Spectrum von Isar Aerospace: Die erste deutsche Trägerrakete, die es in den Orbit geschafft hat

Spectrum von Isar Aerospace
Das ist die erste deutsche Trägerrakete, die es in den Orbit geschafft hat

ArtikeldatumVeröffentlicht am 07.09.2026
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Das ist die erste deutsche Trägerrakete, die es in den Orbit geschafft hat
Foto: Isar Aerospace

Etwa 18 Monate nach dem Erststart gelang dem jungen deutschen Raumfahrtunternehmen Isar Aerospace ein historischer Meilenstein: der erste erfolgreiche Weltraumflug der kleinen Trägerrakete Spectrum.

Die Mission "Onward and Upward" startete am 5. September 2026 um 22:12 Uhr firmeneigenen Startplatz am Weltraumbahnhof Andøya Space in Norwegen aus. Dabei hat die Spectrum echte Nutzlasten in einen sonnensynchronen Orbit in 500 Kilometern Höhe befördert – fünf CubeSats und ein Experiment, die meisten von europäischen Universitäten. Sie stammen aus Deutschland, Norwegen, Österreich, Slowenien und Bulgarien und testen neue Technologien und Komponenten für die Satellitentechnik. Die Mission war zugleich der erste Qualifikationsflug für die Rakete.

Wiederverwendbarkeit bisher kein Thema

Die Spectrum ist eine zweistufige Rakete aus Kohlefaserverbundwerkstoffen. Sie ist 28 Meter hoch und hat einen Durchmesser von 2 Metern. Sie soll 1000 kg Nutzlast in den erdnahen Weltraum (low Earth orbit, LEO) bringen und 700 kg in einen sonnensynchronen Orbit (zum Vergleich: eine Vega-C von Avio ist rund 35 Meter hoch und kann bis zu 2300 kg in einen LEO befördern). Interessant ist die nicht wiederverwendbare Spectrum für den Start von Kleinsatelliten, beispielsweise für Breitbandkommunikation und Erdbeobachtung.

Das 2018 gegründete Unternehmen Isar Aerospace entwickelt und baut die meisten Bestandteile der Spectrum selbst, darunter auch die Flüssigkeitsraketentriebwerke namens Aquila, die nach dem Gasgeneratorzyklus funktionieren. Dabei wird ein Teil der Treibstoffe in einem Gasgenerator verbrannt und zum Antrieb der Turbopumpe genutzt.

Die erste Stufe nutzt neun Aquila à 75 kN. Die Oberstufe wird von einem fürs Vakuum optimierten, mehrfach wiederzündbaren Aquila (95 kN) angetrieben. Relativ ungewohnt ist die Treibstoff-Oxidator-Kombination Flüssigpropan und Flüssigsauerstoff. Isar Aerospace hat sich eigenen Angaben zufolge unter anderem deshalb dafür entschieden, weil die Temperaturen der beiden kryogenen Treibstoffe gut miteinander harmonieren und weil die Lieferkette für Propan etabliert sei. Propan hat einen höheren volumenbezogenen Energiegehalt als das heute vielfach für Raketen genutzte Methan, deshalb sind kompaktere Tanks möglich. Zudem gilt Propan hinsichtlich seines Potenzials für die Klimaerwärmung umweltfreundlicher als Methan.

Bis 2028 ausgebucht

Ihren ersten Testflug absolvierte die Spectrum am 30. März 2025 vom Andøya Spaceport in Norwegen aus. Der endete jedoch nach 30 Sekunden mit einer Explosion im Meer vor der Startrampe. Isar Aerospace teilte später mit, dass ein Verlust der Lageregelung schuld am Absturz gewesen sei. Dieser sei wiederum auf Biegebewegungen der Rakete beim Start zurückzuführen, die zuvor nicht korrekt modelliert worden waren. Im weiteren Flugverlauf hätte sich aber noch ein anderes Problem ergeben: Vor dem Start war ein Entlüftungsventil nicht geschlossen worden. Dadurch sank der Druck im Treibstofftank.

Der zweite Start wurde seit Januar mehrfach verschoben, meist wegen technischer Probleme, aber einmal auch wegen einer Protestaktion örtlicher Fischer. Nach Angaben des Isar-Aerospace-CEO und Mitgründers Daniel Metzler ist die Spectrum bis 2028 ausgebucht. Das Unternehmen plant jährlich Dutzende Starts. Ein zweiter Startplatz für die Spectrum ist in Nova Scotia, Kanada geplant.