Mondsonde, Weltraumbahnhof, Militär: Türkei baut Raumfahrtprogramm aus

Mondsonde, Weltraumbahnhof, Militär
Türkei baut Raumfahrtprogramm aus

ArtikeldatumVeröffentlicht am 30.07.2026
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Türkei, Satellit
Foto: TÜBITAK

Dass Armenien und Aserbaidschan als ehemalige Sowjetrepubliken eine lange Raumfahrttradition haben, ist allgemein bekannt. Für die Türkei sieht das allerdings anders aus. Denn die türkische Raumfahrtbehörde "Türkiye Uzay Ajansı" (TUA) gibt es erst seit 2018.

In Antalya, das sonst eher für Strandurlaub bekannt ist, findet in diesem Jahr der Internationale Raumfahrtkongress statt. Es ist das erste Mal, dass der Kongress in der Türkei abgehalten und von der TUA veranstaltet wird.

Die türkischen Ambitionen im Weltraum sind groß. Doch ein Raumfahrtprogramm aus dem Boden zu stampfen, ist keine leichte Aufgabe. Raumfahrtindustrie gibt es in der Türkei allerdings schon länger, denn das Land unterstützt seit Jahrzehnten ESA- und NASA-Missionen.

Seit 2020 laufen zudem Verhandlungen über einen möglichen ESA-Beitritt. Abkommen bestehen außerdem mit der Weltraumnation Kasachstan sowie mit der Ukraine und Ungarn.

Auch die Türkei will auf den Mond

Noch in diesem Jahr soll es mit AYAP-1 auf den Mond gehen: Im Rahmen der Mission soll die erste türkische Raumsonde den Mond erreichen und dort landen. Im Gespräch mit TUA-Präsident Yusuf Kıraç war allerdings noch nicht klar, wann und wo genau die Mondsonde aufsetzen soll. Über die Landefläche werde derzeit noch sondiert, so Kıraç.

2026 soll es zunächst bei der Testphase bleiben. Der Start von AYAP-1 samt "harter Landung" ist für die erste Jahreshälfte 2027 geplant, die "weiche Landung" soll wenige Monate später folgen.

Neuer Weltraumbahnhof in Somalia

Bei der Mondmission soll es nicht bleiben. Die Türkei will einen eigenen Zugang zum All und lässt dafür derzeit in Somalia einen eigenen Weltraumbahnhof bauen, der vollständig unter türkischer Verwaltung steht und ohne Pachtvertrag, wie er etwa in Baikonur besteht.

Die rund 900 Quadratkilometer große Küstenanlage entsteht nahe Warsheikh, etwa 70 Kilometer nördlich von Mogadischu, und liegt damit nahe genug am Äquator, um die geografischen Vorteile für Orbitalstarts optimal zu nutzen.

Koordiniert wird das Projekt von der TUA gemeinsam mit dem türkischen Ministerium für Industrie und Technologie. Die Kosten werden auf rund 350 Millionen US-Dollar beziffert.

Die Anlage solle "überwiegend kommerziell und friedlich" genutzt werden, berichtet Präsident Kıraç. Türkische Satelliten sollen von dort aus starten können. Einige Analysten gehen jedoch davon aus, dass die Infrastruktur auch zum Testen ballistischer Raketen dienen könnte.

Dass die türkische Infrastruktur in Somalia gut gesichert ist, nimmt das türkische Militär selbst in die Hand. Mindestens bis 2028 sind türkische Truppen dort stationiert, und die Streitkräfte beider Länder gelten als enge Partner – auch die somalische Küstenwache wird von der Türkei ausgebildet.

Reibungslos verläuft dieses Engagement jedoch nicht. Seit 2017 bildet die Militärbasis TURKSOM bis zu 16.000 somalische Soldaten aus. Hinzu kommen millionenschwere Rüstungsverkäufe wie Bayraktar-Drohnen. Kritiker sehen die somalische Armee ohne türkische Unterstützung trotz jahrelanger Ausbildung kaum einsatzfähig.

Der neue Weltraumbahnhof ist für die Türkei, und in Teilen auch für Somalia, allerdings auch deshalb wichtig, weil andere Nationen am Horn von Afrika ihre eigenen strategischen Ambitionen verwirklichen.

Nahe der somaliländischen Hafenstadt Berbera entsteht offenbar ein neuer Militärstützpunkt, den die Vereinigten Arabischen Emirate ausbauen, künftig aber für die USA und Israel nutzbar machen sollen. Das berichtet die französische Zeitung Le Monde Anfang des Monats unter Berufung auf eigene Recherchen und Satellitenbilder.

Der Ausbau des rund sieben Kilometer vom Stadtzentrum entfernten Flughafengeländes fällt zeitlich mit einem diplomatischen Paukenschlag zusammen: Israels Ministerpräsident Netanjahu hatte Ende Dezember 2025 überraschend die Unabhängigkeit Somalilands anerkannt, was die Souveränität des somalischen Staates schwächt.