Seit Monaten hätten sechs bis acht Mikojan MiG-29 aus polnischer Hand in der Ukraine sein sollen. Jetzt werden sie wohl nicht mehr geliefert werden, so der polnische Verteidigungsminister Władysław Kosiniak-Kamysz.
Gegenüber dem polnischen Fernsehsender Polsat News erklärte Kosiniak-Kamysz, es würde für die Ukraine keine MiG-29 geben, da Kiew sich weigere, Drohnentechnologie weiterzugeben.
Wieso die Ukraine Wissen und Fähigkeiten über den Drohneneinsatz nicht mit Partnern teilen will, erläuterte der Minister nicht. Zunächst hatte die Ukraine dem Wissensaustausch zugestimmt. Allerdings hatten sich die Verhandlungen über Monate gezogen, ohne dass die beiden Länder eine finale Einigung über Umfang und Inhalt erzielen konnten.
Im Zuge der Modernisierung der polnischen Luftwaffe werden die sowjetischen Flugzeuge durch modernere Maschinen, namentlich KAI FA-50, Lockheed Martin F-16 und F-35A, abgelöst. Polen braucht die MiG daher perspektivisch selbst nicht mehr. Was mit den ausgemusterten Flugzeugen geschehen wird, ist unklar. Jedenfalls sollen die letzten MiGs in Polen zeitnah außer Dienst gehen.
Gripen kommen trotzdem
Leer geht die Ukraine aber nicht aus – zwar kommt der Deal mit Polen nicht zustande, gebrauchte Jets bekommt das Land trotzdem bald. Bis Ende dieses Jahres sollen 16 Gripen C/D aus Schweden geliefert werden. Brandneue Gripen E folgen dann 2029.
Ob die Zusage über den Gripen-Transfer die Absage der Vereinbarung mit Polen beeinflusst hat, lässt sich nicht sagen. Bis 2030 wird die Luftwaffe aber großen Zuwachs an Kampfflugzeugen aus verschiedenen Ländern, darunter Mirage und F-16, erhalten. Sechs oder auch acht MiG-29 dürften da nicht schwer ins Gewicht fallen.

Die letzten polnischen Exemplare des zweistrahligen Kampfflugzeugs werden Ende des Jahres außer Dienst gestellt. 1989 hatte die polnische Luftwaffe die ersten MiG-29 in der Sowjetunion eingekauft.
Polen und Ukraine streiten über Militäreinheit
Polen ist seit dem Beginn des Krieges mit Russland einer der größten Unterstützer der Ukraine. In diesem Jahr sind die Beziehungen der Länder allerdings an einem Tiefpunkt.
Spannungen wegen eines möglichen NATO-Beitritts der Ukraine und Auseinandersetzungen wegen der Umbenennung einer ukrainischen Militäreinheit belasten das Verhältnis.
Präsident Selenskyj hatte ein Dekret unterzeichnet, mit dem er den Beitrag einer ukrainischen Kampfeinheit würdigte, indem er sie nach der Ukrainischen Aufständischen Armee (UPA) benannte.
Während des Zweiten Weltkriegs verbündete sich die UPA mit den deutschen Besatzern. Die UPA war unter anderem an den Massakern in Wolhynien beteiligt, die von ukrainischen Nationalisten zwischen 1943 und 1945 verübt wurden. Geschätzt 100.000 Polen wurden dabei getötet.
In der internationalen Genozidforschung herrscht weitgehend Einigkeit darüber, dass die UPA an einer organisierten ethnischen Säuberung gegen Polen beteiligt war.
Ende Juni hatte der polnische Präsident Karol Nawrocki deshalb Selenskyj den polnischen Orden des Weißen Adlers entzogen.





