Noch gibt es in Portugal gar kein offizielles Auswahlverfahren, aber die F-16, die die Portugiesen derzeit fliegen, besitzen ein Verfallsdatum, das nicht mehr weit entfernt liegt. "Natürlich muss die F-16 ersetzt werden", konstatierte der portugiesische Verteidigungsminister Nuno Melo Ende Juli. Und schob hinterher, die Nachfolge müsse "angesichts des Alters dieser Flugzeuge zwangsläufig bald" geregelt werden.
Gut zwei Dutzend F-16AM/BM sichern derzeit noch Portugals Luftraum, stationiert sind sie auf dem Fliegerhorst Monte Real im Westen des Landes. Vier portugiesische F-16 waren von Ende März bis Ende Juli dieses Jahres im estnischen Ämari stationiert, wo sie im Rahmen des Baltic Air Policing der NATO Einsätze flogen – und unter anderem im Mai eine russische Suchoi Su-35S und eine Antonow An-12 im internationalen Luftraum über der Ostsee abfingen.
Die Erbfolge war bei der portugiesischen Luftwaffe eigentlich geklärt, die Regierung in Lissabon hatte sich insgeheim auf die F-35A von Lockheed Martin festgelegt. Doch im Frühjahr 2025 nahm Portugal von dem US-Tarnkappenflugzeug wieder Abstand.
Auf Distanz zur F-35A
Offiziell begründete Verteidigungsminister Melo dies mit dem Regierungswechsel in Washington D.C. und der von ihm festgestellten Unberechenbarkeit der Trump-Administration.
Die Entscheidung für die F-35A könne vor diesem Hintergrund "Einschränkungen mit sich bringen in Bezug auf die Nutzung, die Wartung, die Komponenten und alles, was damit zu tun hat, die Einsatzfähigkeit des Flugzeugs zu gewährleisten und es in allen möglichen Szenarien zu verwenden."

Die Lockheed Martin F-35A Lightning II war Portugals Favorit, doch im Frühjahr 2025 nahm Lissabon Abstand von dem Stealth-Kampfjet - wegen der Unberechenbarkeit der Trump-Regierung, und wohl auch aus Kostengründen.
Lightning II weiter im Rennen
Eine völlige, endgültige Abkehr von der Lightning II scheint dies jedoch noch nicht gewesen zu sein. Hinter vorgehaltener Hand diskutiert man die F-35A in Lissabon offenbar weiter als Option – auch wenn bereits 2025 ein Kostenrahmen von 5,5 Milliarden Euro für eine mögliche Beschaffung genannt wurde, was manchem Entscheider reichlich teuer erschien.
Im Juni unterzeichnete Lockheed Martin mit AED Cluster, dem staatlichen portugiesischen Verband der Luft- und Raumfahrtindustrie, eine Absichtserklärung zur Auswahl möglicher portugiesischer F-35-Lieferanten, sollte das Land den Stealth-Kampfjet doch beschaffen.
Der US-Botschafter in Portugal, John Arrigo, legte im Frühjahr 2026 den Portugiesen seinerseits den Kauf der F-35A als F-16-Nachfolgemuster öffentlich nahe und versuchte so, den Druck auf die Regierung zugunsten des US-Musters zu erhöhen.
Arrigo begründete seine Ansicht mit der großen Verbreitung der F-35 im europäischen NATO-Raum, wodurch Portugal von Synergien profitieren könne. Objektiv betrachtet lässt sich das nicht leugnen – allerdings haben inzwischen auch drei europäische Flugzeughersteller ihre Hüte in den Ring geworfen und buhlen um Lissabons Gunst.

Portugal liebäugelt mit einer europäischen Lösung. Dassault will mit der Rafale punkten, die sich im Export zuletzt gut verkaufte.
Dassault und Airbus wollen punkten
In der vergangenen Woche vereinbarte Dassault aus Frankreich eine Kooperation mit AED Cluster, um einheimische Unternehmen als Partner zu gewinnen. Die Franzosen möchten Portugal gern die Rafale verkaufen und gaben dazu bereits im Juli ein offizielles Angebot ab. Die flankierende Absichtserklärung mit AED Cluster folgte am 23. September.
Bereits Ende Oktober 2025 hatte Airbus mit AED Cluster eine ähnliche Erklärung unterzeichnet. Im Rahmen einer Zusammenarbeit wolle man eine "Serie von Studien starten, um ein wertvolles industrielles Angebot" für den Ersatz der portugiesischen F-16 durch den Eurofighter zu schaffen.
Am 24. September wurde bekannt, dass Airbus ein unaufgefordertes Angebot für eine Eurofighter-Order vorbereitet, das man der portugiesischen Regierung wohl noch im Herbst unterbreiten möchte. Das damit verbundene Industriepaket soll sich offenbar über 40 Jahre erstrecken und portugiesischen Unternehmen Zugang zu Fertigung, Softwareentwicklung, Cybersicherheit sowie Wartung, Reparatur und Instandhaltung ermöglichen.

Airbus und Co. buhlen um Folgeaufträge für den Eurofighter, um die Produktion am Laufen zu halten. Portugal hat man dabei auch auf dem Zettel.
Saab bietet Gripen E-Lizenzbau an
Noch einen Schritt weiter geht Schwedens Rüstungskonzern Saab mit seinem Angebot für die neue Gripen E. Die Schweden möchten Portugal mit einer Lizenzfertigung im eigenen Land zum Kauf ihres Kampfflugzeugs bewegen. Das Konzept funktioniert bereits in Brasilien.
Gripen-Geschäftsführer Johan Segertoft machte Ende April im Gespräch mit CNN Portugal deutlich, dass das Industrieangebot modular gestaltet sei und zwar unabhängig davon, ob Portugal eine vollständige Gripen-Flotte oder noch ein zweites Muster anschaffe.
Man schließe ausdrücklich nicht aus, eine lokale Endmontagelinie für die "Super-Gripen" in Portugal zu eröffnen.

Saab bietet Portugal die Gripen E an - sogar mit der Option, die benötigten Jets in Portugal zusammenzubauen.
Wer hat am Schluss die Nase vorn?
Für Portugals Regierung liegen damit mindestens vier Optionen auf dem Tisch, wie die Zukunft der einheimischen Luftverteidigung nach der F-16-Ära aussehen könnte. Eine fünfte Möglichkeit wäre die Beschaffung von zwei unterschiedlichen Mustern, wie sie in der Saab-Offerte bereits angeklungen ist.
Allerdings werden bei einer Entscheidungsfindung, deren Anstoß idealerweise noch in diesem Jahr erfolgt, auch Budgetfragen eine zentrale Rolle spielen. Schließlich sitzt das Geld in Portugal auch nicht über die Maßen locker. So könnte insbesondere die F-35A, abseits aller politischen Bedenken, für Portugal zu teuer sein. Auch Eurofighter und Rafale sind auf dem Fighter-Markt nicht als Schnäppchen bekannt.
Das finanziell und wirtschaftlich attraktivste Gesamtpaket könnte letztendlich Saab schnüren. Doch bei den Schweden sah man sich in der Vergangenheit bereits mehrfach als sicherer Sieger in Kampfflugzeug-Ausscheidungen, um dann am Ende doch leer auszugehen.
Es bleibt also spannend.





