Blue Origin hat die Ursache einer heftigen Explosion einer New Glenn auf dem Launch Complex 36A der Cape Canaveral Space Force Station am 28. Mai gefunden: Die Anomalie ging von einem Hauptsauerstoffventil eines der sieben BE-4-Triebwerke aus. Geborgene Hardware und Inspektionen hätten das bestätigt. Das teilte Dave Limp, CEO von Blue Origin, am 5. August auf X mit.
"Es wurden umfangreiche Tests auf Komponentenebene sowie Heißlauftests am Triebwerk durchgeführt, um die Ausfallursache besser zu verstehen und Maßnahmen zur Risikominderung zu erarbeiten", so Limp. Man nehme nun kleine Änderungen am Ventil vor, die schnell an bestehenden Triebwerken nachgerüstet werden könnten. "Wir fertigen derzeit die aktualisierte Hardware, die bis Ende dieses Monats bereitstehen wird. Parallel dazu arbeiten wir an der verbleibenden Fehlerbaumanalyse."
Inwieweit das Problem auch die Vulcan-Trägerrakete der United Launch Alliance (ULA) betrifft, ließ Limp offen. Die Vulcan nutzt zwei BE-4 in ihrer Erststufe. Die Trägerrakete ist seit Februar nicht mehr gestartet. Damals erlitt sie eine Anomalie mit einem ihrer GEM-63XL-Feststoffbooster, die von Northrop Grumman zugeliefert werden. Die Vulcan konnte zwar noch ihre Mission beenden, aber das Problem wird seitdem untersucht. Northrop Grumman hat nach eigenen Angaben Korrekturmaßnahmen ergriffen und will mit der Lieferung der überarbeiteten Feststoffmotoren bis Ende des Jahres beginnen. Wann die Vulcan wieder starten kann, ist unklar.
Wiederaufbau der Startrampe läuft
Bei der Explosion am 28. Mai wurde die New Glenn komplett zerstört und die Startrampe erheblich beschädigt. Der Blitzableiter-Turm, der Transport- und Aufrichtungsmechanismus (Transporter-Erector), der die Rakete von der Integrationsanlage zur Startrampe befördert und in die Vertikale bringt, und die Hydraulikzylinder wurden zerstört. Das Tanklager, die Integrationsanlage, der Zugangsturm zur Rakete und der Wasserturm hingegen überlebten die Explosion.
Die New Glenn soll noch 2026 wieder fliegen. Blue Origin hat mit dem Wiederaufbau der Startrampe begonnen, so Limp am 30. Juni in einem Statement. Die Rampe soll aber nicht eins zu eins wie vorher aufgebaut werden, sondern orientiert sich an einem neuen Betriebskonzept, das für die künftige Superschwerlastversion der New Glenn namens 9x4 entwickelt wurde.
Blue Origin verzichtet künftig auf den Transporter-Erector und will die horizontal montierte und zur Rampe transportierte New Glenn mit einem Kran aufrichten. Sobald sie steht, soll die Nutzlast auf der Raketenspitze integriert werden. Bisher wurde die Nutzlast bereits in der Integrationsanlage mit der Rakete verbunden. Nach Angaben von Blue Origin unterstützt dieses neue Konzept eine höhere Startkadenz. Für die noch größere New Glenn 9x4 (mit neun BE-4-Triebwerken in der Erststufe und vier BE-3U in der Oberstufe) entwickelt Blue Origin auch LC-36B in Cape Canaveral mit dem neuen Betriebskonzept.





