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Die Deutsche Marine ist an der Beschaffung der Boeing P-8A Poseidon interessiert. Boeing
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P-8A Poseidon flies over Jacksonville 8 Bilder

Frankreich sauer wegen Deutschlands Poseidon-Deal

P-8A für die Marine Frankreich sauer wegen Deutschlands Poseidon-Deal

Während Deutschlands Marineflieger frohlocken, herrscht in Frankreich Katerstimmung: Weil die Bundesregierung fünf Boeing P-8A Poseidon kauft, sehen die Franzosen die Felle für einen deutsch-französischen Seefernaufklärer auf Airbus-Basis davonschmimmen.

Die Tageszeitung "La Tribune" brachte die Stimmung auf den Punkt: "Niemand in Frankreich glaubt wirklich, dass der Kauf von fünf P-8A-Flugzeugen eine 'provisorische Lösung' ist, um die alten P-3C Orions zu ersetzen." Mit anderen Worten: Die Befürchtung ist groß, dass mit der Entscheidung Deutschlands für die Poseidon auch das gemeinsame Projekt eines selbst entwickelten Pendants gestorben ist. Denn die P-8A ist hochmodern, ihre Einsatzdauer auf 30 Jahre angesetzt – mindestens. Wer braucht da noch eine teure Eigenentwicklung, zumal das angedachte "Maritime Airborne Warfare System", kurz MAWS, bislang nur am Computer existiert?

Airbus
Das deutsch-franzöische MAWS basiert auf dem Airbus A320neo und soll im Idealfall ab 2032 verfügbar sein - vermutlich aber eher später.

"Leistungsstarke Interimslösung"

"La Tribune" schreibt, die franzöische Regierung sei über den Poseidon-Deal "verärgert". Die Regierung selbst zog es vor, zum Sachverhalt zu schweigen, während die Amtskollegen in Deutschland nach wie vor das Mantra der "Interimslösung" vor sich hertragen, das aufgrund der vorgezogenen Ausmusterung der P-3C Orion notwendig geworden sei. Als eben solche wären die insgesamt 1,1 Mlliarden Euro teuren Poseidons jedoch allenfalls dann sinnvoll, wenn man sie nach einigen Jahren für einen guten Preis auf dem Gebrauchtmarkt loswürde. Ein paralleler Einsatz von MAWS und P-8A scheint jedenfalls wenig zielführend.

Bundeswehr
Die P-3C Orion der deutschen Marine müssen früher als geplant die Segel streichen. Sie werden 2025 ausgemustert - und hinterlassen eine Lücke.

Alleingang für Frankreich?

Kein Wunder also, dass in Frankreich die Skepsis groß ist – und man laut "La Tribune" bereits auslotet, ob sich MAWS oder ein vergleichbares Projekt auf Basis der A320neo auch im Alleingang realisieren ließe. Schließlich steht auch in Frankreich ein Wachwechsel in der Seeraumüberwachung an: Die Atlantique 2 der französischen Marine werden 2035 am Ende ihrer Lebensdauer sein. Allerdings dürften sie tatsächlich noch so lange durchhalten, und nicht wie die flügellahmen deutschen Orions schon ein Jahrzehnt früher schlappmachen. Die Franzosen haben also Zeit, die Deutschland definitiv nicht hat.

Mit der P-8A hat sich die deutsche Regierung unbestritten für die beste zur Wahl stehende Lösung entschieden. Was das im Detail für MAWS bedeutet, wird die Zukunft zeigen.