Sechs tote Besatzungsmitglieder und ein siebtes, das den Crash der Tupolew Tu-95MS am 29. September in der Oblast Amur schwerverletzt überlebte. Das ist die Bilanz des missglückten Trainingsfluges, der bereits kurz nach dem Start des russischen Bombers vom Fliegerhorst Ukrainka nahe des sibirischen Dorfes Krasnojarowo abrupt endete. Das Flugzeug selbst, NATO-Codename "Bear-H", wurde dabei völlig zerstört. Im Internet kursierende Bilder zeigen ein brennendes Wrack mit zerbrochenem Rumpf.
Die Tu-95MS hatte laut offiziellen Angaben keinerlei Bewaffnung an Bord. Die geplanten Inhalte der Trainingsmission sind nicht bekannt. Klar ist dagegen, dass die "Bear" nach dem abendlichen Start in Ukrainka nur rund 30 Kilometer weit kam. Und dass im Steigflug etwas fatal schiefgelaufen ist.
Erste Meldungen aus Russland kreisten rasch um einen schweren technischen Defekt als Absturzursache. Wenig später wurden die Meldungen konkreter – und manifestierten sich zu einem angenommenen Szenario, das für jeden Piloten ein absoluter Horror ist: Anscheinend fielen bei der Tu-95MS im Steigflug drei der vier Kusnezow NK-12-Motoren mehr oder weniger gleichzeitig aus.
Ähnlicher Vorfall vor elf Jahren
Spekulationen konzentrieren sich derzeit vor allem auf ein Problem mit der Kraftstoffversorgung. Offiziell bestätigt ist das nicht, das russische Verteidigungsministerium gab lediglich zu Protokoll, eine Unfallkommission habe mit ihren Ermittlungen begonnen. Allerdings wäre es tatsächlich nicht das erste Mal, dass eine Tu-95 gleich mehrere ihrer Turboprop-Triebwerke im Flug auf einen Schlag verliert.
Am 14. Juli 2015 fielen bei einer Tu-95MS, die ebenfalls vom Fliegerhorst Ukrainka in der fernöstlichen Oblast Amur gestartet war, ebenfalls drei der vier NK-12 aus – allerdings nicht direkt nach dem Start, sondern in einer späteren Flugphase. Das Flugzeug mit der Kennung RF-94204 (Bordnummer 77 Rot, Seriennummer 00854) stürzte daraufhin nahe der chinesischen Grenze ab, rund 80 Kilometer von Chabarowsk entfernt. Zwei der sieben Besatzungmitglieder kamen ums Leben, fünf konnten sich retten.

Die Tu-95MS zählt zu den wichtigsten Bombermustern der russischen Luftwaffe. Die letzten Exemplare wurden 1993 gebaut.
Instandhaltung mangelhaft?
Erste bekannt gewordene Erkenntnisse deuteten damals auf einen Defekt im Treibstoffsystem hin. Auch Mutmaßungen über verunreinigtes Kerosin machten die Runde. Offizielle Untersuchungsergebnisse wurden im Nachgang nicht veröffentlicht.
Gut einen Monat zuvor, am 8. Juni 2015, war bei einer anderen Tu-95MS in Ukrainka beim Start ein Triebwerk explodiert, wobei ein Crew-Mitglied starb. Die russischen Behörden setzten daraufhin den Flugbetrieb mit dem Muster kurzzeitig aus.
Anonyme Quellen aus dem Umfeld der russischen Luftwaffe kritisierten seinerzeit auch strukturelle Probleme wie den Mangel an qualifiziertem Personal, überalterte Flotten und schlechte Instandhaltung. Inwiefern sich daran in den vergangenen zehn Jahren – und im Zuge verstärkter Beanspruchung im Kriegseinsatz gegen die Ukraine – Grundlegendes geändert hat, bleibt offen.





