickelte hauptsächlich militärische Muster. Als die Regierung nach einem Nachfolger für die A-20 Havoc suchte, stellte Heinemann ein Team zusammen, das aus Robert Donovan und Ted R. Smith bestand. Smith stellte das innovative Laminarprofil NACA 65-215 zur Verfügung, um dem neuen mittelschweren Bomber eine absolute Geschwindigkeitsüberlegenheit im Vergleich zu den Wettbewerbern wie etwa der North American B-25 Mitchell zu verschaffen.

Der Prototyp der Douglas XA-26 (AAC Ser. No. 41-19504) flog erstmals am 10. Juli 1942 auf dem Mines Field in El Segundo mit Benny Howard als Testpilot am Steuer. In den folgenden Versuchen wurden zur Freude aller Beteiligten hervorragende Leistungen und Handlingeigenschaften erflogen. Probleme traten bei der Kühlung der beiden Pratt & Whitney R-2800-27 Double Wasp auf, weshalb die Verkleidung der Doppelsterne geändert und die Propellerverkleidung demontiert wurde. 1943 begann die Serienfertigung; die Indienststellung bei den US Army Air Forces erfolgte im selben Jahr. Einsätze flog der "Eindringling" (Invader) sowohl in Europa als auch im Pazifikraum.

Philipp Prinzing
Auch am Boden macht die Marketeer eine gute Figur. Inzwischen ist auch das Bugfahrwerk verchromt.

Vom Warbird zum Geschäftsreiseflugzeug

Auf die weitere militärische Nutzung wird in diesem Artikel nicht eingegangen, denn hier geht es um ein ganz besonderes Exemplar der Invader: N500MR. Sie wurde 1944 als A-26B Invader mit der Construction Number 28048 und mit der USAAF Serial 44-34769 an die USAAF ausgeliefert. Nach dem Zweiten Weltkrieg erging es ihr wie vielen anderen ehemaligen Militärmaschinen, die als überzählig ausgemustert wurden. Zum Glück entging die N500MR den Hochöfen und einem neuen Leben als Coladose. Ihr erster ziviler Eigner war zwischen 1950 und 1954 die Superior Oil Co Inc. Die erste zivile Registrierung war N67162. Später übernahm Fletcher Oil & Gas das Flugzeug mit der neuen Registrierung N500M. Doch was machten Ölfirmen mit einem Ex-Militärflugzeug? Sie nutzten es in friedlicher Mission als Geschäftsreiseflugzeug, denn Waffen und Bombenschacht gab es nicht mehr. Es war die Firma On Mark Engineering, die ab 1954 in Van Nuys, Kalifornien, ehemalige Warbirds zu den ersten Geschäftsreiseflugzeugen umbaute. Die wichtigsten Produkte des Unternehmens waren der Umbau überschüssiger A-26 Invaders zu Executive-Transportern – die Marketeer ohne, das Schwestermodell Marksman mit Druckkabine.

On Mark baute auch 41 Douglas B-26 in YB-26K und 40 B-26K Counter-Invader (später in A-26A umbenannt) für Einsätze der US Air Force gegen Aufstände um. On Mark übernahm auch den Umbau einer Boeing 377 Stratocruiser in den Prototyp "Pregnant Guppy" für Aero Spacelines. Zu den erstgenannten Marketeers gehörte eben auch die heutige N500MR. Bei diesen Umbauten wurden vor allem die militärischen Ausrüstungen entfernt und durch Verkleidungen sowie zivile Avionik ersetzt. Die Klappen der Bombenschächte wurden abgedichtet, der Schallschutz verbessert und es wurden zusätzliche Kabinenfenster eingebaut. Die ursprüngliche Einstiegsluke der Bordschützen wurde durch eine größere, einziehbare Schwung-Eingangstür ersetzt und in der Bugsektion wurde Platz für Gepäck geschaffen. Die demilitarisierten Flugzeuge verfügten über verbesserte Brems- und Treibstoffsysteme sowie verbesserte Motoren mit Propellern mit Umkehrfunktion.

Philipp Prinzing
Edel bis ins Detail. In der Kabine sitzen die Passagiere auf bequemen Ledersofas und genießen gekühlte Getränke.

Reno Racer

Die N550MR hatte nach den ersten beiden Eignern noch eine ziemlich wilde Episode vor sich, denn einer der nächsten Besitzer, Lloyd A. Hamilton, der die Maschine 1971 übernahm, flog sie als Race #16 bei den bekannten Reno Air Races. Eine ungewöhnliche Entscheidung, da sie in Sachen Wendigkeit natürlich nicht mit Jägern mithalten konnte. Allein ihre Höchstgeschwindigkeit von mehr als 500 Stundenkilometern machte sie konkurrenzfähig. 1981 erfolgte wieder ein Verkauf, diesm

Philipp Prinzing
Eine gefällige NoseArt darf an einem echten Warbird natürlich nicht fehlen.

al an George J. Rivera aus Kalifornien, der sie erstmals als N500MR registrierte. 1990 kaufte William F. Farrel die N500MR, lackierte sie um und verlieh ihr den Namen "Gator Invader". 1995 übernah ein griechischer Reeder den Executive-Bomber und stellte ihn in seine Sammlung auf der Tanagra Air Base nahe Athen. Der Pilot, der sie 1995 nach Griechenland überführte, war Carl Wymann. Mit ihm schließt sich der Kreis, denn Wymann war es auch, der die N500MR 2019 von Griechenland nach Deutschland brachte. In Deutschland wartete abermals ein neuer Besitzer: die Tina Fly GmbH aus Eschbach am Flugplatz Bremgarten.

Das neue Leben beginnt bei Tina Fly

Wer ist die Tina Fly GmbH? Hinter dem Namen stecken Achim Meier als Geschäftsführer und Martina Paul als Prokuristin. Beide teilen eine Leidenschaft fürs Fliegen. Zur Firmenidee gehören auch die Themen Investment und Teilen (unter mehreren Besitzern) dazu. Das Geschäftsmodell dreht sich um historische Flugzeuge, die von Tina Fly betrieben, überarbeitet und auch wieder verkauft werden. So ist es nicht verwunderlich, dass immer ein breites Portfolio von interessanten Projekten bis hin zu sofort flugfähigen historischen Flugzeugen bereitsteht – entweder als Eigenbesitz, als Investment oder als Beteiligung. Tina Fly begleitet die Flugzeugeigner oder Investoren professionell bei deren Vorhaben mit entsprechenden Business-Lösungen. Wartungs- und Restaurierungsarbeiten können bei der benachbarten LTB MeierMotors GmbH durchgeführt werden. Eine örtliche Symbiose, die Kunden wie Unternehmern Vorteile bringt. Doch nicht nur mit MeierMotors besteht eine Kooperation. Bei der Invader wurde auch JF Aircraft rund um Firmenchef Jiri Flieger mit ins Boot geholt, der bereits an anderen Tina-Fly-Projekten mitgewirkt hatte. Natürlich sind die technisch in Bestzustand befindlichen Flugzeuge in den Händen von Tina Fly keine Stehzeuge, sondern werden regelmäßig bewegt. So auch die Invader, die nach einer kompletten Überholung innen wir außen inzwischen wie neu aussieht. Leitungen, Elektrik, Innenraum, Instrumente, Schläuche und vieles mehr wurden erneuert. Ein Flugzeug in dieser Größenordnung erfordert besonders viel Einsatz, und so nahm Tina Fly alles in Angriff und verpasste der Invader eine Verjüngungskur. Als i-Tüpfelchen polierte ein Team der Firma Airglaze Aviation die Oberfläche auf Hochglanz. Ammann Plane Woodwork überarbeitete den Innenraum und verpasste ihm neues Holz. Final überlegte man sich einen passenden Namen und eine frische NoseArt. So stand die als "Rum and Coke" wiedergeborene Invader für den Erstflug bereit.

Ein begeisterter Pilot erzählt

Der Pilot, der sie beim Erstflug bewegt und inzwischen einige Stunden gesammelt hat, ist Lukas Meier. Er ist unter anderem Ausbilder bei der Schweizer Luftwaffe und fliegt neben seinem Beruf einige Warbirds, darunter eben auch die Invader von Tina Fly. Bei einem Gespräch mit dem Autor beschreibt er seine Erfahrungen mit der A-26: "Zum ersten Mal in Kontakt kam ich mit der Invader in Griechenland anlässlich der Prebuy Inspection durch die Tina-Fly-Mitarbeiter. In der Folge durfte ich mit einem erfahrenen Piloten einen ersten Testflug vor der Überführung machen. Das war nötig, denn sie wurde in den letzten Jahren nicht geflogen. Ich war tief beeindruckt, begeistert, aber gleichzeitig stieg mein Respekt vor dem riesigen Stahlkoloss ins Unermessliche. Nach 25 Jahren Erfahrung als Berufspilot in der Schweizer Luftwaffe habe ich fliegerisch schon viel erlebt und auch etliche Typen geflogen. Auch meine jahrelange Erfahrung mit Warbirds, vor allem mit Mustangs, konnte meine Ehrfurcht vor der A-26 nicht mindern."

Lukas Meier war zu Beginn nur Co-Pilot auf dem schnellen Bomber, und auch auf dem Überführungsflug von Griechenland Bremgarten ließ er dem erfahrenen Piloten den Vortritt. Trotzdem wurde er schon da immer vertrauter mit der A-26 und seine Begeisterung stieg noch weiter. "Im Wissen, dass das Flugzeug in den kommenden Jahren restauriert wird und ich im Anschluss an die Restauration eine gründliche Umschulung durch den ehemaligen A-26Chief Instructor der Firma Airspray erhalten werde, fühlte ich mich bereit für das, was da noch kommen würde."

Philipp Prinzing
Die „Rum and Coke“ ver- fügt über ein Doppelsteuer, das ebenfalls bei On Mark installiert wurde.

"Freude pur"

Doch es kam anders. Die Coronapandemie legte die Welt lahm, so dass auch der Ausbilder aus den USA nicht mehr nach Europa kommen konnte. Als das Ende der Arbeiten nahte, war Lukas Meier auf sich allein gestellt. Schon vor dem Überführungsflug und während der Restaurierung hatte er alle verfügbaren Informationen verschlungen. Handbücher, Lehrvideos und sogar den Hollywood-Film "Always – Der Feuerengel" sah er sich mehrfach an.

"Nach langjähriger Zusammenarbeit mit MeierMotors und Tina Fly wusste ich genau: Wenn sie das Flugzeug für den Erstflug freigeben, wird alles zu 100 Prozent funktionieren, und so war es auch. Der Termin für den Erstflug wurde festgelegt, der Flugablauf im Detail besprochen und nach diversen Engine-Runs und Rollversuchen war es dann so weit. Mit Achim Meier als Copilot, der die Technik beherrschte, und vor allem die Motoren verstand, standen wir eines Tages auf der Piste in Bremgarten und gaben Vollgas. Die Maschine beschleunigte behäbig, lief stabil geradeaus, und noch bevor Achim ‚85 knots, rotate‘ sagen konnte, war das Bugrad in der Luft, hob ab und flog. Alles lief perfekt, die Maschine beschleunigte nach ‚Gear up‘ und ‚Flaps up‘ legte sie nochmal zu, nun brachial. Nach wenigen Sekunden hatte sie bereits eine CruiseSpeed von über 220 Knoten erreicht. Die Anspannung wich und die Freude wuchs ins Unermessliche. Alle Systeme funktionierten tadellos, der anschließende 20-minütige Flug war Freude pur. Es blieb aber noch die Landung. Das Flugzeug verhielt sich im Anflug absolut stabil, war sehr berechenbar und ließ sich sanft, aber mit enormem Steuerdrücken landen," berichtet Lukas Meier.

Philipp Prinzing
Für die Zur Verfügung stehende Leistung findet Pilot Lukas Meier nur einen Ausdruck: Brachial

Ein massives Flugzeug

Die Invader wirkt am Boden sehr massiv, schwer und träge, aber einmal in der Luft, wird sie zur Rakete. Die Steuerkräfte sind sehr hoch, dennoch ist das Flugzeug enorm wendig und sehr einfach beherrschbar. Es erfordert aber die permanente Aufmerksamkeit der Crew, vor allem was die Motoren betrifft. Auf die Trimmung auf allen Achsen reagiert die A-26 laut Meier sehr sensibel. Die auftretenden Momente bei den verschiedenen Klappenstellungen sowie beim Ein- und Ausfahren des Fahrwerks sind ebenfalls immens. Die hohe Masse macht sich in jeder Phase des Flugs bemerkbar, beruhigt aber gleichzeitig die Flugbahn enorm. "Für die zur Verfügung stehende Leistung gibt es nur einen Ausdruck: brachial. Der Sound der beiden Motoren ist unbeschreiblich, man muss ihn einfach gehört haben. Für mich ist es nach wie vor schier unglaublich, was für ein aerodynamisch perfektes Flugzeug damals in den 1940er Jahren ohne Computerunterstützung konstruiert wurde."

Zur Startseite
Klassiker Szene Missglückter Rollversuch Wildgewordener Vulcan-Bomber bleibt im Acker stecken

Eine Avro Vulcan überschoss bei einem missglückten Rolltest die Piste.