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Unfertige Schwester: Dmytro Antonow setzt auf die zweite An-225 "Mrija"

Die unfertige Schwester Dmytro Antonow setzt auf die zweite An-225 „Mrija“

Die An-225 "Mrija" war das fliegende Aushängeschild der Ukraine. Antonow will das zerstörte Flugzeug auferstehen lassen, doch das scheint unmöglich. Dafür rückt die unfertige Zelle der zweiten "Mrija" in den Fokus – auch wenn ihre Vollendung wirtschaftlich sinnlos ist.

Dmytro Antonow hat den Verlust noch nicht verwunden. Verständlich: 1.500 Stunden seines Lebens hat der Antonow-Werkspilot im Cockpit der An-225 "Mrija" verbracht. Doch von diesem Cockpit ist nach den Kämpfen um den Flughafen Kiew-Hostomel, wo die "Mirja" ihr Zuhause hatte, nichts mehr übrig. "Schrecklich" sei der Anblick gewesen, der sich ihm bei seinem Besuch in Hostomel kurz nach dem Abzug der russischen Truppen bot. Aber er habe es unbedingt mit eigenen Augen sehen wollen, so der Pilot jüngst in einem Interview mit dem Sender "Voice of America". Sonst hätte er es nicht geglaubt.

Die Bilder des zerstörten Riesenflugzeugs gingen im März um die Welt, und auch wenn Hersteller Antonow trotzig davon spricht, man werde die "Mrija" wieder aufbauen, so scheint dieses Bestreben angesichts des verschmorten, durchlöcherten Blechhaufens, zu dem der Sechsstrahler mutiert ist, wenig realistisch. Das sieht auch Dmytro Antonow so, der übrigens nur zufällig denselben Namen trägt wie sein Arbeitgeber. Es sei praktisch nichts vorhanden, das sich wiederverwenden ließe, konstatiert Antonow gegenüber "Voice of America". Ein Wiederaufbau des 33 Jahre alten Flugzeugs sei ausgeschlossen.

Hoffnung auf die Schwester

Dennoch hegt das Antonow-Urgestein Hoffnung, eines Tages doch wieder im Cockpit einer An-225 zu sitzen. Diese Hoffnung speist sich aus dem Fakt, dass im Antonow-Hauptwerk Kiew-Swjatoschyn noch eine zweite "Mrija" existiert, die jedoch nie vollendet wurde und deren Bau seit 1994 stillsteht. Etwa 70 Prozent der Zelle sollen fertiggestellt sein, wie der damalige Antonow-Chef Oleksandr Donets bereits im Mai 2020 öffentlich erklärte. Während der Rumpf offen – und immerhin auf eigenen Rädern – in der Werkshalle herumsteht, sollen Tragflächen, Leitwerk und weitere Komponenten separat in Swjatoschyn lagern. Bestrebungen, die zweite "Mrija" zu vollenden, gab es in der Vergangenheit immer wieder, doch stets scheiterte das Projekt an mangelnder Finanzierung – und am kalkulierten Kosten-Nutzen-Faktor.

Ukrainische Nationalpolizei
Das Wrack der zerstörten An-225 wieder zu einem fliegenden Flugzeug aufzubauen, hält nicht nur Dmytro Antonow für utopisch.

Hohe Kosten, wenig Nutzen

Denn die Kosten für die Fertigstellung der zweiten An-225 schätzten Experten schon vor rund zwei Jahren auf mindestens eine Milliarde US-Dollar. Ex-Firmenchef Donets deklarierte das Unterfangen damals als"wirtschaftlich schlicht nicht vertretbar." Schließlich müsse das Flugzeug trotz aller vorhandener Komponenten weitgehend neu konstruiert werden, damit es den heutigen sowie künftigen Anforderungen entspreche. Dazu zählten auch moderne Avionik und neue Triebwerke, so Donets. Die damit verbundenen Kosten könne der Frachter im laufenden Betrieb niemals wieder einfliegen, zumal sein Einsatzgebiet aufgrund der enormen Größe und der damit verbundenen Anforderungen an die Infrastruktur der Flughäfen traditionell beschränkt sei. Einzig als Trägerplattform für Weltraumprogramme sah Donets eine sinnvolle Verwendung.

Antonow
Die Struktur der zweiten An-225 soll zu rund 70 Prozent vorhanden sein. Dem Rumpf fehlt noch das Ladetor.

Wirtschaftlich sinnlos, aber...

Diese grundlegende Problematik besteht nach wie vor, auch wenn sich die Gemengelage durch den Krieg und den Verlust der einzigen fliegenden An-225 verändert hat. Dmytro Antonow betrachtet die Frage nach der Wirtschaftlichkeit nicht weniger nüchtern. Natürlich könne die neue "Mrija", wenn sie einst abhöbe, niemals wirklich profitabel sein. "Es gibt kein Großprojekt, durch das sich die Kosten amortisieren könnten", stellt er klar. Er denke deshalb nicht, dass die Wiederbelebung der An-225 aus kommerziellen Gründen erfolgen solle. Vielmehr sieht er in dem Vorhaben vor allem eine symbolische Komponente – und die ist für ihn mindestens von genauso großer Bedeutung: "Die neue Mrija wird als Symbol geschaffen werden – nicht nur für die Ukraine, sondern für die ganze Welt. Ein Symbol des Sieges." Was der Neubau letzten Ende kosten würde, weiß auch Antonow nicht. Niemand habe bislang eine seriöse Schätzung abgegeben, macht er klar. Technisch aber sei es auf jeden Fall möglich, die zweite "Mrija" zu vollenden: "Wir haben die Struktur, wir haben das Metall. Was wir noch brauchen, sind die Elektronik und all die anderen Einbauten."

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