Ford TriMotor: Ein Mitflug in der historischen Blechgans von Henry Ford

Mitflug in der Ford Trimotor
Mit der „Tin Goose“ zurück in die 1920er-Jahre

ArtikeldatumVeröffentlicht am 25.10.2026
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Henry Ford begann sich bereits Anfang des 20. Jahrhunderts für die Luftfahrt zu interessieren und investierte gemeinsam mit anderen in die Stout Metal Airplane Company. 1925 übernahm er das Unternehmen samt dessen Flugzeugkonstruktionen. Aus einem einmotorigen Stout-Eindecker entstand zunächst die dreimotorige Stout 3-AT mit drei luftgekühlten Curtiss-Wright-Sternmotoren. Das Cockpit war noch offen, denn die Piloten glaubten damals, den Wind spüren zu müssen, um das Flugzeug sicher steuern zu können.

Von der 3-AT entstand nur ein Prototyp. Bei den ersten Testflügen im November 1925 erwies sich die Konstruktion als schwer, untermotorisiert und aerodynamisch problematisch. Nach einem Brand, der die Stout-Flugzeugwerke samt der 3-AT im Januar 1926 vollständig zerstörte, begann Ford noch einmal neu und entwickelte die Ford 4-AT Trimotor. Ihre Ganzmetallbauweise war zwar nicht revolutionär, für die damalige Zeit aber fortschrittlich. Das gewellte Blech erhöhte die Steifigkeit, sorgte allerdings auch für zusätzlichen Luftwiderstand. Das Prinzip erinnerte stark an die Konstruktionen von Hugo Junkers, der bereits Flugzeuge wie die F 13, K 16 und G 24 in Wellblechbauweise entwickelt hatte. Über die Nutzung dieser Bauweise kam es später sogar zu einem Rechtsstreit zwischen Junkers und Ford.

Henry Ford soll seine Trimotor als "sicherstes Passagierflugzeug überhaupt" bezeichnet haben. Unter Piloten erhielt sie bald den Spitznamen "Tin Goose", die Blechgans.

Ford 5-AT-B Tri-Motor NC9645 „City of Wichita“ beim EAA AirVenture in Oshkosh
Ralf Plechinger

Mitflug in der "Tin Goose"

Insgesamt gibt es weltweit nur noch acht flugfähige Ford Trimotor. Eine der seltenen Gelegenheiten für einen Mitflug bietet sich beim EAA AirVenture in Oshkosh, wo regelmäßig Rundflüge mit einer Trimotor angeboten werden. Die Tickets sind allerdings begehrt und oft schon früh ausverkauft. Ich entschied mich spontan für den Besuch und hatte vorab keines mehr bekommen. An der Tageskasse hatte ich jedoch Glück.

In Oshkosh kam in diesem Jahr die 5-AT-B mit der Kennung NC9645 zum Einsatz. Die 5-AT, wobei AT für Air Transport steht, ist eine vergrößerte und leistungsstärkere Variante der Ford Trimotor. Gegenüber der kleineren 4-AT besitzt sie eine größere Spannweite, einen längeren Rumpf für bis zu 17 Passagiere und stärkere Pratt & Whitney Wasp-Sternmotoren. Ihren Erstflug absolvierte diese Version Mitte 1928.

Schon von außen erinnert die NC9645 unweigerlich an die Ju 52. Besonders auffällig sind die unverkleideten Motoren unter den Tragflächen. Beim Betreten der Kabine fühlt man sich direkt zurückversetzt in die 1920er-Jahre. Jeder der neun genutzten Sitzplätze ist ein Fensterplatz, der zehnte ganz hinten bleibt heute leer. Polierte Holzverkleidungen, Vorhänge an den Fenstern und stilechte Lampen über den Sitzen verleihen der Kabine einen edlen und exklusiven Touch.

Ford 5-AT-B Tri-Motor NC9645 „City of Wichita“ beim EAA AirVenture in Oshkosh
Ralf Plechinger

Ein lauter Start

Ich bin der zweite Passagier beim Einsteigen und kann mir einen Platz in der ersten Reihe sichern. Eingestiegen wird ganz hinten. Auf dem Weg nach vorne muss man ordentlich Steigung überwinden, denn die Trimotor ist ein Spornradflugzeug. Wie bei der DC-3 und Ju 52 liegt das Heck im Stand und beim Rollen am Boden. Wenn ich aus dem Fenster blicke, schaue ich genau auf die unverkleideten Motoren unter der Tragfläche. Sobald der letzte Rundflugpassagier eingestiegen ist, startet unser Pilot die Motoren. Da diese bereits von vorherigen Rundflügen warmgelaufen sind, geht das Anlassen rasch über die Bühne. Zwischen den einzelnen Startsequenzen vergeht nicht viel Zeit. Das Lärmniveau hält sich zunächst in Grenzen. Dann geht es auch schon zur Startbahn 36L.

Da mir ein Freund mitgeteilt hatte, dass die Trimotor im Flug sehr laut sei, habe ich bereits meine Ohrenstöpsel in den Ohren. Als unser Pilot auf der Startbahn Gas gibt, fühle ich mich in dieser Maßnahme bestätigt. Die Motoren sind wirklich äußerst laut. Es dauert nicht lange, dann heben wir ab und drehen gleich nach rechts ab, um nicht den Verkehr auf der Querbahn zu behindern. Als der Pilot die Schubhebel für den Steigflug etwas zurücknimmt, wird der Motorenlärm angenehmer.

Unsere Flugroute führt zunächst zur Seaplane Base am Lake Winnebago. Ich stelle mir vor, wie sich die Leute wohl auf ihren Flugreisen mit der Trimotor damals gefühlt haben müssen. Das muss eine interessante und aufregende Zeit gewesen sein.

Ford 5-AT-B Tri-Motor NC9645 „City of Wichita“ beim EAA AirVenture in Oshkosh
Ralf Plechinger

Robust und vielseitig

Die Trimotor war primär für den Passagierverkehr konzipiert. Sie ließ sich jedoch leicht und schnell für den Frachttransport umrüsten, da die Sitze entfernt werden konnten. Die 5-AT besaß zudem eine ungewöhnliche Vorrichtung zum Absenken der Frachträume, um die Frachtkapazität zu erhöhen.

Anders als bei vielen anderen Flugzeugen der damaligen Zeit sind die Steuerflächen nicht mit Stoff bespannt, sondern ebenfalls mit Wellblech. Sie werden über Seile gesteuert, die außerhalb des Flugzeugs verlaufen. Ebenfalls außen angebracht waren damals die Motorinstrumente, die die Piloten beim Blick durch die Windschutzscheibe ablesen konnten. Bei der NC9645 ist dies heute nicht mehr der Fall: Die Instrumente wurden ins Cockpit verlegt.

Ein weiteres interessantes Merkmal ist die "Johnny-Bremse". Die Trimotor besitzt einen zentral im Cockpit montierten Handhebel anstelle klassischer Fußspitzenbremsen. Zieht der Pilot am Hebel, werden mechanisch beide Hauptfahrwerksbremsen gleichzeitig angesteuert. Durch zusätzlichen Ausschlag der Ruderpedale lässt sich die Bremskraft auf die einzelnen Räder verlagern, um das Flugzeug am Boden zu lenken. Der Name geht auf die veraltete Bezeichnung "Johnson Bar" für manuelle Bedienhebel in der Eisenbahntechnik zurück.

Wie die Fahrzeuge von Henry Ford waren auch seine Flugzeuge durch die Kombination aus Metallkonstruktion und einfachen Systemen robust, zuverlässig und relativ preiswert. Einfache Wartungsarbeiten ließen sich vielerorts durchführen. Im Winter konnte die Trimotor sogar mit Skiern und im Sommer mit Schwimmern ausgestattet werden.

Ford 5-AT-B Tri-Motor NC9645 „City of Wichita“ beim EAA AirVenture in Oshkosh
Ralf Plechinger

Erfolg im Passagierverkehr

Die Produktion der Trimotor lief von 1926 bis 1933. Insgesamt wurden 199 Stück gebaut, darunter 79 4-AT und 117 5-AT sowie einige Versuchsflugzeuge. Die Ford Aircraft Division galt Ende der 1920er-Jahre als weltweit größter Hersteller von Verkehrsflugzeugen. Mehr als 100 Fluggesellschaften weltweit flogen die Trimotor. Trotzdem erzielte Ford mit seinem Flugzeuggeschäft nie einen Gewinn.

Die NC9645 trägt heute die historische Aufschrift und Bemalung der Transcontinental Air Transport (TAT). Die Fluggesellschaft wurde 1928 gegründet, um als erste Airline eine regelmäßige transkontinentale Passagierverbindung zwischen der Ost- und Westküste der USA anzubieten. Zum Einsatz kam dabei die Trimotor. 1930 fusionierte TAT mit Western Air Express zur Transcontinental & Western Air (T&WA), aus der später die berühmte Trans World Airlines (TWA) entstand.

Auch Pan American Airways nutzte die "Tin Goose" in großem Umfang für ihre ersten internationalen Linienflüge von Key West nach Havanna auf Kuba. Cubana de Aviación war unterdessen eine der ersten Fluggesellschaften Lateinamerikas, die die Ford-Dreimot ab 1930 im Inlandsflugverkehr einsetzte.

Ford 5-AT-B Tri-Motor NC9645 „City of Wichita“ beim EAA AirVenture in Oshkosh
Ralf Plechinger

Besondere Einsätze

Darüber hinaus absolvierte die Trimotor eine Reihe bemerkenswerter Flüge. 1929 wurde sie erstmals für einen Flug über den geografischen Südpol eingesetzt. 1930 transportierte eine Trimotor sogar eine Kuh, die während des Fluges gemolken wurde. Franklin Roosevelt nutzte 1932 eines der Flugzeuge für seinen Präsidentschaftswahlkampf. 1937 wurde eine Ford umgebaut und mit Tanks für 1800 Gallonen Flugbenzin und 450 Gallonen Öl in der Kabine ausgestattet. Damit betankte sie eine Lockheed Electra im Flug, während beide Flugzeuge in Formation flogen und ein Schlauch von der Ford zur Lockheed führte.

Die Blütezeit der Trimotor währte jedoch nicht lange. Mit der Boeing 247, der DC-2 und der DC-3 kamen fortschrittlichere Flugzeuge auf den Markt. Der Börsencrash von 1929 tat sein Übriges, sodass die Verkaufszahlen bei Ford drastisch zurückgingen. Henry Ford verlor schließlich das Interesse an der zivilen Luftfahrt und stellte die Produktion ein. Aufgrund ihrer Langlebigkeit flogen viele Trimotor jedoch noch bis in die 1960er-Jahre. Zahlreiche Exemplare wurden zu Frachtflugzeugen umgebaut.

Ford 5-AT-B Tri-Motor NC9645 „City of Wichita“ beim EAA AirVenture in Oshkosh
Ralf Plechinger

Ende des Rundflugs

Mein Rundflug neigt sich leider schon dem Ende zu. Zehn Minuten sind wirklich nicht lang, aber genug, um einen kleinen Einblick in die Fliegerei der 1920er-Jahre zu bekommen. Die "Big Ford", wie die Trimotor während des EAA AirVenture am Funk heißt, reiht sich zur Landung auf Piste 36R ein.

Zum Aussteigen werden zwei Motoren abgestellt, einer läuft weiter. Im fliegenden Wechsel werden die Passagiere ausgetauscht. Trotzdem bleibt ein kurzer Moment, um das Cockpit zu besichtigen. Besonders auffällig sind die beiden hellbraunen Holzsteuerhörner. Dazwischen befinden sich die drei Gashebel, darüber einige Motor- und Fluginstrumente im schwarzen Instrumentenbrett.

Einen künstlichen Horizont sucht man vergeblich. Es steht lediglich ein Variometer zur Verfügung, das anzeigt, ob das Flugzeug steigt oder sinkt. Unterstützend haben die Piloten ein kleines, rudimentäres GPS-Gerät montiert.

Ford 5-AT-B Tri-Motor NC9645 „City of Wichita“ beim EAA AirVenture in Oshkosh
Ralf Plechinger

Die Geschichte der NC9645

Die NC9645 absolvierte ihren Erstflug am 1. Dezember 1928 und wurde auf den Namen "City of Wichita" getauft. Sie war das achte gebaute Flugzeug der 5-AT-Serie, wie ihre Seriennummer 5-AT-8 verrät. Im Juli 1929 schrieb sie zusammen mit ihrem Schwesterflugzeug "City of Columbus" Geschichte, als beide bei der ersten kombinierten transkontinentalen Zug- und Flugverbindung der USA von Küste zu Küste zum Einsatz kamen.

1931 ging die NC9645 dann in das Register von T&WA, der späteren TWA, über und half beim Ausbau des Streckennetzes. Zwischen 1935 und 1937 beförderte sie für Grand Canyon Airlines Touristen über dem Grand Canyon. Danach war sie bis in die 1950er-Jahre in Südamerika bei TACA Airlines sowie in Nicaragua und Mexiko im Einsatz. Während dieser Zeit wurde sie bei einer Überholung modifiziert und erhielt glatte Bleche anstelle des ursprünglichen Wellblechs.

1964 schließlich wurde sie von einem Privatmann gekauft und aufwendig restauriert, denn sie befand sich in einem miserablen Zustand. Nach sieben Jahren war die Restaurierung beendet und die NC9645 hatte wieder ihr ursprüngliches Wellblech zurückbekommen. 1986 kaufte das Flugzeug das Gary Norton Museum in Idaho, 1990 ging sie an das Evergreen Aviation & Space Museum in Oregon über, wo sie zwei Jahrzehnte als Ausstellungsstück in der Halle abgestellt war.

Im Jahr 2011 erwarb sie das Liberty Aviation Museum in Ohio und machte sie wieder flugtauglich. Dabei erhielt sie auch ihre heutige TAT-Lackierung. Das Museum betreibt die NC9645 heute in Kooperation mit der "Experimental Aircraft Association" (EAA) in Oshkosh und tourt regelmäßig durch die USA.

Ford 5-AT-B Tri-Motor NC9645 „City of Wichita“ beim EAA AirVenture in Oshkosh
Ralf Plechinger

Eine Seltenheit am Himmel

Neben der NC9645 betreibt die EAA auch die 4-AT-E mit der Kennung NC8407. Zwei weitere Trimotor fliegen ebenfalls regelmäßig: die 4-AT-E NC9612 beim Mid America Flight Museum und die 4-AT-A NC1077 beim Golden Wings Flying Museum. Letztere ist die älteste noch flugfähige Trimotor der Welt. Vier weitere Flugzeuge gelten darüber hinaus noch als flugfähig, werden jedoch nur gelegentlich oder zu besonderen Anlässen in der Luft bewegt.