China hat jetzt eine F-35-Cockpithaube - was das für die USA bedeutet

Stealth-Paket versehentlich in Hongkong
China hat jetzt eine F-35-Cockpithaube

ArtikeldatumVeröffentlicht am 25.09.2026
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Eine Cockpithaube und eine Tür für den internen Waffenschacht der F-35A waren offenbar Inhalt des UPS-Pakets, das irrtümlich in China landete und seither als vermisst gilt. Der Vorfall, über den zuerst das Magazin Politico berichtete, ereignete sich nach bisherigem Stand bereits im Mai. Die versendeten Bauteile stammten mutmaßlich vom australischen F-35 Aircraft Sustainment Hub in Williamtown, New South Wales.

Über dieses Hub läuft die Verteilung von F-35-Ersatzteilen für den gesamten Asien-Pazifik-Raum. Komponenten für die Stealth-Jets gehen von dort aus also nach Singapur, Japan und Südkorea, aber auch an Flugzeugträger der US Navy oder der britischen Royal Navy, wenn sie in der betreffenden Region operieren. Australien, das selbst eine Flotte von 72 F-35A betreibt, nutzt das staatlich geführte Verteilzentrum natürlich ebenfalls.

Die mittels UPS versandten Teile, die eigentlich in die USA hätten gehen sollen, gelten nach offizieller Einschätzung des F-35-Programmbüros (Joint Program Office, JPO) als "nicht einsatzfähig". Vermutet wird, dass die defekten Komponenten in den USA entweder zur Reparatur oder zur Entsorgung vorgesehen waren.

Drei F-35 der RAAF in Formation Luftaufnahme
Patrick Hoeveler

Minister sagt, die Teile seien "nicht sensibel"

F-35-Hersteller Lockheed Martin wollte sich aus Sicherheitsgründen nicht konkret zu dem Vorfall und zu entsprechenden Lieferungen im Allgemeinen äußern. Australiens Verteidigungsminister Richard Marles stufte seinerseits die verschwundenen Teile in einer Stellungnahme als "nicht sensibel" ein.

Allerdings könnte es sich der Minister damit zu einfach machen, denn schon allein die Tatsache, dass China Komponenten eines in weiten Teilen immer noch geheimen US-Kampfflugzeugs frei Haus per Paket erhält, ist im Grunde skandalös. Immerhin bemühten sich die Chinesen in der Vergangenheit nachweislich nach Kräften und über diverse Wege, an Informationen über das F-35-Programm zu gelangen.

Das australische Defence-Portal ADM merkt zudem an, dass "frühere Generationen radarresistenter Kabinenmaterialien, wie zum Beispiel Goldfilme, die zur Reduzierung der Radarsignatur der Kabinenhaube bei älteren Kampfflugzeugen verwendet wurden", teilweise bis heute als "geheim" eingestuft seien.

Das Foto zeigt eine Lockheed F-35 in einem Hangar mit geöffneter Cockpithaube. Ein Pilot sitzt im Cockpit, während ein Mitglied der Bodencrew am Bugbereich an einem geöffneten Servicepanel arbeitet; typische Merkmale des Stealth-Mehrzweckkampfflugzeugs wie die graue Radarabdeckung und bündige Paneele sind erkennbar. Der Dateiname weist den Aufnahmeort als Italien aus.
ALBERTO FORNASARI

Cockpithaube als Schlüsselkomponente

Insbesondere die aus Acrylglas hergestellte Cockpithaube der F-35A könnte für Chinas Luftfahrtindustrie also von Interesse sein, ist diese doch mit einer speziellen radarabweisenden Beschichtung versehen, die Lockheed Martin nach intensiven Praxiserfahrungen seit Indienststellung des Musters obendrein immer wieder verfeinert hat. Auch die Haube selbst wurde im Zuge dessen mehrfach optimiert.

Trotz aller Finesse scheint das radarabsorbierende Cockpitglas, dessen einwandfreie Funktion einen wichtigen Faktor für die Tarnkappe der F-35 darstellt, nach wie vor ein problembehaftetes Bauteil zu sein. In einem Bericht des US-Rechnungshofes (Government Accountability Office, GAO) vom Juni 2026 ist vermerkt, dass der durch industrielle Engpässe zutage tretende Mangel an "Schlüsselkomponenten" die Einsatzfähigkeit der F-35-Flotte einschränke "und zu den Hauptursachen für die Ausfallraten" gehört, mit denen sich das F-35-Programm noch immer konfrontiert sieht.

Ausdrücklich erwähnt der GAO-Bericht in diesem Zusammenhang die Cockpithaube als "Schlüsselkomponente" für das F-35-Programm.

Chinas neuer Stealth-Kampfjet J-35A im Flug.
Patrick Zwerger

Chinas Zugriff auf das Cockpitglas

Dass der große geopolitische Rivale China nun im Besitz einer solchen Haube ist und diese nach Lust und Laune bis ins Detail analysieren kann, dürfte in den USA vor diesem Hintergrund mehr Unwohlsein hervorrufen als öffentlich verlautbart.

Diese Ansicht teilt auch der italienische Journalist David Cenciotti, Chefredakteur des Fachportals "The Aviationist" in seiner Einschätzung des Vorfalls. Seiner Ansicht nach ist die Cockpithaube der F-35 "zwar wahrscheinlich nicht die sensibelste Komponente" an dem Stealth-Kampfjet. "Aber man möchte auf keinen Fall, dass ein Konkurrent Zugang zu ihr erhält und sie detailliert untersucht."