Einige russische Medien berichteten am Donnerstag, die ersten Il-114-300 wären ausgeliefert worden und bezogen sich dabei auf Aussagen des russischen Vize-Premierministers Denis Manturow. Wer sich mit dem bisherigen Stand des Il-114-300-Projekts etwas besser auskennt, wird dabei allerdings hellhörig.
Vize-Premier Manturow erklärte bei einer Rede im Nationalzentrum "Russland": "Wir beginnen mit den ersten Auslieferungen." Das Programm einer souveränen Luftflotte sei in die praktische Phase eingetreten.
Zulassung nur mit großen Abstrichen
Dass eine Il-114-300 nun schon beim ersten Kunden steht, bedeutet das allerdings nicht. Das ist derzeit auch schlecht möglich. Zwar hat das Flugzeug inzwischen seine Musterzulassung von der russischen Luftfahrtbehörde Rosawiazija erhalten, doch die darin festgelegten Betriebsbedingungen sind erheblich restriktiver als erwartet.
Wie Journalisten der Zeitung Wedomosti bei der Durchsicht des Zertifikats herausfanden, darf das neue russische Regionalflugzeug vorerst nur bei Temperaturen zwischen -9 und +25 Grad Celsius eingesetzt werden, und auch nur an Flughäfen in Höhenlagen zwischen 300 und knapp 1000 Metern über dem Meeresspiegel.
Starts und Landungen sind ausschließlich auf befestigten Runways erlaubt, wobei bei nasser Piste zusätzlich strengere Seitenwindgrenzen gelten. Überwasserflüge dürfen sich nicht weiter als 30 Flugminuten von der Küste entfernen, damit im Notfall stets eine Ausweichlandemöglichkeit besteht, und bei Vereisungsgefahr oder Gewitter darf die Maschine gar nicht erst starten.
Besonders ernüchternd wirkt der Vergleich mit dem in den 1980er Jahren entwickelten Vorgängermodell Il-114-100, das seinerzeit für einen Temperaturbereich von -30 bis +45 Grad Celsius zugelassen war. Davon ist die neue Version derzeit weit entfernt.
Tests noch im Gange
Ende Juli fanden ergänzend neue Tests für Flüge in extremer Hitze statt. Denn nicht nur in West- und Mitteleuropa war es durch die Hitzewelle brütend heiß, auch in Zentralasien zeigte das Thermometer zeitweise über 40 Grad.

Bei über 40 Grad Celsius landete die Il-114-300 in Usbekistan.
Für eine Il-114-300 ging es also bis nach Buxoro im Süden Usbekistans. Laut Hersteller lief alles planmäßig. Zur Belohnung für den geglückten Flug gab es ein traditionelles usbekisches Non. Das Hefegebäck repräsentiert in der usbekischen Kultur Gastfreundschaft und eine ungebrochene Verbindung zu den Ahnen und zur Sonne – passend also zum heißen Wetter.
Auslieferung nach Archangelsk
Iljuschin-Geschäftsführer Daniil Brenerman versuchte gegenüber Wedomosti zu beschwichtigen. Die Maschine sei bereits von unbefestigten Pisten gestartet, habe Kältetests in Jakutien bei bis zu -42 Grad Celsius sowie Vereisungserprobungen in Archangelsk durchlaufen, und die Ergebnisse würden derzeit ausgewertet und dem Luftfahrzeugregister zur Prüfung vorgelegt.
Die Auslieferung der ersten Serienmaschinen ist planmäßig für August 2026 vorgesehen, wobei das 2. Vereinigte Luftfahrtgeschwader im nordrussischen Archangelsk als Erstnutzer feststeht und zwei weitere Flugzeuge im Oktober und November folgen sollen. Da es in der Region Archangelsk bereits um diese Zeit zeitweise unter -9 Grad kalt werden kann, bleibt vorerst offen, wie der Erstbetreiber mit den engen Einsatzgrenzen umgehen wird.
Denkbar wäre etwa, dass er direkt in die laufenden erweiterten Testreihen eingebunden wird, wie Brenerman tatsächlich andeutete. Er zeigte sich zuversichtlich, dass die schrittweise Einführung wertvolle Rückmeldungen von Betreibern liefern und so zur weiteren Optimierung des Flugzeugs beitragen werde.





