Die mittlere Trägerrakete Sojus-5 hob vergangene Woche zu ihrem Jungfernflug ab. Kurz nach neun Uhr Moskauer Zeit startete das neuste russische Raketensystem vom Startplatz 45 auf dem Kosmodrom Baikonur.
Das Herzstück der neuen Rakete ist ein Flüssigkeitsantrieb, der nach Angaben der Entwickler das leistungsstärkste Triebwerk seiner Bauart ist. Als Antrieb kommt das Triebwerk RD-171MV zum Einsatz, eine Neuentwicklung auf Basis der RD-171M-Baureihe.
Das RD-171MV unterscheidet sich von seinen Vorgängern vor allem durch die ausschließliche Verwendung russischer Komponenten und ein modernisiertes Steuerungssystem.
Beide Antriebsstufen arbeiteten beim Erststart planmäßig. Als Nutzlast diente kein echtes Raumfahrzeug, sondern ein Dummy mit realitätsgetreuer Masse und Geometrie. Dieser erreichte die vorausberechnete suborbitale Flugbahn und schlug anschließend in einem für Schiff- und Luftfahrt gesperrten Seegebiet im Pazifik auf.
Für die russische Raumfahrtindustrie hat die neue Rakete mehrere strategische Bedeutungen. Sie soll deutlich günstigere Transportkosten pro Kilogramm ermöglichen, die maximale Nutzlastmasse auf bis zu 17 Tonnen steigern sowie präzisere Missionsprofile erlauben.
Mit dem Start begann offiziell die Erprobungsphase des Systems. Vier Testflüge sind Pflicht für neue Raketensysteme.
Start immer wieder verschoben
Dass der Erststart doch noch im April stattfand, war nach monatelangen Turbulenzen keineswegs selbstverständlich.
Ursprünglich hätte die Sojus-5 bereits im Dezember 2025 abheben sollen. Im November war die Rakete auf dem Kosmodrom Baikonur eingetroffen, und Ende des Monats erklärte Dmitri Baranow, stellvertretender Generaldirektor für Raketenprojekte bei Roskosmos, dass sowohl die Startinfrastruktur als auch die Rakete selbst einsatzbereit seien.
Kritische Vorstarttests standen jedoch noch aus. Roskosmos und die kasachische Raumfahrtagentur Kazcosmos beschlossen kurzfristig, den Termin aus technischen Gründen zu streichen. Welche konkreten Probleme an Bord- oder Bodensystemen zur Absage führten, teilte die Behörde nicht mit.
In den folgenden Wochen blieb der neue Starttermin zunächst vage. Der kasachische Minister für Künstliche Intelligenz und Digitale Entwicklung, Schaslan Madijew, sprach nach der Absage lediglich vom "ersten Quartal 2026".
Erst im Februar konkretisierte der russische Botschafter in Kasachstan, Alexej Borodawkin, gegenüber der Nachrichtenagentur TASS, dass der Start im März stattfinden solle. Dazu kam es erneut nicht und die Rakete sollte spätestens im April starten.
"Baitarek"-Projekt und Umbau bremsten Testflug aus
Der Start steht im Rahmen des gemeinsamen russisch-kasachischen Projekts "Baiterek", für das eigens die frühere Zenit-M-Startrampe auf dem Weltraumbahnhof Baikonur umgebaut wurde. Ab 2028 sollen von dort regelmäßig Raketen der mittleren und schweren Nutzlastklasse abheben.
Der Umbau der veralteten Zenit-M-Startanlage erforderte mehrfache Überarbeitungen der Vereinbarungen zwischen beiden Ländern, was den Umbau und damit auch die Testflüge verzögerte.
Rückzahlungsfristen für Haushaltskredite liefen aus, Nachverhandlungen wurden nötig. Die Gesamtkosten wurden seitdem deutlich nach oben korrigiert.
2023 beschlagnahmten kasachische Behörden Eigentum des russischen Betreibers TsENKI – dem Baikonur-Tochterunternehmen von Roskosmos – infolge eines Schuldenstreits.
Mit dem ersten Testflug scheint das Projekt zunächst wieder auf Kurs gebracht zu sein.





