Es ist eine einmalige und riskante Mission: Der von Katalyst Space Technologies entwickelte Servicesatellit Link soll sich dem NASA-Weltraumteleskop Swift annähern, ihn greifen und mithilfe des eigenen Antriebs auf eine höhere Umlaufbahn bringen. Denn das 2004 gestartete Teleskop verliert aufgrund des Luftwiderstands in der Atmosphäre immer mehr an Höhe – und droht im Laufe dieses Jahres und damit deutlich früher als erwartet in die Erdatmosphäre einzutreten. Der Grund dafür sei die starke Sonnenaktivität, so Shawn Domagal-Goldman, Abteilungsleiter für Astrophysik im NASA-Hauptquartier in Washington, bei einem Pressebriefing am 17. Juni.
Link soll am 27. Juni mit einer Pegasus-XL-Trägerrakete starten, die zunächst von einer von Northrop Grumman betriebenen Lockheed TriStar auf rund 40.000 Fuß (ca. 12.192 m) gebracht wird. Der mittlerweile seltene Dreistrahler startet von der Reagan Test Range auf dem Kwajalein-Atoll im Südpazifik. Es ist die letzte fliegende L-1011.
Die NASA erteilte Katalyst den Auftrag zur Entwicklung von Link im vergangenen September – für schlappe 30 Millionen US-Dollar. Auch wenn Link noch nicht gestartet ist, bewertet die NASA es bereits als Erfolg, dass man so weit gekommen ist. "Ich bin ehrlich, niemand dachte, dass es möglich sei", sagte Domagal-Goldman.
Kleinsatellit auf großer Mission
Link sei ein unglaublich komplexes Raumfahrzeug, so Kieran Wilson, der Link-Projektleiter bei Katalyst Space. Der Servicesatellit wiegt 425 Kilogramm und hat drei Hall-Effekt-Ionenantriebe mit je einem Kilowatt Leistung. Link generiere mit seinen Solarpaneelen trotz seiner Kleinsatellitenform mehr als vier Kilowatt Leistung. Er verfügt über acht Rendezvous-Sensoren und komplexe Algorithmen, drei Roboterarme und ein Lageregelungssystem mit 16 Steuerdüsen.

Link wurde bereits in der NASA Wallops Flight Facility in Virginia in die Pegasus-XL-Rakete integriert.
Die Mission birgt zahlreiche Risiken. Swift ist nicht dafür ausgelegt, um im Weltraum von einem anderen Satelliten eingefangen zu werden. Für Katalyst ist es zudem die erste Service-Mission. Und auch das Weltraumwetter kann der Mission einen Strich durch die Rechnung machen, indem der Höhenverlust von Swift noch beschleunigt wird. "Es gibt viele einfache Dinge, die schiefgehen können", sagte Wilson. Als Beispiel nannte er eine falsche Ausrichtung der Solarpaneele, sodass kein Strom erzeugt wird. "Aber wir haben in den vergangenen Monaten eine aggressive Testkampagne absolviert. Wir haben mit dem NASA-Team eng zusammengearbeitet, um die Risiken bereits am Boden so weit wie möglich zu minimieren."
Wichtige Rolle für die Astrophysik
Es sei zwar üblich, dass Satelliten irgendwann in die Erdatmosphäre eintreten und verglühen. "Aber [Swift] ist nicht irgendein Raumfahrzeug. Es ist ein Observatorium mit einzigartigen Fähigkeiten für die Astrophysik", so Domagal-Goldman. Das "Neil Gehrels Swift Observatory", wie Swift vollständig heißt, untersucht Gammastrahlenausbrüche, die stärksten Explosionen im Universum, sowie andere kosmische Objekte und Ereignisse. Swift verfügt über drei Multilängenwellen-Teleskope, die Daten im sichtbaren Licht, im Ultraviolettbereich, im Röntgenbereich und im Gammastrahlenbereich erfassen. Swift hat innerhalb von 22 Jahren mehr als 2000 solcher Gammastrahlenausbrüche beobachtet. Das Besondere an Swift sei seine Fähigkeit, seine Nahfeld-, Röntgen- und UV-Teleskope autonom und innerhalb weniger Minuten neu auszurichten, sagte Brad Cenko, der Swift-Projektleiter beim Goddard Space Flight Center der NASA in Greenbelt, Maryland.
Die Pegasus XL soll Link in einen Orbit in der Nähe von Swift einschießen. Nach dem Start folgt eine rund zweiwöchige Phase, in der Link in Betrieb genommen wird. Anschließend beginnen die Manöver, um sich Swift anzunähern. "Dann gehen wir in die Phase der Nahbereichsoperationen und des Einfangens. Danach brauchen wir zwei bis drei Monate, um die Bahnanhebung durchzuführen", sagte Wilson. Link muss Swift erreichen, bevor das Teleskop auf unter 300 Kilometer Höhe abgesunken ist. Aktuelle Schätzungen gehen davon aus, dass dieser Punkt im Oktober erreicht sein wird.
Wenn sich Link Swift annähert, sollen beide als Tandem manövrieren. Link soll dann mögliche Stellen an Swift inspizieren, an denen die Roboterarme zugreifen können. Für die Orbitanhebung reicht es, wenn nur ein Arm mit Swift verbunden ist.





