Eckiges Flugzeug mit großem Maul hofft auf neues Leben - Short C-23 Sherpa

Short C-23 Sherpa
Eckiges Flugzeug mit großem Maul hofft auf neues Leben

ArtikeldatumVeröffentlicht am 25.07.2026
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Blutunterlaufene Augen und ein weit geöffnetes Maul mit spitzen Zähnen: Die Concept Art auf der Sherpa im Static Display der Luftfahrtmesse in Farnborough zieht alle Blicke auf sich. "Pack Rat" steht auf dem Turboprop-Flugzeug, was so viel wie Messie heißt. Das ist eine Anspielung auf ihre erstaunlich große, 9 Meter lange Kabine, die rund 1,9 Meter hoch und breit ist und eine Nutzlastkapazität von 3284 Kilogramm bietet. Damit, und mit einer Flugzeit von sieben Stunden und einer Reichweite von gut 2000 Kilometern, will De Havilland Aircraft of Canada punkten. Denn das Ziel des kanadischen Flugzeugherstellers ist es, die Sherpa neu aufzulegen.

"Wir identifizieren Flugzeugmodelle, von denen wir glauben, dass sie noch Potenzial haben, und nehmen sie möglicherweise wieder in Produktion auf", sagte Neil Sweeney, Vice President Corporate Affairs von De Havilland Aircraft am 21. Juli in Farnborough. Man habe das bei der Twin Otter und der Canadair 515 getan. "Auch die Sherpa könnte möglicherweise wieder in Produktion gehen, je nachdem, wie sich der Markt entwickelt", so Sweeney. Sie fülle eine Lücke zwischen Twin Otter und CASA C-295. "Stellen Sie sie sich als eine Art Mini-Hercules vor. Wir glauben, dass sie eine bestimmte Rolle erfüllt, aber letztendlich müssen die Kunden das bestätigen", sagte Sweeney. Interessant sei die Sherpa hauptsächlich für Regierungsorganisationen und das Militär.

Die Sherpa ist eigentlich eine Konstruktion des ehemaligen nordirischen Flugzeugherstellers Short Brothers und basiert auf der Short 330. Zwischen 1984 und 1997 wurden 60 Exemplare des kleinen und robusten Militärtransporters gebaut. Im Einsatz war die Sherpa vor allem bei der US Air Force und der US Army. Letztere flog sie bis 2014, unter anderem in Irak und Afghanistan. Noch heute fliegen einige der ehemaligen US-Army-Sherpas im Dienst des US Forest Service. 2019 übernahm Viking Air, die wie De Havilland Aircraft zu Longview Aviation Capital gehört, die Musterzulassungen der Short Skyvan, Short 330 und Sherpa.

"So hässlich, dass sie schon wieder niedlich ist"

Kastenförmig, gedrungen, mit abgestrebten Flügeln und einem Doppelleitwerk: Eine Schönheit ist die Sherpa wahrlich nicht, wie selbst der De-Havilland-Testpilot Rodger Brndjar zugibt. Er bezeichnet sie als einen "40-Fuß-Seecontainer mit Flügeln." Aber er sagt auch: "Sie ist so hässlich, dass sie schon wieder niedlich ist." Um Ästhetik geht es bei diesem Arbeitstier ohnehin nicht. Ihre Laderampe im Heck ermöglicht einfaches Be- und Entladen, in ihrer Kabine, die im Flug nicht unter Druck steht, finden bis zu drei LD3-Container Platz, alternativ sind auch Sitze für Truppentransporte oder Fallschirmspringer sowie Krankentragen möglich. Zum Starten und Landen reichen der Sherpa etwas mehr als 900 Meter lange, unbefestigte Pisten.

Das Cockpit der "Pack Rat" ist noch in der originalen Konfiguration von 1984, allerdings hat De Havilland Canada ein neues Garmin-700-TXi-Instrumentenpanel installiert und dafür auch die ergänzende Musterzulassung erworben. Angetrieben wird die Sherpa von zwei PT6A-65AR von Pratt & Whitney Canada.

"Pack Rat" ist ein Frankenstein-Flugzeug

Das Flugzeug, das De Havilland Aircraft mit nach Farnborough brachte, hat eine besondere Geschichte. Zwischen 1994 und 1996 wollte die US Army 20 weitere Sherpas. Short Brothers hatte die Produktion jedoch 1990 beendet und wollte sie nicht wieder komplett hochfahren. Also kaufte der Flugzeughersteller eine Reihe von Short-360-Passagierflugzeugen mit geringer Betriebsstundenzahl. Bei Short Brothers in Belfast wurde ihr konventionelles Leitwerk und der schmalere, sich verjüngende Rumpf entfernt – und stattdessen das Heck der C-23 Sherpa festgenietet. "Dies ist das letzte Serienflugzeug, das auf diese Weise fertiggestellt wurde", sagte Testpilot Brndjar. Der Teil bis zu den Flügeln ist von 1984, der Rest von 1996.

Wie viele Bestellungen für eine Wiederaufnahme der Produktion nötig wären, konnte Sweeney nicht genau beziffern. "Sie benötigen eine beträchtliche Anzahl von Aufträgen. Diese müssen jedoch nicht unbedingt von einem einzigen Kunden stammen. Es wird sich wahrscheinlich um eine Zusammenfassung mehrerer Aufträge handeln." Je nachdem, welche Änderungen der oder die Kunden wünschten, könnte die Produktion Anfang der 2030er Jahre in Kanada beginnen.