Adversary Force Exercise (AFX) 4-26, so lautete der Titel des Manövers im Marine Corps Air Ground Combat Center in Twentynine Palms, Kalifornien. Ende Juli ging die Großübung dort über die Bühne – mit dem Ziel, die teilnehmenden Einheiten in einem realistischen Szenario für den Kampf gegen eine feindliche Streitmacht zu trainieren. Die für die AFX-Übungen geschaffenen Bedingungen sollen möglichst wirklichkeitsnah die Gegebenheiten eines echten Gefechtsfelds nachbilden.
In diesem Kontext war das Auftauchen eines ganz bestimmten Kampfhubschraubers auf dem Übungsgelände nur folgerichtig: Die Aggressor-Streitmacht als Gegner der im Übungskampf stehenden Marines erhielt Luftunterstützung von einer leibhaftigen Mi-24D – dem wohl berühmtesten Ostblock-Kampfhubschrauber aus der Zeit des Kalten Krieges, der allein durch sein Erscheinen noch bis heute für Furore sorgt.
Die Mi-24D, die auf mehreren Fotos von der Übung abgebildet ist, trug das Tarnschema und die Hoheitszeichen der bulgarischen Luftwaffe – und die taktische Kennziffer 118. Zu den bulgarischen Streitkräften aber gehört die "118" schon lange nicht mehr.

Das US Marine Corps besitzt (mindestens) zwei MIl Mi-24D, die als Feinddarsteller bei Übungen fliegen. Sie sind der MAWTS-1 in Yuma zugeordnet.
Zwei Mi-24 aus Bulgarien
Stattdessen zählt der Hubschrauber offiziell zum Inventar des US Marine Corps und ist der Marine Aviation Weapons and Tactics Squadron One (MAWTS-1) in Yuma (Arizona) zugeordnet – zusammen mit einer weiteren Mi-24D aus bulgarischen Beständen, taktische Kennziffer 120.
Beide Hind-Hubschrauber traten seit 2020 immer wieder in Veröffentlichungen des US-Militärs in Erscheinung. Ihre primäre Aufgabe ist es, in Übungsszenarien einen möglichst realistischen Feinddarsteller abzugeben und den auf der "guten" Seite eingesetzten Soldaten von Marine Corps, US Army oder Air Force das Kampftraining mit einem Kampfhubschraubermuster zu ermöglichen, der so weit wie es nur geht vom Standard der eigenenen Typen abweicht. "Dissimilar Combat Training" nennt sich diese Disziplin.

Die Silhouette der Mi-24 über einem (fiktiven) Schlachtfeld wirkt auch heute noch bedrohlich - zu Recht.
Gefürchteter Gegner
Dafür eignet sich die Mil Mi-24, die nach wie vor bei zahlreichen Streitkräften im Einsatz steht und als stark verbesserte Mi-35M in Russland sogar noch gebaut wird, selbstverständlich bestens. Kampfstark, wendig und robust, setzen die Hinds der Marines ihre Gegenspieler ordentlich unter Druck, wie Berichte und Videos zurückliegender Übungen belegen.
Erstmals bestätigt wurde der Einsatz beider M-24D bei einer Übung in Davis-Monthan (Arizona) im Januar 2020. Seither traten die Hinds bei US-Trainingsmanövern immer wieder in Erscheinung.
Mi-24D gegen HH-60 Pave Hawk
Ein Video aus dem Jahr 2022 dokumentiert die Teilnahme einer Mi-24D in einem Hubschrauber-Trainingsszenario mit Kampfrettungshubschraubern vom Typ HH-60G Pave Hawk der US Air Force. Die teilnehmenden Helikopter-Crews trainierten nach eigener Aussage "grundlegende Hubschraubermanöver" gegen einen realen Feind in einem wirklichkeitsnahen Bedrohungsszenario. Die Mi-24D habe als Aggressor eine "genaue visuelle und aerodynamische Darstellung" geliefert.
Die bulgarische Luftwaffe, von der die beiden Hinds des Marine Corps stammen, besitzt selbst – zumindest derzeit – wohl keine einsatzfähige Mi-24. Ein Teil der Flotte ging in den vergangenen Jahren an die Ukraine. Nachdem auch Ungarn Mitte dieses Jahres seine letzten Mi-24P offiziell außer Dienst stellte steht die Mi-24 im NATO-Raum nur noch bei den polnischen Streitkräften im regulären Einsatz.





