Die Modernisierung der Boeing B-52 Stratofortress kommt Schritt für Schritt voran. Im Sommer wurden zwei wichtige Entscheidungen getroffen, wie die US Air Force kürzlich mitteilte: Am 1. Juni erfolgte die Genehmigung von Milestone B für die Neumotorisierung der B-52H und am 21. August gab es die Genehmigung von Milestone C für das Programm zur Modernisierung des B-52-Radars. Nun können die Triebwerke in die Entwicklungs- und Fertigungsphase übergehen und die Radarproduktion beginnen. Dank neuer Triebwerke und neuer AESA-Radare (Active Electronically Scanned Array) sollen die B-52 bis in die 2050er Jahre fliegen.
Die alten TF33-Triebwerke der B-52 sollen durch moderne Rolls-Royce F-130 ersetzt werden. Das F-130 ist die militärische Variante des Business-Jet-Turbofans BR725, der bei Rolls-Royce Deutschland in Dahlewitz entwickelt wurde. Neben den Triebwerken werden auch unterstützende Subsysteme modernisiert, darunter Hydraulikpumpen, Cockpit-Displays, Flugsysteme und Generatoren.

Acht F130, die auf dem zivilen BR725 basieren, sollen die alten TF33 an der B-52H ersetzen.
Zellen halten noch lang genug durch
Das Triebwerksaustauschprogramm (Commercial Engine Replacement Program, CERP) habe wichtige Fortschritte gemacht und technische Risiken eliminiert, so die US Air Force. Frühe Windkanalversuche hätten Störungen des Einlassluftstroms gezeigt. Daraufhin hätten die Ingenieure den Lufteinlass und die Gondel überarbeitet und die neue Lösung mithilfe ausgiebiger Tests validiert. Boeing und Rolls-Royce haben kritische Entwurfsprüfung im Mai 2026 abgeschlossen. Die Triebwerkstests gehen derweil weiter.
Im Rahmen des CERP wurde auch die Struktur der gesamten B-52-Flotte begutachtet. Das Ergebnis: Die Zellen der Anfang der 1960er Jahre gebauten Flugzeuge verfügen noch über eine ausreichende strukturelle Lebensdauer, um den Betrieb bis weit in die 2050er Jahre und darüber hinaus zu meistern.
Mit der Entscheidung zu Milestone B wurde die erste offizielle Basislinie des Beschaffungsprogramms festgelegt. Allein für die Neumotorisierung, inklusive Forschung, Entwicklung, Test, Evaluation und Beschaffung, veranschlagt die US Air Force Kosten in Höhe von 20,2 Milliarden US-Dollar. Seit 2018 seien dafür 2,5 Milliarden US-Dollar ausgegeben worden.
Bodentests mit Radar abgeschlossen
Im Rahmen des Radarmodernisierungsprogramms (RMP) werden die APQ-166-Radare aus den 1980er Jahren durch moderne APQ-188 ersetzt, die mit den AESA-Radaren der F-15 und F/A-18 verwandt sind. Die Milestone-C-Entscheidung genehmigte die anfängliche Produktion in niedriger Rate, gleichzeitig wurden entsprechende Aufträge an Raytheon und Boeing für Los 1 (vier Radare und Integrations-Kits) vergeben. Insgesamt geplant sind fünf Lose über 74 Kits.

Das AN/APQ-188 baut auf dem AN/APG-79 der Super Hornet auf.
Das Programm habe Integrationsrisiken beseitigt und die Ausgereiftheit der Hardware durch Bodentests der ersten Softwareversion nachgewiesen. Eine im Juni 2026 abgeschlossene Überprüfung der Produktionsreife habe ergeben, dass das System zuverlässig hergestellt werden könne und für die Serienfertigung bereit sei.
Welche Auswirkungen der Absturz der ersten B-52 mit neuem Radar im Juni für den Kosten- und Zeitplan der Modernisierung hat, darauf ging die US Air Force in ihrer Pressemitteilung nicht ein. Der Rechnungshof der USA warnt jedenfalls vor den großen Risiken, die das Upgrade-Programm birgt.
Erste B-52 werden bald umgerüstet
Zwei B-52, die derzeit nach einer kürzlich durchgeführten Depotwartung im Einsatz sind, sollen in den kommenden Monaten im Boeing-Werk in San Antonio umgerüstet werden. An diesen Langstreckenbombern werden sowohl Triebwerks- als auch Radar-Modifikationen vorgenommen.
Neben neuen Triebwerken und Radarsystemen arbeitet die US Air Force nach eigenen Angaben auch an ausfallsicheren Kommunikationssysteme für die nukleare Befehls- und Kontrollkette, darunter Extrem-Hochfrequenz-Terminals, sowie konventionelle Kommunikationsmöglichkeiten über die Sichtweite hinaus (Beyond Line of Sight), beispielsweise mit einer Kombination von kommerziellen und militärischen Satellitensystemen in verschiedenen Orbits. Zudem bemühe man sich um die Integration der neuesten Varianten der AGM-158C LRASM (Long-Range Anti-Ship Missile) und der AGM-158 JASSM (Joint Air-to-Surface Standoff Missile), während die B-52 weiterhin als Testplattform für Hyperschallwaffen diene.





