Der spektakuläre Zwischenfall begann am Sonnabendnachmittag mit dem Start von Flug VN-34 aus München nach Hanoi. Die Boeing 787-9, VN-A867 von Vietnam Airlines beschleunigte auf der 4000 Meter langen Südpiste 26L, konnte aber ihre Abhebegeschwindigkeit nicht erreichen.
Erst hinter dem Pistenende hob der Zweistrahler in einer großen Staubwolke von der angrenzenden Grasfläche ab, und auch nur, weil die Piloten gewaltsam die Nase nach oben nahmen, wobei das Heck aufsetzte und über den Boden kratzte. Außerdem beschädigte sich das Flugzeug seine Reifen an der überrollten Startbahnbefeuerung.
Treibstoff-Notablass über der Innenstadt
Mit sofort einfahrendem Fahrwerk und steilem Steigwinkel gewann der Zweistrahler schließlich doch noch Höhe und Fahrt, um im Luftraum südlich des Flughafens München zwei Stunden lang zu kreisen, die Checklisten abzuarbeiten und um Treibstoff abzulassen. Damit senkt man vor einer Notlandung die Landemasse und senkt das Risiko von Landeunfällen. Das Flugzeug war für den fast elfstündigen Flug nach Hanoi zuvor voll betankt worden.
Keine Verletzten
Die Notlandung erfolgte mit bereit stehender Feuerwehr auf Münchens Nordbahn 26R. Nach der sanften Landung gelang der Besatzung ein Ausrollen ohne Ausbrechen, obwohl mehrere Hauptfahrwerksreifen zerstört waren. Nach Freigabe durch die Feuerwehr durften die Passagiere das rollunfähige Flugzeug über Treppen verlassen. Es wurde keine der 259 Personen an Bord verletzt.
Bremste der Jet beim Start?
Schon beim Start, der von Spottern mit Fotos und Videos begleitet worden war, hatte das Flugzeug Schäden am unteren Rumpf, am Leitwerk und am Fahrwerk erlitten. Auf der Startbahn hinterließ das Flugzeug schwarze Reifenspuren bis zum Pistenende, so als hätten die Bremsen kurz vor dem Abheben gebremst.
Glühendes Fahrwerk wird eingefahren
Im Internet kursierende, angebliche Borddaten des Flugzeugs sollen -offiziell nicht bestätigt- extreme Reifentemperaturen des Hauptfahrwerks direkt nach dem Start dokumentieren. Das gefährlich heiße Fahrwerk wurde nach dem Abheben dennoch sofort eingefahren, vermutlich, um den Luftwiderstand des um Beschleunigung ringenden Flugzeugs zu verringern.
Ursachenforschung läuft an
Nach dem glimpflichen Ausgang des Zwischenfalls, laut Flughafen fällt er in die Katergorie "Unfall", steht das Flugzeug in München. Die Stimmen- und Datenrecorder wurden sichergestellt. Die Bundesstelle für Flugunfalluntersuchungen in Braunschweig (BFU) hat eine Untersuchung begonnen.
Unser Boeing-Archivbild zeigt das Fahrwerk einer Boeing 787-9 nach einem absichtlichen Notbremstest. Man erkennt das glühend heiße Hauptfahrwerk des Dreamliners.





