Russlands neuer Jet zu teuer - Passagiere sollen für MS-21-Flüge Sondersteuer zahlen

Russlands Airliner zu teuer
Passagiere sollen für MS-21-Flüge Sondersteuer zahlen

ArtikeldatumVeröffentlicht am 28.09.2026
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500 bis 700 Rubel pro Ticket im Inland, 1000 Rubel bei Auslandsflügen. Diese Beträge stehen aktuell in Russland im Raum – als Sonderabgabe, die Passagiere künftig für Flüge mit der neuen Jakowlew MS-21-310 bezahlen sollen. Darüber berichtete jüngst die russische Wirtschaftszeitung Kommersant.

Die angedachte Sondersteuer soll laut Kommersant helfen, die Leasing- und Betriebskosten neuer russischer Flugzeuge zu decken. "Bei aktuellem Passagieraufkommen würden dadurch zwischen 2027 und 2030 200 bis 250 Milliarden Rubel eingenommen", rechnet die Zeitung vor.

Für den einzelnen Fluggast wären die genannten Summen sicherlich verschmerzbar – beim aktuellen Wechselkurs, nach dem man für einen Euro etwa 96 Rubel bekommt, würden sich die Extraabgaben bei MS-21-Flügen auf rund fünf bis zehn Euro pro Ticket belaufen.

"Analysten warnen jedoch, dass steigende Ticketpreise das Passagieraufkommen verringern könnten, und schlagen vor, die anfänglichen Betriebskosten neuer Flugzeuge aus dem Staatshaushalt zu decken", wendet Kommersant ein. Zumal andere Quellen gegenüber der Zeitung von bis zu 2000 Rubel Extrakosten pro Ticket sprechen – umgerechnet also fast 21 Euro, was schon etwas mehr schmerzen würde.

Teure russische Passagierflugzeuge

Dass man in Russland überhaupt über die Einführung einer solchen Sonderabgabe spricht – sie soll laut Kommersant-Informationen übrigens auch auf Flüge mit den beiden anderen neuen russischen Airliner-Mustern Superjet SJ-100 und Iljuschin Il-114-300 sowie für die wieder aufgelegte Tupolew Tu-214 Anwendung finden -, hängt mit den deutlich gestiegenen Kosten zusammen, die die aktuellen Großprojekte der russischen Luftfahrtindustrie verursachen. Allen voran die MS-21.

Besonders gilt das für die ersten Jahre nach Einführung in den Liniendienst, solange sich Serienfertigung und Lieferketten noch im Aufbau befinden und solange die gefertigten Stückzahlen noch kein wirtschaftlich tragfähiges Maß erreicht haben. Ein Teil der aufgerufenen Extragebühr soll überdies direkt bei den Fluggesellschaften landen, "um die anfänglich höheren Betriebskosten ihrer Flugzeuge im Vergleich zu ausländischen Flugzeugen auszugleichen", wie es bei Kommersant weiter heißt. Konkret geht es wohl um einen Nachlass bei den Kerosinkosten.

Aeroflot-Führung bei Pressekonferenz vor Jakowlew MS-21-310.
UAC (OAK)

Sondersteuer nur vorübergehend

"Auf Grundlage des russischen Fluggastaufkommens von 81,45 Millionen Inlandsflügen und 27,4 Millionen internationalen Flügen im Jahr 2025 können die jährlichen Einnahmen aus der Gebühr je nach Höhe der Gebühr auf 68,12 bis 84,41 Milliarden Rubel geschätzt werden", kalkuliert Kommersant.

Nach aktueller Planung sollen Serienbau und Betrieb der MS-21 und anderer Muster etwa ab 2030 ein wirtschaftlich tragfähiges Niveau erreichen, weshalb die Sonderabgabe ab dann wieder wegfallen könnte.

Russische Airliner MS-21, Superjet SJ-100 und Il-114-300 in Archengelsk.
UAC (OAK)

Noch nicht beschlossen

Spruchreif ist die Sache indes noch nicht: Das gesamte Konzept befinde sich gegenwärtig "in der Entwicklungsphase", schreibt Kommersant. "Weder die Höhe der Summe noch die Art der Mittelbeschaffung sind endgültig festgelegt." Das russische Verkehrsministerium solle allerdings die Zahlungsabwicklung übernehmen und die gesammelten Gelder an Leasinggesellschaften weiterleiten, um die Differenz zwischen den tatsächlichen Flugzeugkosten und den für einheimische Carrier von Staats wegen ausgehandelten, günstigeren Sonderkonditionen auszugleichen.

Die geschätzten Stückkosten für eine "russifizierte" MS-21-310, bei der westliche Komponenten durch neu entwickelte einheimische Teile ersetzt wurden, betrugen im vergangenen Jahr laut Kommersant 7,6 Millionen Rubel (rund 79 Millionen Euro). Inzwischen seien sie aber weiter gestiegen und das russische Ministerium für Industrie und Handel gehe derzeit davon aus, das genannte Preisniveau erst um 2030 zu erreichen.