Ruhestand? Fehlanzeige!
Deutschlands letzte A310 fliegt und fliegt und fliegt

Eigentlich war für Ende Februar sein Abschied anberaumt. Der letzte Airbus A310 in Diensten der Bundeswehr sollte längst in Rente sein. Doch daraus wurde nichts, er steht noch immer voll im Dienst – und holt verletzte Zivilisten aus der Ukraine nach Deutschland.

Deutschlands letzte A310 fliegt und fliegt und fliegt
Foto: Luftwaffe

Erstens kommt es anders und zweitens als man denkt: Mit Überflügen an vier Airports wollte die bundesdeutsche Flugbereitschaft Ende Februar ihrer letzten A310 MRTT die Ehre erweisen. Die kleine Abschiedstour sollte der letzte Akt sein im fast 34 Jahre währenden Flugzeugleben des auf den Namen "Hermann Köhl" getauften Großraumjets, der einst für die Lufthansa gebaut wurde und 1996 zur Bundeswehr kam. Doch dann spitzte sich die Lage in Osteuropa zu, und an dem Tag, an dem die "Hermann Köhl" als letzte Station ihrer Tour den Flughafen Stuttgart besuchen sollte, griff Russland die Ukraine an.

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Die 10+25 "Hermann Köhl" darf nicht in Rente gehen - sie wird doch noch gebraucht und hilft verletzten Ukrainern.

Lebensretter für verletzte Ukrainer

Diese "Zeitenwende", wie Kanzler Scholz den Kriegsausbruch bezeichnete, sorgte auch bei der Flugbereitschaft für eine Planänderung. Der Stuttgart-Abstecher wurde abgeblasen und anstatt sich nun irgendwo in Deutschland faul die Reifen platt zu stehen oder auf die Verschrottung zu warten, wird die "Hermann Köhl" plötzlich wieder sehr gebraucht. Als fliegende Intensivstation pendelte die A310 mit dem Taktischen Kennzeichen 10+25 in den vergangenen Wochen mehrfach zwischen ihrer Heimat Köln und dem polnischen Rzeszow. Dort nahmen der Airbus und seine Besatzung jeweils verletzte ukrainische Zivilisten an Bord, die zur Behandlung nach Deutschland geflogen und dort auf mehrere Krankenhäuser verteilt wurden.

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Fliegende Intensivstation

In der sogenannten MedEvac-Konfiguration bietet die A310 MRTT, Deutschland besaß einst vier davon, Platz für bis zu sechs sogenannte Patiententransporteinheiten (PTE). Diese PTE entsprechen den aktuellen Standards der Intensivmedizin und sind schwerstverletzten Personen vorbehalten, die dort im Flug vollumfänglich versorgt werden können. Zusätzlich kann die A310 MRTT laut Angaben der Luftwaffe weitere 38 Patienten liegend transportieren.

Grundsätzlich wurden die deutschen A310 seit Mitte 2020 durch multinational betriebene A330 MRTT ersetzt, die neben MedEvac auch Aufgaben wie Luftbetankung, Fracht- oder Truppentransport übernehmen. Außerdem wird die deutsche Flugbereitschaft bald zwei A321LR erhalten, die unter anderem ebenfalls mit sechs Intensivbetten ausgestattet werden können. Die sind allerdings beide noch nicht verfügbar – und in Zeiten wie diesen ist die Luftwaffe froh um jeden Jet, der fliegt. Vorerst wird daher die 10+25 "Hermann Köhl" weiter die Stellung halten müssen.