in Kooperation mit

Flughafen Paderborn-Lippstadt startet neu nach Insolvenz

Amtsgericht hebt Insolvenz in Eigenverwaltung auf Flughafen Paderborn-Lippstadt startet neu

Nach einer "nachhaltigen Sanierung" kehrt Paderborn-Lippstadt zum 1. Mai in den "regulären Geschäftsbetrieb" zurück – mit 64 statt 165 Beschäftigten.

Das Amtsgericht Paderborn hat die Insolvenz in Eigenverwaltung der Flughafen Paderborn/Lippstadt GmbH zum 1. Mai aufgehoben. Damit kehrt der Paderborn-Lippstadt Airport "vollständig entschuldet und finanziell nachhaltig aufgestellt, in die eigenständige Geschäftsführung zurückkehren". Geschäftsführer bleibt Dr. Marc Cezanne, der seit 2013 das Unternehmen leitet.

Gesellschafter der neu aufgestellten Flughafen Paderborn/Lippstadt GmbH sind die Kreise Paderborn (77,94 Prozent), Soest (12,26 %), Hochsauerlandkreis und Höxter mit jeweils 3,92 Prozent sowie die IHK Ostwestfalen zu Bielefeld (1,57 %) und die IHK Lippe zu Detmold (0,39 Prozent).

Die Stadt Bielefeld ist seit dem 1. Januar ausgeschieden, hat ihre Anteile an den Kreis Paderborn abgegeben und zahlte diesem einmalig 2,5 Millionen Euro. Die Kreistage der Kreise Gütersloh und Lippe haben beschlossen, mit dem Abschluss des Insolvenzverfahrens rückwirkend zum 1. Januar ebenfalls als Gesellschafter auszuscheiden. Die genannten Beteiligungsverhältnisse entsprechen der Verteilung vorbehaltlich der Umsetzung der Beschlüsse.

Die Gläubiger haben ihren Beitrag zur Sanierung vor allem mit der Zustimmung zu einer Insolvenzquote von 25 Prozent geleistet. Auch die Belegschaft trug einen großen Teil der Last durch ihre Verkleinerung von ehemals 165 auf nur noch 64 Beschäftige. Den ausgeschiedenen Mitarbeitern konnte mit großer Unterstützung der Gesellschafter entweder ein neuer Arbeitsplatz oder der Wechsel in eine "attraktiv ausgestattete Transfergesellschaft" angeboten werden, sodass der Arbeitsplatzabbau so sozialverträglich wie möglich gestaltet wurde.

Der jährliche Zuschuss der Gesellschafter sinkt nach der erfolgreichen Sanierung von vormals bis zu fünf Millionen Euro auf maximal 2,5 Millionen Euro. Dieser Betrag ist kein Verlustausgleich, sondern finanziert die hoheitlichen Aufgaben eines vollwertigen Flughafens, der seine Betriebspflicht rund um die Uhr an 365 Tagen im Jahr erfüllt. Ein Großteil dieser Mittel sichert, dass die Feuerwehr jederzeit einsatzbereit ist.

Feuerwehr übernimmt auch Bodendienste

Nachdem die Belegschaft von vormals 170 auf 64 Beschäftigte schrumpfen musste, entfallen 44 Arbeitsplätze auf die Feuerwehr. Die Feuerwehrleute übernehmen neben ihren Bereitschaftsdiensten nunmehr auch Aufgaben der Bodenverkehrsdienste. Ohne den harten personellen Einschnitt wäre die Sanierung nicht möglich und die Regelinsolvenz mit drohender Stilllegung unabwendbar gewesen.

Das verbleibende Personal reicht aus, um anstelle von jährlich 700000 Fluggästen vor der Corona-Krise nunmehr bis zu 300000 zu bewältigen. Dieser Ansatz folgt der erwarteten Marktentwicklung bei Flugreisen. Sollten die Passagierzahlen darüber hinaus steigen, könnte sich der für die Region bedeutsame Flughafen darauf einstellen und jederzeit sachgerecht reagieren.

Flughafen-Geschäftsführer Cezanne hofft für den Sommer darauf, dass mehrere Fluggesellschaften den Paderborn-Lippstadt Airport nutzen werden. Selbst für den Fall, dass sich die Corona-Krise noch eine Weile hinziehen sollte, sei der Flughafen finanziell solide aufgestellt. "Wir haben so vorsichtig geplant, dass die finanziellen Mittel auch bei etwas länger als erwartbar anhaltenden Einschränkungen des Flugverkehrs ausreichen würden." Der Paderborn-Lippstadt Airport sei zurück und werde bleiben. "Jetzt kommt es darauf an, dass die Wirtschaft und Urlaubsreisende ihrem Heimatflughafen weiterhin die Treue halten".

Neuaufstellung in nur sieben Monaten

"Wir freuen uns sehr, dass die Neuaufstellung in nur sieben Monaten geglückt ist", sagte Dr. Yorck T. Streitbörger vom Bielefelder Büro der überregionalen Wirtschaftskanzlei Streitbörger als Generalbevollmächtigter über die bundesweit einzigartige Sanierung eines vormals verlustreichen Airports. "Als erster Regionalflughafen in Deutschland hat sich der Paderborn-Lippstadt Airport aus eigener Kraft und nachhaltig neu aufgestellt."

Stefan Meyer vom Lübbecker Büro der PLUTA Rechtsanwalts GmbH als der Sachwalter fügte hinzu: "Alle Beteiligten haben in diesem Verfahren mit Pioniercharakter hervorragend zusammengearbeitet und dafür gesorgt, dass die Region ihren vollwertigen Flughafen behält, dem infrastrukturell eine hohe Bedeutung zukommt."