Russlands neuer Passagierjet komplett ohne westliche Teile ist schwerer als die Ursprungsversion, bei der noch rund zwei Drittel aller Komponenten aus dem Ausland stammten. Das wirkt sich auf die Leistungsdaten aus. Die Jakowlew MS-21-310 wird im Linienbetrieb keine 6000 Kilometer fliegen können, wie sie zum Beispiel für den Airbus A320neo zu Protokoll stehen.
In Russland geht man mit diesem wenig euphorisierenden Umstand offen um. Anfang Juni gab Wadim Badecha, Generaldirektor der Vereinigten Flugzeugwerke Russlands (UAC), in einem Interview mit der Nachrichtenagentur Tass die Marke von 4000 Kilometern als Ziel für die MS-21-310 aus.
Jetzt kommunizierte UAC Ergebnisse aus der Flugerprobung mit der MS-21 – und die liegen knapp unterhalb der vom Chef genannten Marke. Demnach bewies das "vollständig aus einheimischen Komponenten hergestellte" Flugzeug im Test seine Fähigkeit, mit 175 Passagieren an Bord über 3800 Kilometer weit zu fliegen.
Echte Fluggäste saßen für den Test allerdings nicht im Flugzeug. Stattdessen belud UAC einen der MS-21-Prototypen mit einer dem Gesamtgewicht der Passagierzahl entsprechenden Nutzlast.
Streckenflug unter Realbedingungen
Der Chefkonstrukteur des Programms, Witali Naryschkin, betonte, dass die MS-21 bei der Landung noch die vorgeschriebenen Treibstoffreserven in den Tanks hatte. "Der Streckenflug erfolgte nach einem Standardflugprofil, das den realen Betriebsbedingungen so gut wie möglich nachempfunden war", schreibt UAC in seiner offiziellen Mitteilung.
Anatoli Gajdanski, Vizechef der für die MS-21 zuständigen UAC-Tochter Jakowlew, ergänzte: "Wir sind mit den Ergebnissen der Testflüge zufrieden. Sie wurden mit einer Nutzlast durchgeführt, die der Zweiklassen-Konfiguration mit 175 Sitzplätzen entspricht, die wir mit dem Kunden der ersten MS-21-Liefercharge abgestimmt haben."
Sein Team sei außerdem bereit, "die erzielten Ergebnisse im Rahmen der bevorstehenden Zertifizierungsprüfungen des Flugzeugs zu bestätigen".

Am 30. Mai rollte bei UAC in Irkutsk die erste komplett "russifizierte" MS-21-310 aus der Serienfertigung aus der Halle.
Reichweite bleibt ausbaufähig
UAC-Chef Badecha hatte in dem Tass-Interview Anfang Juni unterstrichen, dass Flüge von knapp unter 4000 Kilometern "80 bis 90 Prozent des aktuellen Streckennetzwerks" russischer Airlines abdeckten. Insofern wertet der Flugzeugbau-Konzern die Leistung der MS-21-310 als ausreichend – allerdings nur für den Anfang.
So ließ Badecha gegenüber der Tass bereits durchblicken, dass mit der Weiterentwicklung des Programms die Reichweite auf 5.000 Kilometer steigen könnte. Die russische Regierung hatte Anfang des Jahres bereits Gelder bereitgestellt, um diesbezügliche Verbesserungsarbeiten zu forcieren.
Außerdem plant UAC weiter auch eine verkürzte Variante des Flugzeugs namens MS-21-210, die zwar weniger Passagiere aufnehmen, aber dafür deutlich weiter fliegen soll. Als Ziel stehen hier über 6000 Kilometer im Raum.
Zunächst aber muss sich UAC darauf konzentrieren, endlich die Basisversion MS-21-310 serienreif zu bekommen.





