Erneute Verzögerung
Ariane 6 fliegt erst Ende 2023

Die Nachfolgerin der Ariane 5 kommt noch später als befürchtet. Das sorgt für neue Probleme.

Ariane 6 fliegt erst Ende 2023
Foto: ESA/M. Pedoussaut

Es ist ein herber Rückschlag für die europäische Raumfahrt: Die neue Trägerrakete Ariane 6 wird frühestens im dritten Quartal 2023 starten, wie der ESA-Generaldirektor Josef Aschbacher am Mittwoch mitteilte.

Aschbacher hatte bereits im Juni in einem Interview mit der BBC gesagt, dass sich der Erstflug der Ariane 6 auf "irgendwann nächstes Jahr" verschieben würde. Ursprünglich war er für den Sommer 2020 geplant.

Die Produktion des bisherigen europäischen Arbeitspferdes Ariane 5 ist beeendet, die letzte der verbliebenen drei wird im Frühjahr 2023 abheben und die ESA-Sonde JUICE ins All bringen.

Unsere Highlights

Kein europäischer Zugang zum GEO

In einem Zeitraum von voraussichtlich sechs bis neun Monaten hat Europa also keine eigene Schwerlastrakete zur Verfügung, die Satelliten in einen geostationären Transferorbit bringen kann. Stattdessen muss auf Startmöglichkeiten aus den USA (SpaceX) oder Indien (NewSpace India) zurückgegriffen werden. Die als Back-up für die Ariane 6 gedachte Sojus ist seit Beginn des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine keine Option mehr.

Für fünf mit Sojus gebuchte institutionelle Missionen sucht Arianespace noch nach Lösungen. Es handelt sich um zwei Galileo-Satelliten, die dieses Jahr im April ins All gebracht werden sollten, die EarthCARE- und Euclid-Missionen der ESA, sowie den CSO-3-Aufklärungssatelliten der französischen Regierung, deren Starts für 2023 geplant war. Sie könnten frühestens 2024 mit einer Ariane 6 fliegen.

Wie viele Starts mit der Ariane 6 im Jahr 2024 geplant sind, ist nach Angaben von André-Hubert Roussel, CEO von ArianeGroup, noch nicht finalisiert. Es handle sich aber um einen steilen Hochlauf. Insgesamt 29 Startaufträge für die neue Trägerrakete liegen nach Angaben von Arianespace bislang vor, davon 18 für die Kuiper-Satellitenkonstellation von Amazon.

Es hakt an verschiedenen Stellen

Für die Verzögerung gebe es nicht den einen Grund, versichterten die Verantwortlichen von ESA, ArianeGroup, CNES und Arianespace bei einem Medienbriefing am Mittwoch. Daniel Neuenschwander, ESA-Direktor für Raumfahrzeugträger, nennt mehrere Faktoren: die Einführung der APU (Auxiliary Power Unit) in das wiederzündbare Oberstufentriebwerk Vinci, Probleme mit den kryogenen Armen am neuen Startplatz ELA-4 am europäischen Weltraumbahnhof in Kourou in Französisch-Guayana, die Oberstufentests auf dem neuen ESA-Prüfstand P5.2 in Lampoldshausen, die kombinierten Tests in Kourou und nicht zuletzt Covid-19.

Die Oberstufentests haben am 5. Oktober auf dem Gelände des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Lampoldshausen begonnen. Die kombinierten Tests mit Haupt- und Oberstufe in Kourou laufen parallel dazu.

Die aktuelle Ausgabe
FLUGREVUE 01 / 2023

Erscheinungsdatum 04.12.2022

Abo ab 14,00 €