In zwei Jahren kommen die ersten Rafale aus Frankreich in Serbien an. Zwölf Exemplare der modernen Jets hat das Land bei Dassault eingekauft. Bis dahin, und vielleicht auch darüber hinaus, bleiben die Mikojan MiG-29SM für die Serben unerlässlich. Genau deshalb gab es für die betagten Maschinen ein Upgrade – MiG-29SM+.
Das kleine südosteuropäische Land Serbien zählt mit 14 Jets neben Bulgarien, der Ukraine und Polen zu den letzten europäischen Nutzern der zweistrahligen Kampfflugzeuge.
Die serbischen MiGs können nun allerdings einiges mehr als bei ihrer Indienststellung. Was genau das ist, hat die Luftwaffe neun Jahre nach dem Start des Modernisierungsprogramms erstmals öffentlich demonstriert. Über den Auftritt und die dabei gezeigte Bewaffnung berichtete als Erstes das serbische Portal Tango Six, das auch die Fotos von der Veranstaltung veröffentlichte.
Bei der Veranstaltung wurden Kampfjets der 101. Jagdfliegerstaffel gezeigt. Eine der Maschinen war komplett mit Luft-Luft-Bewaffnung bestückt, die andere trug ausschließlich Luft-Boden-Waffen, die jetzt erstmals offiziell zu sehen waren.
Neues aus China
Schon der Kauf der Rafale hatte signalisiert, dass Serbien sich in Sachen Rüstung nicht nur auf Russland verlassen will. In Teilen spiegelt das auch die neue MiG-Bewaffnung wider. Einige der Systeme stammen zwar weiterhin aus Russland, zusätzlich ist aber Technik aus China und Frankreich dabei.
Bei der aktuellen Präsentation waren erstmals am Boden die russische Anti-Radar-Rakete Ch-31P sowie die fernsehgelenkte Präzisionsgleitbombe KAB-500Kr zu sehen.
Neben diesen Systemen wurden an der MiG-29SM+ außerdem Bomben vom Typ BETAB-500 sowie ein Startbehälter B-8M1 gezeigt, der zwanzig ungelenkte Raketen des Typs S-8 im Kaliber 80 Millimeter fasst.
Ein "Flugzeugträger-Killer"
Eine der Waffen aus chinesischer Fertigung hatte bei Beobachtern bereits im März für Aufsehen gesorgt. Der chinesische Marschflugkörper CM-400AKG war damals unter den Tragflächen einer serbischen MiG-29 im Umfeld des Fliegerhorsts Batajnica fotografiert worden.
Ursprünglich als Anti-Schiffs-Waffe konzipiert, wurde die Rakete von chinesischen und pakistanischen Militärs seinerzeit als Mittel gegen gegnerische Flugzeugträger beworben.

Eine serbische MiG trägt CM-400AKG-Raketen aus China.
Ihre Reichweite liegt vermutlich zwischen 250 und 400 Kilometern, das Gewicht bei rund 910 Kilogramm. Nach bisherigen Erkenntnissen erreicht sie mehr als die vierfache Schallgeschwindigkeit und nähert sich ihrem Ziel auf einer semiballistischen Flugbahn, gesteuert durch eine Kombination aus Trägheits- und Satellitennavigation sowie passiver Radarortung. Wahlweise lässt sie sich zusätzlich mit einem Infrarot- oder Fernsehsuchkopf ausstatten.
Vereinzelt kursieren sogar Einschätzungen, wonach die Rakete Hyperschallgeschwindigkeiten von bis zu Mach 6 erreichen könne – belegt ist das bislang jedoch nicht.
Der Öffentlichkeit vorgestellt wurde sie erstmals 2012 auf der Luftfahrtschau in Zhuhai. Bislang setzte außer China nur Pakistan die Waffe ein, dort von JF-17-Kampfjets verschossen. Mit der Übernahme durch Belgrad dürfte Serbien der zweite Exportkunde weltweit sein – und das erste Land, das den Marschflugkörper an eine MiG-29 anpasst.
Das in Serbien gezeigte Exemplar der CM-400AKG trug laut Tango Six den Zusatz "(CTM)" und war damit als Trainingsversion gekennzeichnet – Captive Training Missile.
Gerüstet für den Luftkampf
Die zweite vorgeführte Maschine diente als Schaufenster für die Luft-Luft-Bewaffnung. Fast alle gezeigten Raketen waren zuvor bereits gesichtet worden – sei es neu beschafft oder nachgekauft –, darunter auch die R-77, die im vergangenen September im Flug fotografiert wurde.
Außerdem besitzen die Maschinen ein Freund-Feind-Erkennungssystem des französischen Herstellers Thales, das Modell TSB 2515.
Serbiens wichtigste Flugzeuge
Im kommenden Jahr werden einige der serbischen MiG-29 vierzig Jahre alt, drei bis vier Maschinen stammen noch aus der ursprünglichen Lieferung an Jugoslawien. 2017 hatte sich Serbien entschieden, die eigenen MiG-29 zu modernisieren und zugleich eine Spende über sechs Maschinen aus Russland anzunehmen.
Zwei Jahre später kamen vier Flugzeuge als Schenkung aus Belarus hinzu. Diese wurden noch im belarussischen Instandsetzungswerk "558. Flugzeugreparaturbetrieb" in Baranawitschy überholt.
Offiziell wurde die Aufrüstung stets mit der Doppelrolle des Musters begründet: In erster Linie ist die MiG-29 als Abfangjäger gegen gegnerische Flugzeuge konzipiert, zusätzlich will Serbien sie aber auch für Angriffe auf See- und Bodenziele nutzen.
Die Modernisierung sollte Kampf- und Feuerkraft erhöhen und damit die Fähigkeit stärken, den serbischen Luftraum durchgehend zu überwachen und zu schützen. Laut serbischem Militär steht die Staffel im ständigen 24-Stunden-Bereitschaftsdienst.





