Stattdessen doch Gripen E/F: Kehrt Kanada der F-35 endgültig den Rücken?

Stattdessen doch Gripen E/F
Kehrt Kanada der F-35 endgültig den Rücken?

ArtikeldatumVeröffentlicht am 01.06.2026
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Kampfflugzeug im Flug mit kanadischer Flagge auf der Oberseite
Foto: Saab

Wird die Carney-Regierung die geplante Beschaffung von 88 F-35 Lightning II von Lockheed Martin aufbrechen und stattdessen zumindest teilweise auf den schwedischen Gripen setzen?

Wie die kanadische Zeitung La Presse berichtet, verdichten sich die Hinweise darauf. Industrieministerin Mélanie Joly erklärte gegenüber La Presse: "Mit dem F-35 sind die industriellen Vorteile nicht groß genug." Ziel sei es, Arbeitsplätze im Land zu schaffen.

Konkret hatte die Regierung Anfang der Woche den Kauf von GlobalEye-Aufklärungsflugzeugen bekanntgegeben, die gemeinsam von Saab und Bombardier hergestellt werden.

Die US-amerikanischen Hersteller Boeing und L3Harris gingen leer aus. Das Programm soll in Kanada rund 3000 Arbeitsplätze schaffen.

Nun, so La Presse, sei die Entscheidung über die Kampfjets faktisch bereits gefallen. Demnach soll Kanada etwa 30 F-35 kaufen und rund 60 Gripen E/F. Offiziell hat Kanada sich jedoch nicht dazu bekannt, vom F-35-Kauf Abstand zu nehmen.

Mehr heimische Industrie mit Saab

Saab soll signalisiert haben, dass bei einer Entscheidung für den Gripen in Kanada nicht nur die eigene Luftwaffe, sondern auch Teile der ukrainischen Streitkräfte beliefert werden könnten. Das könnte wiederum bis zu 9.000 Arbeitsplätze schaffen.

Die Möglichkeit, die Gripen für die Ukraine in Kanada zu fertigen, wurde bereits Ende vergangenen Jahres diskutiert, als der ukrainische Präsident Wolodomir Selenskyj angekündigt hatte, bis zu 150 schwedische Jets kaufen zu wollen.

Ein größeres Problem gibt es jedoch: Kanada hat sich zur Abnahme von 16 F-35 ab dem kommenden Jahr verpflichtet. Über die restlichen Maschinen gibt es noch keinen Abnahmevertrag.

Weniger F-35 würde für Kanada nicht nur potenziell mehr Arbeitsplätze, sondern auch weniger Abhängigkeit von US-Technik bedeuten. Derzeit fließen etwa 75 Prozent der kanadischen Verteidigungsausgaben an US-amerikanische Unternehmen. Die kanadische Regierung will das in Zukunft ändern und mehr im Inland einkaufen und produzieren lassen.

Schweiz nimmt bereits weniger F-35

Zuletzt hatte sich die Schweiz dazu entschieden, weniger F-35 zu kaufen als ursprünglich angedacht. Grund war hier ein enormer Kostenanstieg für die Kampfflugzeuge, der das genehmigte Budget überstiegen hätte. Statt 36 Stealth-Jets wird die Schweiz nun nur noch zwischen 24 und 30 Maschinen beschaffen. Die steigenden Kosten sind auch für die Kanadier ein Problem bei der F-35-Beschaffung.

CF-18
Escadron 425

Bisher sind die McDonnell Douglas CF-188 Hornet das Rückgrat der kanadischen Luftverteidigung. Die Jets wurden speziell für die winterlichen Bedingungen im Land angepasst. Stationiert sind die Jets in Bagotville in Quebec und in Cold Lake in Alberta. Seit 1982 sind die Hornets in Kanada schon im Dienst. Ersatz wird also langsam nötig.