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Die Riesen der Lüfte

Top 10: Die größten Flugzeuge der Welt

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Top 10

Schneller, höher, größer, weiter: Die Entwicklung der Luftfahrt ist und war immer von Rekorden geprägt. Eine besondere Rolle nehmen seit jeher Großflugzeuge ein. Wir zeigen die zehn größten aller Zeiten.

Im Jahr 1914 konstruierte Igor Sikorsky in Russland den ersten viermotorigen Bomber der Welt. Am 25. Februar 1914 startete die Ilja Muromez, benannt nach einer russischen Sagengestalt, zu ihrem Erstflug. Die Fliegerei steckte damals noch in den Kinderschuhen, doch mit seiner Spannweite von 34,5 Metern war Sikorskys Bomber einer der ersten Giganten der Lüfte – sieht man einmal von den Zeppelinen ab. Im Lauf der Jahrzehnte eroberten immer größere Flugzeuge den Luftraum. Unsere Top 10-Hitliste zeigt die Maschinen mit der größten Spannweite.

Platz 10: Saunders-Roe SR.45 Princess

Spannweite 66,90 Meter

Saunders-Roe Princess im Flug. Foto: FR-Dokumentation

Die Geschichte der Saunders-Roe Princess verlief wenig ruhmreich. Trotz ehrgeiziger Pläne hatte das britische Großflugboot keinen Erfolg. Mit einer Spannweite von 66,90 Metern bei über 45 Metern Länge ist sie dennoch das größte Ganzmetallflugboot, das je gebaut wurde. Im Linienbetrieb sollte sie komfortablen Platz für 105 Passagiere bieten.

Angetrieben von zehn Turboprop-Motoren des Typs Bristol Proteus 600 startete die Princess am 22. August 1952 zu ihrem Erstflug. Der erste Prototyp trug die Registrierung G-ALUN und war bei seinem Jungfernflug rund um die Isle of Wight etwa 35 Minuten unterwegs.

Markenzeichen der SR.45 Princess waren ihr wuchtiger Doppelrumpf mit zwei durchgehenden Passagierdecks samt Druckkabine sowie die besondere Anordnung der Triebwerke. Da es unmöglich schien, die zehn Motoren samt Propellern in den Tragflächen unterzubringen, koppelte man die acht dem Rumpf am nächsten liegenden zu Zweierpaaren, die jeweils ein gegenläufiges Propellerpaar antrieben. Diese ungewöhnliche Konstellation erwies sich allerdings als problembehaftet, weshalb sich die Entwicklung der SR.45, die bereits kurz nach Ende des Zweiten Weltkriegs begonnen hatte, mehrfach verzögerte.

Als die Princess dann im Sommer 1952 endlich flügge war, hatte sich die Zeit bereits gegen sie gewendet. Die Zukunft gehörte den Jets – von der SR.45 wurde nur ein Exemplar fertiggestellt, zwei weitere blieben unvollendet. Alle drei endeten schließlich auf dem Schrottplatz.

Technische Daten:
Antrieb: 10 x Bristol Proteus 600 mit je 3245 WPS
Spannweite: 66,90 m
Länge: 45,1 m
Höhe: 16,99 m
Flügelfläche: 466 m²
Leermasse: 86.183 kg
Maximale Startmasse: 156.501 kg
Reisegeschwindigkeit: 579 km/h
Reichweite: 9205 km


Platz 9: Lockheed C-5 Galaxy

Spannweite 67,88 Meter

Lockheed Martin C-5M Galaxy beim Start. Foto: Lockheed Martin

Als die Lockheed C-5 Galaxy am 30. Juni 1968 zum ersten Mal abhob, war sie das größte Transportflugzeug der Welt. Diesen Rang verlor sie erst 1982 wieder, als sie von der Antonow 124 vom Thron gestoßen wurde. Die Galaxy ging aus einem Wettbewerb für einen neuen Langstreckentransporter hervor und ersetzte bei der US Air Force die veralteten Douglas C-133 Cargomaster. Von den 131 gebauten Exemplaren sind heute noch 52 im Dienst.

Da ein Nachfolger für die C-5 weit und breit nicht in Sicht ist, wurden diese 52 Flugzeuge einem umfangreichen Modernisierungsprogramm unterzogen. Bis Ende September 2018 sind alle noch aktiven Galaxys auf den neuen Standard C-5M Super Galaxy umgerüstet worden. Dieser beinhaltet unter anderem neue, sparsamere und leisere Triebwerke sowie ein modernes Glascockpit. Auf diese Weise soll die C-5 bis mindestens 2040 einsatzfähig bleiben.

Die vier CF6-Triebwerke verleihen der C-5M 22 Prozent mehr Schub, eine um 30 Prozent verkürzte Startstrecke und eine sehr viel bessere Steigrate. Reichweite und Nutzlast haben sich ebenfalls deutlich erhöht.

Technische Daten:
Antrieb:  4 x General Electric CF6-80C2 mit je 224,9 kN Schub
Spannweite: 67,88 m
Länge: 75,54 m
Höhe: 19,85 m
Flügelfläche: 576 m²
Leermasse: 169643 kg
Maximale Startmasse: 381.024 kg
Nutzlast: 127.460 kg
Reisegeschwindigkeit: 833 km/h
Reichweite: 9723 km (mit 60 Tonnen Zuladung)


Platz 8: Boeing 747-8

Spannweite 68,40 Meter

Als Frachter ist die Boeing 747-8 eher gefragt denn als Passagierflugzeug. Foto: Patrick Zwerger

Die neueste Variante des legendären Jumbo Jets flog am 20. März 2011 zum ersten Mal und kann 467 Passagiere in einer Drei-Klassen-Ausführung befördern. Gegenüber der bis dato modernsten Jumbo-Version 747-400 streckte Boeing den Rumpf der 747-8 um 5,60 Meter. Bei der Passagierausführung 747-8I wurde auch das charismatische Oberdeck entsprechend gestreckt. Es ist 4,1 Meter länger als bei der Vorgängerversion. Die Frachtvariante besitzt kein gestrecktes Oberdeck.

Boeing bietet die 747-8 außerdem als Businessjet mit einer Reichweite von über 16000 Kilometern an. Auch die nächste Generation des US-Präsidentenflugzeugs wird auf der 747-8 basieren. Als Passagierflugzeug hat der Jumbo allerdings bei immer mehr Airlines das Nachsehen. Zu den Kunden der 747-8I zählen neben der Lufthansa lediglich Korean Air sowie Air China.

Technische Daten:
Antrieb: 4 x GE Aviation GEnx-2B67
Spannweite: 68,50 m
Länge: 76,3 m
Höhe: 19,4 m
Flügelfläche: 554 m²
Leermasse: 211.690 kg
Maximale Startmasse: 447.696 kg
Nutzlast: 76.335 kg (747-8 Intercontinental)
Reisegeschwindigkeit: 917 km/h
Reichweite: 14800 km

Platz 7: Bristol Brabazon

70,10 Meter

Die Bristol Brabazon war das größte britische Flugzeug aller Zeiten. Foto: FR-Dokumentation

Sie war das größte je in Großbritannien gefertigte Flugzeug: Die achtmotorige Brabazon wurde nach dem Zweiten Weltkrieg für den Transatlantik-Verkehr entworfen. Die acht paarweise angeordneten, luftgekühlten Doppelsternmotoren trieben jeweils über Fernwellen vier gegenläufige Propellerpaare an, ähnlich wie bei der Saunders-Roe Princess. Der britische Riese flog erstmals am 4. September 1949. 

Die Brabazon war für 100 Passagiere ausgelegt und sollte diesen besonders komfortables Reisen ermöglichen. So allerdings war an einen wirtschaftlichen Betrieb kaum zu denken, weshalb die Brabazon gegenüber der US-Konkurrenz aus Lockheed Cosntellation sowie Douglas DC-6 und DC-7 ins Hintertreffen geriet. Die schräg zueinander in den Tragflächen verbauten Motoren brachten außerdem nicht die erforderliche Leistung und blieben technisch anfällig. Eine konzipierte Turboprop-Version der Brabazon wurde nie verwirklicht.

Der einzige Prototyp der nach dem britischen Baron und Luftfahrtpionier John Moore-Brabazon benannten Maschine wurde schließlich 1953 verschrottet.

Technische Daten:
Antrieb: 8 x Bristol Centaurus 20
Spannweite: 70,10 m
Länge: 54 m
Höhe: 15 m
Flügelfläche: 494 m²
Leermasse: 65.816 kg
Maximale Startmasse: 131.540 kg
Reisegeschwindigkeit: 402 km/h
Reichweite: 8851 kg


Platz 6: Convair XC-99

Spannweite 70,12 Meter

Die Convair XC-99 entstand aus dem Bomber B-36. Foto: FR-Dokumentation

Die Convair XC-99 war ein für die US Air Force entwickelter Transporter, der aus dem strategischen Bomber B-36 Peacemaker abgeleitet wurde. Mit einer Spannweite von 70,12 Metern, mehr als 55 Metern Länge und einer Abflugmasse von mehr als 120 Tonnen war sie das größte je gebaute Landflugzeug mit Kolbenantrieb. Mit der B-36 teilte sie sich vor allem die Tragflächen und die Anordnung der sechs Motoren, die auf der Tragflächenrückseite angebracht waren und sechs Druckpropeller antrieben.

Der neu gestaltete Rumpf bot auf zwei Decks ein enormes Ladevolumen – so viel, dass es nur zur Hälfte ausgenutzt werden konnte, ohne die zugelassene Nutzlast zu überschreiten. Ausgelegt war die XC-99 auf eine Zuladung von 45.000 Kilogramm oder alternativ für den Transport von bis zu 400 voll ausgerüsteten Soldaten. Ein integrierter Lastenaufzug sollte das Be- und Entladen erleichtern.

Ihren Erstflug feierte die XC-99 am 24. November 1947 in San Diego (Kalifornien). Im Mai 1949 stellte die US Air Force das Einzelstück in Dienst und betrieb es bis 1957. Während dieser Zeit flog die XC-99 zahlreiche Missionen und war unter anderem auch im Koreakrieg im Einsatz. Ihren längsten Flug unternahm sie im August 1953 von San Diego nach Frankfurt auf die Rhein-Main Airbase – 19.000 Kilometer mit Zwischenstopps auf den Bermudas und den Azoren. Da die US Air Force aber zwischenzeitlich keinen Bedarf mehr an einem solch groß dimensionierten Transporter hatte, sah man von einer Serienfertigung ab.

Der einzige Prototyp befindet sich heute in der Obhut des National Museum of the United States Air Force in Dayton, Ohio. Ein ziviler Passagier-Ableger der XC-99, die Convair Model 37, kam nie über den Planungsstatus hinaus.

Technische Daten:
Antrieb: 6 x Pratt & Whitney R-4360
Spannweite: 70,12 m
Länge: 55,64 m
Höhe: 17,53 m
Flügelfläche: 443,3 m²
Leermasse: 61.395 kg
Maximale Startmasse: 120.310 kg
Nutzlast: 45.400 kg
Reisegeschwindigkeit: 400 km/h
Reichweite: 13.036 km


Platz 5: Antonow An-124

Spannweite 73,30 Meter

Antonow An-124 von Volga-Dnepr in Leipzig. Foto: Patrick Hoeveler

Die An-124 Ruslan startete am 26. Dezember 1982 zu ihrem Erstflug. In der Sowjetunion als Gegenstück zur C-5 Galaxy entwickelt, ist sie heute weltweit das führende Flugzeug für zivile Schwerlasttransporte. Dabei kommt ihr zugute, dass sie auch auf abgelegenen Plätzen mit schlechter Infrastruktur problemlos landen sowie be- und entladen werden kann. Ihr robustes Fahrwerk und die Konzeption als Schulterdecker ermöglichen es der An-124, selbst auf hart gefrorenem Schnee und Schotterpisten zu operieren. Am Boden kann die Ruslan sowohl per Heckrampe als auch über den hochklappbaren Rumpfbug mit sperriger Fracht bestückt werden. Zu diesem Zweck lässt sich das doppelt angeordnete Bugfahrwerk absenken, was eine reibungslose Beladung direkt vom Boden aus ermöglicht. Über eine ausfahrbare Rampe können Fahrzeuge aller Art, auch Tieflader und Panzer, direkt in den Frachtraum fahren.

Da sie alle relevanten Hilfsmittel für die Be- und Entladung an Bord mit sich führt, ist die An-124 nicht an besondere Voraussetzungen am angeflogenen Flughafen gebunden, sondern kann vollkommen autark operieren. Das macht sie besonders in Krisen- und Katastrophengebieten sowie als Militärtransporter zu einem gefragten Helfer. Selbst die NATO setzt im Rahmen des SALIS-Projekts auf die Performance der An-124.

Technische Daten:
Antrieb: 4 x Iwtschenko Progress D-18T
Spannweite: 73,30 m
Länge: 69,10 m
Höhe: 21,08 m
Flügelfläche: 628 m²
Leermasse: 175.000 kg
Maximale Startmasse: 405.000 kg
Nutzlast: 150.000 kg
Reisegeschwindigkeit: 800 km/h
Reichweite: 4800 km (mit maximaler Nutzlast)


Platz 4: Airbus A380

Spannweite 79,80 Meter

Ein Airbus A380 von Thai Airways beim Start. Foto: Airbus (Goussé)

Das größte Mitglied der Airbus-Familie flog am 27. April 2005 zum ersten Mal. Seither lockt der europäische „Super-Jumbo“ auf der ganzen Welt tausende von Schaulustigen an die Flughäfen. Und das nicht ohne Grund: Auch heute noch wirkt der doppelstöckige Koloss auf den Betrachter schlichtweg beeindruckend. Der Anblick, wenn sich 560 Tonnen Gewicht in die Luft erheben, lässt eben kaum jemanden kalt.

Mit seiner durchgängigen Doppelstock-Auslegung ist der A380 heute einzigartig und unverwechselbar. Das macht ihn zum Liebling vieler Flugzeugfans. Selbst Kinder erkennen seine Silhouette. Wirtschaftlich dagegen war der A380 weniger erfolgreich. Der von Airbus 2000 errechnete Bedarf für 1235 Flugzeuge wurde nicht annähernd erreicht. 2021 soll die Produktion auslaufen – 251 A380 werden bis dahin gebaut sein. Größter Kunde ist Emirates, auch die Lufthansa betreibt eine A380-Flotte. Eine ursprünglich geplante Frachtversion wurde seitens Airbus ebenso wie eine gestreckte Variante auf Eis gelegt.

Aufgrund seiner Größe kann der A380 (die 8 im Namen ist übrigens eine Anspielung auf die zwei Passagierdecks) nur von entsprechend ausgestatteten Drehkreuzen aus operieren – ein Nachteil gegenüber kleineren Zweistrahlern wie Boeing 787 oder Airbus A350, die auch kleinere Flughäfen direkt bedienen können. Zudem verbrauchen die Twinjets weniger Sprit als der vierstrahlige Riese.

Technische Daten:
Antrieb: 4 x Engine Alliance GP7200 oder 4 x Rolls-Royce Trent 900
Spannweite: 79,80 m
Länge: 72,80 m
Höhe: 24,10 m
Flügelfläche: 845 m²
Leermasse: 270.015 kg
Maximale Startmasse: 560.000 kg
Nutzlast: 90.985 kg
Reisegeschwindigkeit: Mach 0.82
Reichweite: 14.816 km

Platz 3: Antonow An-225

Spannweite 88,40 Meter

Die Antonow An-225 feierte am 21. Dezember 1988 ihr Rollout. Foto: Antonow

Sie ist das schwerste und längste Flugzeug, das es gibt – in puncto Spannweite allerings landet die Antonow An-225 „nur“ auf Platz drei. Die „Mrija“ (Traum) ist eine Weiterentwicklung der kleineren An-124 und war ursprünglich für den Transport der sowjetischen Raumfähre Buran vorgesehen. Sie hob am 21. Dezember 1988 in Kiew zum Erstflug ab.

Nach dem Ende der Sowjetunion wurde das Buran-Progarmm allerdings gestoppt und die An-225 im Jahr 1994 vorübergehend eingemottet. Beim zwischenzeitlich privatisierten ukrainischen Flugzeugbauer Antonow kursierte schon wenig später die Idee, der Mrija ein zweites Leben als Spezialfrachter zu bescheren. 2001 hob die reaktivierte An-225 schließlich wieder ab und ist seitdem auf der ganzen Welt gefragt, wenn es um den Transport besonders sperriger und schwerer Güter geht.

Wie ihre kleinere Schwester, die An-124, kann die An-225 dank des absenkbaren Bugfahrwerks bequem per Rampe be- und entladen werden. Allerdings besitzt sie im Gegensetz zur An-124 keine Lademöglichkeit am Heck.

Die Antonow 225 hält aktuell 240 Weltrekorde. Dazu zählen der Rekord für die schwerste jemals in einem Flugzeug transportierte Fracht (247 Tonnen Ölpipeline-Ausrüstung von Prag nach Taschkent am 16. Juni 2004) sowie das schwerste jemals geflogene Einzel-Frachtstück (ein 190 Tonnen schwerer Gaskraftwerk-Generator, am 11. August 2009 von Hahn nach Armenien geflogen). Es finden sich aber auch kurios anmutende Rekorde darunter – beispielsweise die höchstgelegene Kunstausstellung aller Zeiten, bei der der Frachtraum der An-225 am 27. September 2012 kurzerhand zur Kunsthalle umfunktioniert wurde. 120 Künstler präsentierten insgesamt 500 Gemälde, und zwar auf einer Höhe von 10150 Meter.

Die An-225 ist ein Einzelstück. Eine zweite, halbfertige An-225 blieb bis heute unvollendet. Beide Exemplare haben ihr Zuhause auf dem Firmenflughafen von Antonow in Kiew-Gostomel.

Technische Daten:
Antrieb: 6 x Iwtschenko Progress D-18T
Spannweite: 88,40 m
Länge: 84 m
Höhe: 18,20 m
Flügelfläche: 905 m²
Leermasse: 285.000 kg
Maximale Startmasse: 600.000 kg
Nutzlast: 250.000 kg
Reisegeschwindigkeit: 800 km/h
Reichweite: 4500 km (mit Nutzlast von 200.000 kg)

Platz 2: Hughes H-4 Spruce Goose

Spannweite 97,54 Meter

Die Hughes Spruce Goose vor Long Beach, Kalifornien. Foto: FR-Dokumentation

Ein Milliardärstraum ganz aus Holz: Das riesige Flugboot von Howard Hughes brach nicht nur zu dessen Lebzeiten alle Rekorde. Mit einer Spannweite von 97,54 Metern ist sie das zweitgrößte Flugzeug, das je gebaut wurde. Allerdings flog die Spruce Goose nur ein einziges Mal, und zwar am 2. November 1947. Um 13.40 Ortszeit erhob sich die Spruce Goose nach zwei schnellen Wasserfahrten vor Long Beach für etwa anderthalb Kilometer aus dem Wasser. Dabei erreichte sie eine Geschwindigkeit von knapp 160 km/h, kam aber nicht über eine Höhe von 20 Meter hinaus. Kritiker sprechen ihr deshalb die faktische Flugfähigkeit ab, weil sie bei ihrem Hüpfer vom Auftrieb des Bodeneffekts profitiert habe.

Dass die Spruce Goose aus Holz gebaut war, hatte ziemlich pragmatische Gründe: Denn als der exzentrische Unternehmer Howard Hughes und sein Kompagnon Henry John Kaiser ihre Pläne für ein Riesenflugnboot 1942 der US-Regierung vorstellten, willigte diese nur unter der Prämisse in den Bau ein, dass das Flugzeug nicht aus kriegswichtigen Materialien geferttigt werden dürfe. So blieb letztlich nur Holz als Baustoff, wobei Hughes und Kaiser maßgeblich laminiertes Birkensperrholz verwendeten, das mittels spezieller Verfahren in die gewünschte Form gepresst wurde.

Trotz ihres Leichtigkeit ausstrahlenden Aluminiumlacks wog die Spruce Goose voll beladen 180 Tonnen – für die acht Pratt & Whitney-Sternmotoren vom Typ R-4360 war das auch bei je 3.040 PS aus 28 Zylindern eine schwere Last. Der kurze Hüpfer vor Long Beach am 2. November 1947, bei dem Howard Hughes persönlich am Steuer saß, blieb denn auch der einzige Versuch, das Riesenflugzeug in die Luft zu bringen. Stattdessen wurde es in einem klimatisierten Hangar eingemottet. Allerdings hatte Hughes die Order ausgegeben, die Spruce Goose dauerhaft in einem flugfähigen Zustand zu halten. Zu diesem Zweck warf man in regelmäßigen Abständen die Motoren an. Erst als Hughes 1976 starb, stellte man auch diese Bemühungen ein. Die H-4 Spruce Goose steht heute im Evergreen Aviation & Space Museum in McMinnville, Oregon.

Technische Daten:
Antrieb: 8 x Pratt & Whitney R-4360
Spannweite: 97,54 m
Länge: 66,50 m
Höhe: 24,18 m
Flügelfläche: 1059 m²
Startmasse: 180.000 kg
Nutzlast: 68.947 kg
Reisegeschwindigkeit: ca. 400 km/h
Reichweite: 9451 km


Platz 1: Scaled Composites Stratolaunch Carrier Aircraft

Spannweite 117 Meter

Stratolaunch besteht aus zwei Rümpfen und besitzt sechs Triebwerke. Foto: Scaled Composites

Mehr als 70 Jahre lang stand die Spruce Goose ganz oben auf der Liste der größten Flugzeuge aller Zeiten – doch mit dem Erscheinen des Trägerflugzeugs Stratolaunch wurde sie endgültig vom Thron gestoßen. Das vom US-Unternehmen  Stratolaunch Systems entwickelte und bei Scaled Composites in Mojave (Kalifornien) gebaute Doppelrumpfflugzeug soll als Träger für bemannte Raketenstarts ins All dienen – und damit Satellitenstarts deutlich günstiger ermöglichen als bisher.

Um diesen kühnen Plan Wirklichkeit werden zu lassen, schlachtete Stratolaunch Systems zwei Boeing 747-400 aus: Triebwerke, Cockpit, Fahrwerk, Hydraulik und Elektrik stammen aus den beiden Jumbojets. Die Zelle des Megaflugzeugs besteht aus Verbundwerkstoffen. Die beiden Rümpfe sind über ein Tragflächenmittelstück miteinander verbunden. Gesteuert wird Stratolaunch vom rechten Rumpf aus.

Das 73 Meter lange Doppelrumpf-Flugzeug wird von sechs PW4056 angetrieben, besitzt eine Startmasse von 589.670 kg und soll Nutzlasten bis zu 226,8 Tonnen Masse auf ihre Abwurfhöhe für einen Raketenstart ins All befördern. Die späteren Abwurfeinsätze von Stratolaunch sollen jeweils bis zu zehn Stunden dauern. Die Einsatzreichweite liegt bei 1852 Kilometern. Einmal im regulären Dienst, soll das Flugzeug zwölf oder mehr Abwürfe im Jahr schaffen. Ob es tatsächlich einmal dazu kommen wird, ist jedoch fraglich: Nach dem erfolgreichen Erstflug des vom Hersteller als Model 351 bezeichneten Riesen wurde es still um Stratolaunch. Nach letzten Meldungen steht das Flugzeug zum Verkauf – weiteres Schicksal ungewiss.

Technische Daten:
Antrieb: 6 x Pratt & Whitney PW4056
Spannweite: 117 m
Länge: 73 m
Höhe: 15 m
Leermasse: 226,796 kg
Maximale Startmasse: 589,670 kg
Höchstgeschwindigkeit: 853 km/h
Reichweite: 1852 km mit Außenlasten (ohne bis zu 4630 km)

Stratolaunch Erstflug in Mojave
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