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Die Mi-26 soll für die Il-112W in die Bresche springen

Riesenheli als Turboprop-Ersatz Die Mi-26 soll für die Il-112W in die Bresche springen

Die Iljuschin Il-112W soll künftig als Transporter für Russlands Luftwaffe fliegen. Doch der Protoyp stürzte ab, die Tests liegen auf Eis, die Entwicklung verzögert sich. Deshalb sucht Russlands Regierung nun Ersatz – und bringt den Riesenhubschrauber Mi-26 ins Spiel.

Der 17. August 2021 war ein tragisches Datum für Russlands Luftfahrtindustrie. An diesem Tag stürzte in Kubinka nahe Moskau der einzige Prototyp des Turboprop-Transporters Il-112W ab, alle drei Crew-Mitglieder kamen ums Leben. Noch ist die Untersuchung des Unfalls nicht abgeschlossen, dennoch deutet alles auf einen technischen Defekt hin, der den Piloten keine Chance auf eine Rettung ließ. Vor allem die Triebwerke stehen im Fokus der Kritik. Auf einem Video, das die letzten Sekunden vor dem Absturz zeigt, ist die Il-112W mit einem brennenden Motor zu sehen.

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Die Iljuschin Il-112W muss wohl komplett überarbeitet werden. Das verzögert die Entwicklung deutlich.

Neukonstruktion nicht ausgeschlossen

Für Andrej Jelchaninow, den stellvertretenden Vorsitzenden der russischen Rüstungs- und Industriekommission, ist deshalb klar, dass sich die heiß ersehnte Einführung der Il-112W bei der russischen Luftwaffe auf unbestimmte Zeit verzögert. Man warte aktuell noch die Ergebnisse der Ermittler ab, die den Crash von Kubinka aufarbeiten, erklärte der Funktionär im Interview mit der Agentur Interfax. Danach werde man "die notwendigen Entscheidungen zur Überarbeitung der Il-112W, ihres Triebwerks oder möglicherweise über Änderungen am Flugzeugdesign" treffen.

Derzeit befänden sich zwei weitere Prototypen des An-26-Nachfolgers im Bau, "an denen die maximal möglichen Modifikationen vorgenommen werden", so Jelchaninow. Der Erstflug des überarbeiteten Flugzeugs sei für 2022 geplant. Wie es danach weitergehe, hänge von den weiteren Tests ab. Doch bezüglich des zeitlichen Horizonts gibt sich Jelchaninow keiner Illusion hin – ein Serienbau ab 2023, wie ursprünglich geplant, scheint aktuell undenkbar: "Mir ist nach wie vor klar, dass an diesem Flugzeug noch viel zu tun ist, möglicherweise auch die Neukonstruktion ganzer Komponenten und Baugruppen der Flugzeugzelle und der Triebwerke."

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Die riesige Mil Mi-26 soll bis auf Weiteres Aufgaben übernehmen, für die eigentlich die Il-112W vorgesehen ist.

Die Mi-26 als Vertretung

Die Lebensdauer der bisher für taktische Transportaufgaben eingesetzten Antonow An-26 nähert sich aber trotzdem und unabhängig davon ihrem Ende. Deshalb sucht das russische Verteidigungsministerium händeringend nach einer Vertretung für die pannenbehaftete Il-112W – deren Leistungen schon vor dem Absturz von Kubinka als nicht zufriedenstellend galten. Da ein geeignetes Flugzeug, zumindest auf dem heimischen Markt, weit und breit nicht verfügbar ist, soll es deshalb ein Drehflügler richten: Das Ministerium habe beschlossen, "eine Reihe von Aufgaben", die der Il-112W zugedacht seien, vertretungsweise an die Mil Mi-26 abzugeben, verriet Jelchaninow im Interview. Welche Aufgaben das im Einzelnen sein könnten, sagte Jelchaninow nicht. Allerdings wird die Mi-26 etwa schon lange zum Abwurf von Fallschirmjägern eingesetzt – eine Fähigkeit, die auch für die Il-112W angedacht ist.

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Kuriosum am Rande: Die Nutzlast der Mi-26 würde ausreichen, um eine vollbeladene Il-112W zu transportieren.

Der größte Hubschrauber der Welt

Die Mi-26 ist natürlich nicht irgendein Helikopter. Sie ist der mit Abstand größte, schwerste und leistungsstärkste Hubschrauber, der jemals in Serie gebaut wurde – und auch sehr viel größer, schwerer und stärker als die Il-112W. Die Nutzlast der Mi-26 liegt mit 20 Tonnen so hoch wie das maximale Startgewicht des Turboprop-Transporters. Jedoch hat sich der Riesenhubschrauber in mehr als 35 Jahren Dienstzeit mannigfach bewährt – und steht laut Andrej Jelchaninow in ausreichender Zahl zur Verfügung. Die Idee sei, die bestehenden Mi-26 aktiver zu nutzen, so der Funktionär. Doch auch die Beschaffung neuer Hubschrauber steht offenbar im Raum. Das trifft sich gut: Die Rostec-Tochter Russian Helicopters erprobt aktuell die grundlegend modernisierte Version Mi-26T2W.

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