In den 1960er Jahren trieben zahlreiche Forderungen nach Flugzeugen mit Mach 3 die Jagd nach immer neuen Höchstgeschwindigkeiten weiter voran. Später rückten mit neuen Einsatzprofilen andere Eigenschaften stärker in den Vordergrund: Wendigkeit, Reichweite, moderne Sensoren und die Fähigkeit, auch ohne Nachbrenner dauerhaft mit Überschallgeschwindigkeit zu fliegen. Dennoch brachte das Bestreben nach immer neuen Bestmarken einige Flugzeuge hervor, deren Leistungen bis heute unerreicht sind.
Für unsere Top 10 haben wir ausschließlich Flugzeuge berücksichtigt, die von Turbojets oder Turbofans angetrieben werden. Raketenflugzeuge bleiben außen vor. Deshalb fehlt etwa die North American X-15, obwohl sie 1967 in knapp 59 Kilometern Höhe 7274 km/h erreichte. Auch die Bell X-2 taucht nicht auf. Sie flog bereits 1956 schneller als Mach 3 und kam auf 3379 km/h.
Welche Höchstgeschwindigkeiten tatsächlich erreicht wurden, lässt sich allerdings nicht immer eindeutig bestimmen. Neben offiziell anerkannten Rekorden kursieren zahlreiche Herstellerangaben, theoretische Höchstwerte und Mach-Zahlen, die sich wegen unterschiedlicher Flughöhen und Bedingungen nur schwer vergleichen lassen. Hinzu kommt, dass offizielle Rekordflüge je nach Kategorie auch über eine Messstrecke oder als Durchschnittsgeschwindigkeit gewertet werden. Wo immer möglich, orientiert sich unsere Top-10 deshalb an dokumentierten Geschwindigkeiten und den bestätigten Rekordflügen.

Suchoi Su-27 Flanker
2496 km/h
Die Su-27 bildet den Ausgangspunkt der erfolgreichen Flanker-Familie von Suchoi. Der erste Prototyp mit der Bezeichnung T-10 flog am 20. Mai 1977. Nach umfangreichen Änderungen ging die Su-27 schließlich Mitte der 1980er Jahre in Dienst. Laut Herstellerangaben erreicht sie Mach 2,35, was in rund 11.000 Metern Höhe etwa 2496 km/h entspricht.
Bekannt wurde die Su-27 allerdings nicht nur durch ihre Geschwindigkeit, sondern vor allem durch ihre Wendigkeit. Auf dem Pariser Aérosalon 1989 verblüffte Suchoi-Testpilot Wiktor Pugatschow das Publikum mit der später nach ihm benannten „Pugatschow-Kobra“. Das Flugmanöver gleicht in seiner Bewegung einer angreifenden Kobra und lässt sich nur mit wenigen Flugzeugmustern durchführen.
Aus der Su-27 entstanden später die Weiterentwicklungen Su-30, Su-33 und Su-35. Auch der doppelsitzige Jagdbomber Su-34 basiert auf der Ur-Flanker. Die Su-27-Familie erfreut sich bis heute sowohl in Russland als auch international großer Beliebtheit. Weltweit stehen mehr als 1000 Flanker sämtlicher Baureihen im Einsatz.

Vought XF8U-3 Crusader III
2540 km/h
Die Vought F8U-3 Crusader III entstand Mitte der 1950er Jahre als neuer Abfangjäger für die US Navy. Der Erstflug erfolgte am 2. Juni 1958 auf der Edwards Air Force Base. Schon während der Erprobung zeigte das Muster außergewöhnliche Flugleistungen: In knapp vier Minuten konnte die F8U-3 in 10.670 Metern Höhe von Mach 0,98 auf Mach 2,2 beschleunigen. Ihre höchste erreichte Geschwindigkeit lag bei Mach 2,39, was in der geflogenen Höhe von rund 15.000 Metern etwa 2540 km/h entspricht.
Noch höhere Geschwindigkeiten waren während der Testflüge nicht möglich, da das Acrylmaterial der Cockpitfrontscheibe den dabei entstehenden Temperaturen nicht standhielt. Auch im Lufteinlauf traten bei hohen Geschwindigkeiten aerodynamische Probleme auf, die von den Konstrukteuren jedoch innerhalb weniger Wochen behoben wurden. Navy-Testpilot Donald Engen war sich später sicher, dass die Crusader III sogar Mach 3 hätte erreichen können.
Im Wettbewerb um einen neuen Jäger für die US Navy setzte sich schließlich die McDonnell F4H-1 Phantom II durch. Von den 18 vertraglich vereinbarten F8U-3 wurden nur drei fertiggestellt und geflogen. Sie absolvierten insgesamt 190 Flüge und kamen später noch für Hochgeschwindigkeitsversuche bei der NASA zum Einsatz.

McDonnell XF4H-1 Phantom
2585 km/h
Schon früh nutzte die US Navy die Flugleistungen ihrer neuen Phantom für eine ganze Reihe von Rekordversuchen. Der Prototyp des zweistrahligen Allwetter-Abfangjägers war am 27. Mai 1958 unter der Bezeichnung XF4H-1 erstmals geflogen. In den folgenden Jahren stellte die Phantom insgesamt 16 Weltrekorde auf. Den für unsere Top 10 entscheidenden Wert erzielte Lieutenant Colonel Robert B. Robinson am 22. November 1961: Über der Edwards Air Force Base erreichte er mit einer F4H-1 auf einer 15/25-Kilometer-Messstrecke in großer Höhe 2585,425 km/h und stellte damit einen neuen absoluten Geschwindigkeitsweltrekord auf.
Für den nötigen Schub sorgten zwei General-Electric-J79-Triebwerke. Die ersten 40 F4H-1 waren mit der Ausführung J79-GE-2A ausgestattet, spätere Exemplare erhielten leistungsstärkere J79-GE-8. Die Serienversionen erreichten aufgrund zusätzlicher Ausrüstung nicht ganz die Flugleistungen der für die Rekordflüge eingesetzten Flugzeuge.
Bis 1981 entstanden in zahlreichen Versionen insgesamt 5195 Exemplare der F-4 für die Streitkräfte verschiedener Nationen.

General Dynamics F-111F
2655 km/h
Die F-111 war das erste in Serie gebaute Kampfflugzeug mit Schwenkflügeln. Als Jagdbomber konzipiert, sollte sie die Geschwindigkeit eines Jägers mit hoher Reichweite und großer Zuladung verbinden. Die Tragflächen ließen sich zwischen 16 und 72,5 Grad schwenken, um sowohl schnelle Tiefflüge als auch hohe Geschwindigkeiten zu ermöglichen. Als Höchstgeschwindigkeit werden bis zu 2655 km/h angegeben. Ihren Erstflug absolvierte die F-111 am 21. Dezember 1964.
Eine Besonderheit war das automatische Geländefolgesystem, mit dem die F-111 auch bei schlechten Sicht- und Wetterbedingungen in sehr geringer Höhe fliegen konnte. Angetrieben wurde sie von zwei Pratt & Whitney TF30, die als erste Turbofans mit Nachbrennern ausgestattet waren. Die Piloten saßen nebeneinander in einem Cockpit, das im Notfall als komplette Rettungskapsel abgesprengt werden konnte.
1967 trat die F-111 ihren Dienst bei der US Air Force an. Neben der Jagdbomberrolle entstand mit der FB-111 auch eine Variante als strategischer Bomber. Insgesamt wurden 564 Exemplare in sechs Hauptvarianten gebaut. Einziger Exportkunde war Australien, wo die F-111 bis Dezember 2010 im Einsatz blieb. Bei Flugshows wurde das Muster zudem durch seine „Dump-and-burn“-Vorführungen bekannt, bei denen abgelassener Treibstoff durch die Nachbrenner entzündet wurde und einen meterlangen Feuerschweif hinter dem Flugzeug erzeugte.

Boeing F-15 Eagle
2655 km/h
Die F-15 Eagle startete am 27. Juli 1972 zu ihrem Erstflug und wurde ursprünglich als Luftüberlegenheitsjäger für die US Air Force entwickelt. Sie ging als Sieger aus dem F-X-Wettbewerb hervor, in dem McDonnell mit Entwürfen von Fairchild Republic und North American konkurrierte. Aus der zunächst einsitzigen Eagle entstand später mit der zweisitzigen F-15E Strike Eagle auch eine Version für Angriffe auf Bodenziele.
Als Höchstgeschwindigkeit werden für die F-15 bis zu 2665 km/h angegeben. Dieser Wert entspricht ungefähr Mach 2,5 in rund 11.000 Metern Höhe. 2024 sorgte ein Boeing-Manager für Aufsehen, als er der F-15EX zunächst eine Geschwindigkeit von mehr als Mach 2,9 zuschrieb. Wenig später korrigierte er seine Aussage auf Mach 2,497.
Trotz ihres Alters gehört die F-15 bis heute zu den wichtigsten Kampfflugzeugen der US Air Force. Gleichzeitig wurde die Baureihe immer wieder modernisiert und für den Export weitergebaut. Mit der F-15EX Eagle II übernahm die US Air Force 2021 nach 17 Jahren erstmals wieder eine fabrikneue F-15. Die aktuelle Version verfügt unter anderem über Fly-by-Wire-Steuerung, ein digitales Cockpit, ein modernes AESA-Radar und neue Systeme zur elektronischen Kampfführung.

Mikojan Je-152/Je-166
2681 km/h
Mit den Jets der Je-152-Reihe erzielten sowjetische Piloten mehrere Rekorde. Das bei der NATO unter dem Codenamen "Flipper" geführte Flugzeug basierte auf der MiG-21 und sollte als Abfangjäger hochfliegende, überschallschnelle Bomberverbände bekämpfen. Die erste Je-152 flog am 10. Juli 1959. Sie besaß noch zwei R11F-Triebwerke. Später erfolgte die Umrüstung auf das fast doppelt so starke Tumanski R15B-300, das im Nachbrennerbetrieb über 100 kN Schub lieferte.
1962 meldete der Aeroclub der UdSSR nach Paris: Oberst Georgi Mossolow habe am 7. Juli über Podmoskownoje mit der einstrahligen Je-166 eine neue absolute Geschwindigkeitsbestmarke von 2.681 km/h erreicht.
Eigentlich hatte die Sowjetunion geplant, die die Je-152 in Serie zu fertigen. Allerdings arbeitete das R15-Triebwerk zu unzuverlässig und die Erprobung zog sich hin, weshalb man sich letztlich entschied, von einer Massenproduktion abzusehen. Stattdessen wurden die Konstruktionsgrundlagen des Flugzeugs nach China verkauft. Dort entstand schließlich auf dieser Basis die Shenyang J-8/F-8, die im Juli 1969 zum Erstflug abhob und in zahlreichen Varianten mehr als 300 mal gebaut wurde.

Mikojan-Gurewitsch MiG-25/Je-155/E-266M
2982 km/h
Im Kurvenkampf behäbig und alles andere als wendig, trumpfte die MiG-25, die 1964 erstmals abhob, vor allem mit ihrer enormen Geschwindigkeit auf. Ziel des Entwurfs war es, einen Abfangjäger zu erschaffen, der es sowohl mit den Überschallbombern der US Air Force à la Convair B-58 als auch mit der XB-70 sowie der ebenfalls Mach 3 schnellen Lockheed A-12 aufnehmen konnte. Das Profil hierfür war klar definiert: Höhentauglichkeit bis 25 Kilometer und jede Menge Schub. Den erhielt die MiG-25 von ihren zwei Tumansky R15B-300, mit denen sie zeitweise Geschwindigkeiten jenseits der 3.000 km/h erreichte. Offiziell zertifiziert von der Fédération Aéronautique Internationale (FAI) ist die Geschwindigkeit über eine 500-Kilometer-Rundstrecke: 2.982 km/h, aufgestellt 05. September 1967 von Testpilot Michail Komarow, durchgeführt mit einem frühen Erprobungsträger des Programms.
Anfang der 70er-Jahre modifizierte Mikojan die MiG-25 versuchsweise zur leistungsgesteigerten Variante Je-155M. Vier Testflugzeuge dieser Baureihe wurden produziert. Sie stellten unter anderem auch Steigleistungsrekorde auf bis zu 35 Kilometer Höhe auf. Mit zugeschalteten Nachbrennern verfügten die beiden R-15BF2-300 über einen Gesamtschub von fast 265 kN.

Mikojan MiG-31
3000 km/h
In den 1970er Jahren begann Mikojan mit der Entwicklung eines Nachfolgers für die MiG-25. Ergebnis dieser Arbeiten war schließlich die MiG-31, deren erster Prototyp am 16. September 1975 zum Jungfernflug startete. 1983 war die MiG-31 offiziell einsatzbereit. Als schnell und hoch fliegender Abfangjäger sollte sie vor allem feindliche Ziele auf große Entfernung bekämpfen. Die bei der NATO „Foxhound“ genannte MiG-31 erhielt dafür ein Zweimann-Cockpit und ein besonders leistungsfähiges Radarsystem.
Das speziell für die MiG-31 entwickelte Zaslon-Bordradar kann in der modernisierten Ausführung Zaslon AM bis zu 24 Ziele gleichzeitig verfolgen und sechs davon parallel angreifen. Dazu nutzt es eine Antenne mit passiver elektronischer Strahlschwenkung. Angetrieben wird die MiG-31 von zwei Solowjow D-30F6 mit jeweils 152,1 kN Schub. Als Höchstgeschwindigkeit nennt der Hersteller 3000 km/h beziehungsweise Mach 2,83. Über längere Zeiträume soll der Abfangjäger noch Mach 2,35 halten können.
Bis heute steht die MiG-31 in mehreren Varianten im Dienst. Seit 2007 werden vorhandene Flugzeuge zur MiG-31BM modernisiert, die unter anderem ein verbessertes Radar und neue Lenkwaffen erhält. Daneben entstand mit der MiG-31K eine Variante als Träger für den Hyperschallflugkörper Kinschal. Zwischen 1976 und 1994 wurden insgesamt 519 MiG-31 gebaut.

North American XB-70 Valkyrie
3251 km/h
Mit ihren sechs je 137,9 kN starken General Electric YJ93-Triebwerken war die XB-70 womöglich das lauteste nicht raketengetriebene Flugzeug, das jemals vom Boden abhob. Selbst heute muten die Daten des Mach-3-schnellen Bombers fantastisch an. Nicht nur seine Geschwindigkeit, sondern auch die hohe Startmasse beeindruckt nach wie vor. Der Erstflug des weißen Giganten erfolgte am 21. September 1964. Die Valkyrie sollte als Erprobungsträger zeigen, dass der Bau eines Mach 3 schnellen Atombombers technisch machbar war. Auch eine spätere Serienproduktion als Nachfolger der Boeing B-52 stand anfangs in Aussicht. Letztlich wurden allerdings nur zwei Erprobungsträger gebaut.
Ihren schnellsten Flug absolvierte die XB-70 am 12. Januar 1966. Mit den Piloten Al White und Joseph Cotton an Bord erreichte sie 2020 mph, umgerechnet rund 3251 km/h. Ihre Außenhaut erhitzte sich bei den Hochgeschwindigkeitsflügen auf bis zu 330 Grad Celsius, wodurch sich bisweilen sogar der weiße Lack ablöste.
Eine der beiden XB-70 stürzte am 8. Juni 1966 ab. Am Ende eines Fotofluges mehrerer Flugzeuge mit GE-Triebwerken geriet die von Joe Walker geflogene F-104 in die Wirbelschleppen der Valkyrie, wurde unkontrollierbar und riss Teile des Leitwerks des Bombers ab. Sowohl Starfighter-Pilot Walker als auch Valkyrie-Copilot Carl Cross kamen bei dem Unfall ums Leben. Das verbliebene Exemplar setzte das Erprobungsprogramm anschließend allein fort. Sein letzter Flug führte es nach Dayton im US-Bundesstaat Ohio, wo es heute im National Museum of the United States Air Force ausgestellt ist.

Lockheed SR-71 Blackbird
3529,6 km/h
Bis heute war nie ein Turbojet-Flugzeug schneller unterwegs: Zwischen dem 26. und 28. Juli 1976 stellten Adolphus Bledsoe und Eldon Joersz mit der SR-71 Blackbird von Beale aus mehrere Rekorde auf, darunter auch den Geschwindigkeitsweltrekord von 3529,6 km/h in einer Höhe von 24000 Metern über eine Messstrecke von 16,1 Kilometern.
Die SR-71 war in den 60er-Jahren im Auftrag der CIA von den Lockheed-"Skunk Works" entwickelt worden und stand als Strategischer Aufklärer bis 1998 bei der US Air Force im Einsatz. Die beiden J58-Turbojets des für Höhen bis 30 Kilometer ausgelegten Flugzeugs wurden mit dem schwer entzündlichen Treibstoff JP7 betrieben und arbeiteten bei sehr hohen Geschwindigkeiten auch als Staustrahltriebwerke. Beim Anlassen musste stets Triethylboran eingespritzt werden.
Vorläufer der SR-71 waren die Lockheed A-12 (Aufklärer) und YF-12 (Versuchsträger für einen Mach 3-Jäger), die beide ähnliche Flugleistungen aufwiesen. Von den 32 gebauten SR-71 gingen zwölf im Einsatz verloren – immer ohne Feindeinwirkung. Nach ihrer Karriere bei der US Air Force diente die Blackbird noch knapp ein Jahr als Versuchsflugzeug bei der NASA.





