Artemis II: So wichtig ist Europas Beitrag für die Mondmission

Artemis II
So wichtig ist Europas Beitrag für die Mondmission

ArtikeldatumVeröffentlicht am 30.03.2026
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So wichtig ist Europas Beitrag für die Mondmission
Foto: NASA/Sam Lott

Kein Aprilscherz: Am 1. April soll die NASA-Mondmission Artemis II von Florida aus starten. Das zweistündige Startfenster öffnet sich um 18.24 Uhr Ortszeit (2. April, 0.24 Uhr MESZ). Dann soll die mächtige SLS-Mondrakete die Astronauten Reid Wiseman, Victor Glover, Christina Koch (alle NASA) und Jeremy Hansen (Canadian Space Agency) in der Orion-Kapsel ins All bringen – auf eine zehntägige Mission, die um den Mond herum und wieder zurück zur Erde führt.

Bei der ersten bemannten Mondmission seit Apollo 17 im Jahr 1972 kommt es auch auf europäische Technik an. Die Europäische Raumfahrtagentur ESA liefert das Europäische Servicemodul (ESM) für die Orion-Raumkapsel. Airbus ist Hauptauftragnehmer für das ESM, beteiligt sind Partner aus zehn europäischen Ländern und den USA. Integriert werden die Module in Bremen. Es ist das erste Mal, dass die NASA bei einer kritischen Komponente auf nicht-amerikanische Partner setzt.

Lebenswichtige Aufgaben

Das ESM ist so etwas wie das Herz von Orion, es hält die Raumkapsel auf Kurs und die Besatzung am Leben. Das zylinderförmige Modul, das etwa vier Meter hoch ist und einen Durchmesser von vier Metern hat, beinhaltet das Haupttriebwerk und liefert über vier sieben Meter lange Solarpaneele den Strom für das Raumschiff. Zudem ist es für die Temperaturregulierung in der Kapsel zuständig und versorgt die Crew mit Sauerstoff und Wasser. 8,6 Tonnen Treibstoff lagern im ESM. Voll beladen wiegt es beim Start rund 13 Tonnen. Ein ESM ist nur einmal verwendbar. Am Ende der Mission trennt es sich von der Orion-Kapsel und verglüht in der Erdatmosphäre.

Airbus Defence and Space GmbH 2021

Als Haupttriebwerk wird das Aerojet Rocketdyne AJ10-190 verwendet. Es stammt noch aus der Space-Shuttle-Ära und war dort als Orbital Manoevering System (OMS) im Einsatz. Hinzukommen 24 kleinere Triebwerke für die Lageregelung , die am Standort Lampoldshausen von ArianeGroup hergestellt wurden, sowie acht R-4D-Hilfstriebwerke von Aerojet Rocketdyne.

Weil das ESM so wichtig für das Gelingen der Mission ist, wurden besondere Vorsichtsmaßnahmen getroffen. Beispielsweise ist die Außenseite des ESM mit Kevlar verkleidet. Das soll Schäden durch Mikrometeoriten und Weltraummüll vermeiden. Wichtige redundante Systeme wie die Avionik sind auf gegenüberliegenden Seiten des Moduls angeordnet.

Jedes ESM besteht aus mehr als 20.000 Teilen und Komponenten, neben den Triebwerken und Solarzellen gehören dazu auch Treibstofftanks, Lebenserhaltungssysteme, elektrische Ausrüstung und etwa zwölf Kilometer Kabel.

Das erste ESM hat sich im Flug bewährt

Bei der ersten, noch unbemannten Mondmission Artemis I im Jahr 2022 waren die NASA, die ESA und Airbus höchst zufrieden mit dem ESM. Es habe 20 Prozent mehr Leistung generiert und 25 Prozent weniger Energie verbraucht als angenommen, so Airbus.

NASA

Die ESA hat bei Airbus bisher sechs ESM in Auftrag gegeben und investiert rund zwei Milliarden Euro in das Orion-Programm. Der deutsche Anteil am ESM-Programm liegt nach Angaben der Deutschen Raumfahrtagentur im Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) bei rund 50 Prozent. Im November 2025 hat Airbus das vierte ESM fertiggestellt und nach Florida geschickt. ESM-5 und -6 werden derzeit in den Reinräumen in Bremen produziert und sollen 2027 und 2028 ausgeliefert werden.

Die Servicemodule sind Europas Tickets für Mitflüge zum Mond. Die ESA hat mit der NASA eine Vereinbarung über bisher drei Flüge europäischer Astronauten zum Mond unterzeichnet.. Im November 2025 teilte die ESA mit, dass ein Deutscher als erster ESA-Astronaut zum Mond fliegen soll. Infrage kommen vor allem Alexander Gerst und Matthias Maurer, geringere Chancen hat die Reserveastronautin Amelie Schönenwald.

Eigentlich sollten die europäischen Mitflüge zum Lunar Gateway führen, einer Raumstation im lunaren Orbit. Allerdings hat die NASA kürzlich ihre Raumfahrtstrategie neu orientiert. Der Gateway wird auf Eis gelegt, stattdessen wollen die Amerikaner eine Basis auf der Mondoberfläche bauen. Was das für die Mondflüge der ESA-Astronauten bedeutet, ist unklar.