Schlauchboot-Lippe am Bug, dicke Schwülste an Rücken und Heck: Die Kawasaki EC-2 ist optisch nicht gerade ein Leckerbissen. Japans neuestes und größtes Kampfflugzeug punktet stattdessen eher mit inneren Werten – und auf die kommt es im Aufgabenbereich des Zweistrahlers deutlich stärker an als auf das Aussehen. Die EC-2 soll den japanischen Luftselbstverteidigungskräften zukünftig als Abstandsstörer dienen – und gegnerische Radarsysteme, Kommunikationsnetzwerke sowie Datenlinks aus sicherer Entfernung wirksam unterdrücken.
Die dafür in dem Flugzeug verbaute elektronische Spezialausrüstung benötigt Platz. Die Geräte sind in den eingangs erwähnten ausladenden Verkleidungen im Bug, auf dem Rumpf und am Heck untergebracht. Als Basis für den neuen "Stand-off Jammer" der Japaner dient die Zelle eines Transportflugzeugs vom Typ Kawasaki C-2. Das erste Exemplar baut auf einer 2016 in Dienst gestellten C-2 auf und war am 18. März auf dem japanischen Flugversuchszentrum in Gifu bei Nagoya zu seinem Jungfernflug gestartet. Dort hat die EC-2 mit der Kennung 68-1203 nun offiziell mit der technischen Erprobung begonnen.
Kawasaki EC-2, EloKa-Flugzeug für Japan
Aus EC-2 wird XEC-2
Das für die Flugtests verantwortliche Entwicklungs- und Testgeschwader ADTW (Air Development and Test Wing) gab bekannt, das neue EloKa-Flugzeug sei am 15. Juli in seine Testkampagne gestartet. "Die Mitglieder der Staffel lassen sich weder von Regen noch von Hitze beirren und treiben die Testauswertungen stetig und sicher voran", schreibt das ADTW weiter.
Im Zuge der Flugerprobung verliehen die Japaner dem neuen Flugzeug die erweiterte Bezeichnung XEC-2. Beim ersten Testflug wurde die XEC-2 von einer Mitsubishi F-2 als Begleitflugzeug eskortiert. Der Ausritt dauerte laut Tracking-Daten etwas mehr als eine Stunde.

Zwischen 1986 und 2025 diente die Kawasaki EC-1 Japan als Störflugzeug. Das aus der C-1 entwickelte Spezialmuster blieb ein Unikat.
Nicht Japans erster Abstandsstörer
Mit der (X)EC-2 will Japan die Lücke füllen, die durch die Ausmusterung der alten Kawasaki EC-1 entstand. Dieses aus dem Transporter C-1 entwickelte Muster diente den Luftselbstverteidigungskräften von 1986 bis 2025 als elektronisches Störflugzeug.
Während die EC-1 jedoch ein Einzelstück blieb, sollen vom deutlich leistungsstärkeren Nachfolger möglichst vier Exemplare gebaut werden. Heimatort der EC-2 wird, nach erfolgreicher Erprobung, der Fliegerhorst Iruma werden, wo die japanische Electronic Warfare Squadron stationiert ist, die bis 2025 auch die EC-1 betrieb. Geplant ist, das erste Flugzeug im kommenden Jahr in Dienst zu stellen.

Am 18. März 2026 startete die erste Kawasaki EC-2 zum Erstflug in Gifu.
Störsysteme weitgehend geheim
Welche Systeme genau unter den Ausbuchtungen der EC-2 stecken, bleibt indessen unbekannt. Für die übermäßig breite Nase sorgt mutmaßlich die Antennenanlage des elektronischen Störgeräts J/ALQ-5 von Toshiba, das zur Bekämpfung feindlicher Radarstationen dient und bereits in der Vorgängerin EC-1 für eine ähnlich markante Frontpartie sorgte. Unter den weiteren Wülsten dürften sich ebenfalls Systeme zur Signalstörung und -unterdrückung sowie zur Satellitenkommunikation befinden, deren Details allerdings unter Verschluss bleiben.





