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Northrop Grumman B-2 Spirit

Stealth-Ikone mit Seltenheitsfaktor

Iraqi Freedom Foto: US Air Force 13 Bilder
Report

Auch 25 Jahre nach der Auslieferung der ersten B-2 an die US Air Force wirkt der Stealth-Bomber wie ein futuristisches Vehikel aus einem Science-Fiction-Film. Ganz real bleibt die in Whiteman AFB stationierte Mini-Flotte auf absehbare Zeit die Speerspitze des Air Force Global Strike Command.

General John Michael Loh, Kommandeur des Air Combat Command der USAF, saß beim Auslieferungsflug der ersten B-2A persönlich im Cockpit. Am 17. Dezember 1993, 90 Jahre nach dem ersten Flug von Orville Wright in Kitty Hawk, brachte er die Maschine mit der Kennung 88-0329 zusammen mit Oberstleutnant John Belanger von der 393rd Bomb Squadron von der Edwards AFB in Kalifornien zur Whiteman AFB in Missouri. Dort wurde in einer kurzen Zeremonie das Logbuch an Brigadegeneral Ronald C. Marcotte, Kommandeur des 509th Bomb Wing, übergeben, und die B-2A erhielt den Namen „Spirit of Missouri“.

Bis Mai 1998 folgten nur 20 weitere B-2A (inklusive des überholten Prototyps AV-1). Nach dem Absturz der „Spirit of Kansas” beim Start von der Anderson AFB, Guam am 23. Februar 2008 sind noch 20 Flugzeuge im Bestand. Sie fliegen in Whiteman AFB beim 509th Bomb Wing, zu dem die 13th Bomb Squadron und die 393rd Bomb Squadron “Tigers„ gehören. Der 131st Bomb Wing der Air National Guard nutzt mit seiner 110th Bomb Squadron die Flugzeuge mit. Zudem ist eine B-2 als Testflugzeug der 419th Flight Test Squadron in Edwards AFB zugeteilt.

Ursprünglich sollten 132 “Spirits„ beschafft werden, doch angesichts der enormen Programmkosten von mindestens 24,6 Milliarden Dollar (21,5 Mrd. Euro, Stand 1998) hatte das Pentagon das Programm 1992 deutlich gekürzt. Die Mini-Flotte ihres modernsten Bombers wird seither von der US Air Force wie Juwelen gehütet. Denn nach wie vor bietet die B-2A dank ihrer geringen Entdeckbarkeit sowohl durch Radar als auch durch Wärmebildsensoren, ihrer großen, flexiblen Waffenzuladung und ihrer fortschrittlichen Missionssysteme die Möglichkeit, auch in stark verteidigten Lufträumen zu operieren.

Foto: US Air Force
Die erste B-2 traf am 17. Dezember 1993 auf ihrer neuen Homenase Whiteman ein.

Neue Rolle nach dem Kalten Krieg

Seit Endes des Kalten Kriegs, für den der Advanced-Technology-Bomber ab November 1981 von Northrop (heute Northrop Grumman) entwickelt wurde, hatte es die US Air Force allerdings nicht mit umfangreichen Luftabwehrsystemen zu tun, wie sie einst bei Einsätzen über der Sowjetunion erwartet wurden. So wurden die B-2A im vergangenen Vierteljahrhundert nur sporadisch für Angriffe verwendet.

Ihr Debüt gab die Spirit am 24. März 1999 bei der Operation “Allied Force„ über Serbien. Zwei Flugzeuge starteten in Whiteman, um ihre Ziele mit den neuen JDAM-Bomben (Steuerung über GPS-Daten) anzugreifen. Während der 78 Tage des Luftkriegs über dem Balkan waren die B-2 insgesamt 51 mal im Einsatz, bei durchschnittlichen Flugzeiten von je 27 Stunden für den Trip über den Atlantik und zurück.

Marathonflüge ins Kampfgebiet

In ganz neue Dimensionen stießen die B-2A und ihre Crews im Oktober 2001 vor, als sie nach den Anschlägen vom 11. September mit Angriffen in Afghanistan die Operation “Enduring Freedom„ eröffneten. Ohne Zwischenlandung ging es von Whiteman aus über den Pazifik und den Indischen Ozean um die Südspitze Indiens herum über Pakistan ins Zielgebiet. Auf dem Rückweg erfolgte dann eine Zwischenlandung in Diego Garcia, einem Atoll im Indischen Ozean – eine Flugzeit von rund 40 Stunden. Der Rekord betrug sogar 44 Stunden und 20 Minuten, aufgestellt von Major Melvin G. Deaile und Captain Brian Neal. Die Triebwerke der sechs verwendeten B-2A liefen dabei jeweils über 70 Stunden am Stück, denn in Diego Garcia gab es nur eine schnelle Betankung und einen Crewwechsel.

Ab 2003 war die B-2A bei der Operation “Iraqi Freedom„ dabei; hier kamen 43 Missionen mit insgesamt 1246 Flugstunden zusammen. Die “Spirit„ wurde dabei nicht nur von Whiteman, sondern auch von Diego Garcia aus eingesetzt. Im Jahr 2011 erfolgten drei Einsätze über Libyen, um 45 Flugzeugbunker zu zerstören (Operation “Odyssey Dawn„). Von Whiteman AFB und nonstop zurück dauerten sie jeweils 25 Stunden. Libyen war am 18. Januar 2017 auch das Ziel zweier B-2A: Diesmal ging es um die Bekämpfung von Camps von Dschihadisten des sogenannten Islamischen Staats. Dafür wurden von beiden Bombern nicht weniger als 108 Präzisionsbomben abgeworfen, wahrscheinlich 225 Kilogramm schwere GBU-38 JDAM. Von diesen kann die Spirit seit der Einrüstung des Smart Bomb Rack Assembly 80 Exemplare tragen, während B-1B und B-52 maximal 15 mitnehmen können.

Ständige Weiterentwicklung

Auch ohne den Stealth-Faktor ist die B-2A also für manche Mission das am besten geeignete Muster des US-Bombertrios. Wieviel des Stealth-Vorteils in den vergangenen Jahrzehnten durch Fortschritte bei der Radarentwicklung für neue Flugabwehrsysteme verloren gegangen ist, bleibt dabei schwer einzuschätzen. Allerdings ist natürlich auch die Entwicklung der Spirit nicht stehengeblieben. Die für eine geringe Radarrückstrahlung entscheidende Form blieb zwar unverändert, aber man darf davon ausgehen, dass es bei den radarabsorbierenden Beschichtungen deutliche Fortschritte gab.

Allein darauf will sich die US Air Force aber nicht verlassen. 2016 erteilte sie Northrop Grumman daher einen Auftrag für die sogenannte Defensive Management System Modernization (DMS-M), die umfassendste Modifikation des Musters bisher. Bei dem nun auf 3,07 Milliarden Dollar (2,7 Mrd. Euro) veranschlagten Programm geht es um den Einbau diverser Antennen und Empfänger sowie der zugehörigen Rechner, um gegnerische Luftabwehr-Radare zu entdecken und zu identifizieren. Damit wäre die B-2A besser in der Lage, ihre Route in Echtzeit den vorhandenen Bedrohungen anzupassen. Nach einigen Problemen, unter anderem mit der Rekrutierung von Software-Spezialisten, dürfte sich die Verfügbarkeit von DMS-M von Mai 2022 bis Anfang 2024 verzögern.

Der Nachfolger soll günstiger werden

Wie lange die B-2A ihre neuen Systeme dann noch nutzen kann, ist derzeit unklar. Ein Nachfolger steht nämlich schon in den Startlöchern: Seit Oktober 2015 entwickelt Northrop Grumman die B-21 Raider, die bis Ende 2018 ihre kritische Entwurfsüberprüfung absolviert haben sollte. “Die B-21 (...) bleibt auf dem richtigen Weg, um ihre anfängliche Einsatzfähigkeit Mitte der 2020er Jahre zu erreichen. Die Air Force plant weiterhin eine Flottengröße von mindestens 100 B-21. Diese Flotte wird die Fähigkeiten bereitstellen, die für die Erfüllung der zukünftigen Anforderungen (...) erforderlich sind. Die B-21 bleibt eine absolute nationale Verteidigungspriorität„, erklärte der zuständige Generalleutnant Arnold W. Bunch Jr. Mit einem Stückpreis von höchstens 564 Millionen Dollar (494 Mio. Euro) soll die B-21 dann auch deutlich günstiger sein als die B-2A, deren Stückpreis laut USAF bei 1,157 Milliarden Dollar lag (Stand 1998).

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