Eine Cockpithaube und eine Tür für den internen Waffenschacht der F-35A waren offenbar Inhalt des UPS-Pakets, das irrtümlich in China landete und seither als vermisst gilt. Der Vorfall, über den zuerst das Magazin Politico berichtete, ereignete sich nach bisherigem Stand bereits im Mai. Die versendeten Bauteile stammten mutmaßlich vom australischen F-35 Aircraft Sustainment Hub in Williamtown, New South Wales.
Über dieses Hub läuft die Verteilung von F-35-Ersatzteilen für den gesamten Asien-Pazifik-Raum. Komponenten für die Stealth-Jets gehen von dort aus also nach Singapur, Japan und Südkorea, aber auch an Flugzeugträger der US Navy oder der britischen Royal Navy, wenn sie in der betreffenden Region operieren. Australien, das selbst eine Flotte von 72 F-35A betreibt, nutzt das staatlich geführte Verteilzentrum natürlich ebenfalls.
Die mittels UPS versandten Teile, die eigentlich in die USA hätten gehen sollen, gelten nach offizieller Einschätzung des F-35-Programmbüros (Joint Program Office, JPO) als "nicht einsatzfähig". Vermutet wird, dass die defekten Komponenten in den USA entweder zur Reparatur oder zur Entsorgung vorgesehen waren.

Australien zählt zu den weltweit wichtigsten F-35-Nutzern. Die Royal Australien Air Force setzt aktuell 72 F-35A ein und hat weitere bestellt.
Minister sagt, die Teile seien "nicht sensibel"
F-35-Hersteller Lockheed Martin wollte sich aus Sicherheitsgründen nicht konkret zu dem Vorfall und zu entsprechenden Lieferungen im Allgemeinen äußern. Australiens Verteidigungsminister Richard Marles stufte seinerseits die verschwundenen Teile in einer Stellungnahme als "nicht sensibel" ein.
Allerdings könnte es sich der Minister damit zu einfach machen, denn schon allein die Tatsache, dass China Komponenten eines in weiten Teilen immer noch geheimen US-Kampfflugzeugs frei Haus per Paket erhält, ist im Grunde skandalös. Immerhin bemühten sich die Chinesen in der Vergangenheit nachweislich nach Kräften und über diverse Wege, an Informationen über das F-35-Programm zu gelangen.
Das australische Defence-Portal ADM merkt zudem an, dass "frühere Generationen radarresistenter Kabinenmaterialien, wie zum Beispiel Goldfilme, die zur Reduzierung der Radarsignatur der Kabinenhaube bei älteren Kampfflugzeugen verwendet wurden", teilweise bis heute als "geheim" eingestuft seien.

Die Acrylglas-Cockpithaube der F-35 ist mit einer dünnen, speziellen Beschichtung versehen, die den Arbeitsplatz des Piloten vor gegnerischen Radarstrahlen abschirmt.
Cockpithaube als Schlüsselkomponente
Insbesondere die aus Acrylglas hergestellte Cockpithaube der F-35A könnte für Chinas Luftfahrtindustrie also von Interesse sein, ist diese doch mit einer speziellen radarabweisenden Beschichtung versehen, die Lockheed Martin nach intensiven Praxiserfahrungen seit Indienststellung des Musters obendrein immer wieder verfeinert hat. Auch die Haube selbst wurde im Zuge dessen mehrfach optimiert.
Trotz aller Finesse scheint das radarabsorbierende Cockpitglas, dessen einwandfreie Funktion einen wichtigen Faktor für die Tarnkappe der F-35 darstellt, nach wie vor ein problembehaftetes Bauteil zu sein. In einem Bericht des US-Rechnungshofes (Government Accountability Office, GAO) vom Juni 2026 ist vermerkt, dass der durch industrielle Engpässe zutage tretende Mangel an "Schlüsselkomponenten" die Einsatzfähigkeit der F-35-Flotte einschränke "und zu den Hauptursachen für die Ausfallraten" gehört, mit denen sich das F-35-Programm noch immer konfrontiert sieht.
Ausdrücklich erwähnt der GAO-Bericht in diesem Zusammenhang die Cockpithaube als "Schlüsselkomponente" für das F-35-Programm.

Inwiefern China für seine eigenen Stealth-Programme (im Bild die Shenyang J-35) wirklich von dem Paket-Irrläufer profitieren kann, bleibt offen. Interessant dürfte der Inhalt des Pakets für die Chinesen allemal gewesen sein.
Chinas Zugriff auf das Cockpitglas
Dass der große geopolitische Rivale China nun im Besitz einer solchen Haube ist und diese nach Lust und Laune bis ins Detail analysieren kann, dürfte in den USA vor diesem Hintergrund mehr Unwohlsein hervorrufen als öffentlich verlautbart.
Diese Ansicht teilt auch der italienische Journalist David Cenciotti, Chefredakteur des Fachportals "The Aviationist" in seiner Einschätzung des Vorfalls. Seiner Ansicht nach ist die Cockpithaube der F-35 "zwar wahrscheinlich nicht die sensibelste Komponente" an dem Stealth-Kampfjet. "Aber man möchte auf keinen Fall, dass ein Konkurrent Zugang zu ihr erhält und sie detailliert untersucht."





