Beim britischen Verteidigungsministerium ist man sauer – auf die russischen Marineflieger und speziell auf die Besatzung einer Tupolew Tu-142MK (Kennzeichen RF-34059), die am 2. Juli in einen bilateralen Zwischenfall im Europäischen Nordmeer verwickelt war. Dort operiert gerade der Flugzeugträger "Prince of Wales" der Royal Navy mit seiner Trägerkampfgruppe, im Rahmen der mehrmonatigen "Operation Firecrest".
Am 2. Juli erhielten die britischen Kriegsschiffe unwillkommenen Besuch. Nach Schilderung der britischen Marine "wurde die britische Flugzeugträgerkampfgruppe wiederholt von einem russischen Seeaufklärungsflugzeug vom Typ 'Bear-F' angeflogen." Die Tu-142, NATO-Code "Bear-F", sei "unnötig nah an die HMS Prince of Wales" herangeflogen, habe zudem in der Nähe der Briten "mehrere Sonarbojen" abgeworfen und "nicht auf Anrufe über internationale Sicherheitsfrequenzen" reagiert. "Dieses Verhalten war unsicher und unprofessionell", heißt es dazu aus London.
Als Antwort schickten die Briten nach eigenen Angaben zwei auf dem Flugzeugträger stationierte Lockheed Martin F-35B in die Luft. Die Stealth-Kampfjets fingen daraufhin "das Flugzeug ab und eskortierten es, bis es das Gebiet verließ."

Diese von einem britischen Schiff aus geschossene Aufnahme verdeutlicht, in welch geringer Flughöhe die Russen bei ihrer Begegnung mit den Briten operierten.
Was wollten die Russen bezwecken?
Aus Russland gab es bis dato keine Stellungnahme zu dem heiklen Zusammentreffen. Unklar bleibt daher zunächst, was genau der Auftrag der Tu-142 war. Sonarbojen dienen im Regelfall dazu, unter Wasser operierende U-Boote zu orten und zu verfolgen. Da bei der Trägerkampfgruppe der Briten jedoch regulär kein U-Boot eingeteilt ist, stellt sich die Frage nach der militärischen Sinnhaftigkeit der russischen Vorgehensweise. Möglich, dass vor allem die Provokation im Vordergrund stand.
Über die Tupolew Tu-142
Die Tupolew Tu-142 ist eine speziell für U-Boot-Jagd und Seefernaufklärung optimierte Marine-Variante des berühmt-berüchtigten Langstreckenbombers Tu-95, der in diesem Jahr sein 70. Dienstjubiläum feiert und damit nur unwesentlich jünger ist als das US-amerikanische Gegenstück Boeing B-52 Stratofortress.
Von der Spezialversion Tu-142 verließen zwischen 1968 und 1994 etwa 110 Exemplare die Flugzeugwerke Samara und Taganrog, von denen heute noch rund zwei Dutzend im Dienst stehen – verteilt auf die Einsatzbasen Kipelowo (Nordflotte) und Mongochto (Pazifik).

Bei dem in den Zwischenfall verwickelten Flugzeug handelte es sich um die Tu-142MK-E mit der Kennung RF-34059.
Zwischenzeitlich wurden die "Seebären" stark modernisiert. So erhielten die als Tu-142MK und Tu-142MZ bezeichneten Maschinen neue Missionssysteme namens Korschun-K (Version MK), beziehungsweise Korschun-N (Version MZ). Das System integriert ein Überwachungsradar in einer tropfenförmigen Radarkuppel unter dem Rumpf und ein Sonarbojen-Subsystem.
Die Tu-142 kann bis zu neun Tonnen Waffenlast mitführen – darunter diverse Torpedomuster, nukleare und nicht-nukleare Wasserbomben sowie Seeminen. Die Höchstgeschwindigkeit der Tu-142 beträgt nach offiziellen Angaben 855 km/h, die Reichweite liegt ohne Luftbetankung bei stattlichen 12.000 Kilometern.





