Diese Tupolew war über drei Jahre in der Wartung Screenshot Youtube
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Drei Jahre in der Werft: Cubana erhält eine Tu-204 zurück

Tu-204 von Cubana Diese Tupolew war über drei Jahre in der Wartung

Auf der Karibikinsel Kuba ist derzeit so ziemlich alles Mangelware. Erst recht gilt das für Flugzeuge. Die staatliche Airline Cubana dürfte immerhin bald eine Tupolew Tu-204 zurückerhalten. Sie war 2019 zum D-Check nach Uljanowsk geflogen. Jetzt strahlt sie wie neu.

Frisch lackiert und wie aus dem Ei gepellt, so zeigte sich die CU-T1702 im August bei ihrem Roll-out in Uljanowsk. Dort war die Tu-204 des kubanischen Flag Carriers Cubana im Sommer 2019 zum D-Check in der Werft von Spektr-Avia Technics verschwunden – und seither nicht wieder aufgetaucht. Das Aushallen, von einem Youtuber auf Video verewigt, war der erste halbwegs öffentliche Auftritt der Maschine, seitdem sie im Juli vor drei Jahren aus Havanna über Gander (Neufundland) und Shannon (Irland) nach Uljanowsk kam. Nachdem sie sich standesgemäß von einem gelben K-700-Radschlepper aus der Werft schieben ließ, wird die Tupolew im Laufe der nächsten Wochen wohl zu ihrem zweiten Erstflug aufsteigen – und sich anschließend auf den Rückweg nach Havanna machen.

(Fast) nichts fliegt mehr

Am Hauptsitz von Cubana dürfte man diesem Ereignis entgegenfiebern – leidet die Airline doch an einem akuten Mangel einsatzklarer Flugzeuge. Zwei Iljuschin Il-96-300 befinden sich zurzeit ebenfalls in Russland zur Wartung. Die Teilflotte von fünf Antonow An-158 ist mangels Ersatzteilen bereits seit Jahren stillgelegt. Ob von den uralten Antonow An-24-Turboprops noch welche fliegen, ist unklar. Offiziell stehen Cubana momentan nur zwei betagte ATR-72 für den Inlandsverkehr zur Verfügung. Internationale Verbindungen müssen die Kubaner notdürftig mithilfe geleaster Maschinen abwickeln. Viele einstige Verbindungen, unter anderem die nach Madrid, sind gar komplett ausgesetzt.

Pjotre (GFDL 1.2)
Tristes Flugzeugleben unter der karibischen Sonne: Die CU-T1702 stand jahrelang untätig in Havanna herum.

Comeback in Lateinamerika?

Nach Madrid wird Cubana mit der Tu-204 nicht fliegen können – der Zweistrahler besitzt nur eine Reichweite von 4.300 Kilometern. Jedoch könnte das Muster zum Beispiel für Flüge nach Lateinamerika zum Zuge kommen. Ziele wie Bogotá, Caracas, Cancún oder Mexico City bediente Cubana zumindest früher mit der Tu-204.

Dmitriy Pichugin (GFDL 1.2)
Mit der Tu-204 flog Cubana ab 2007 zu Zielen in Lateinamerika, unter anderem nach Mexico City und Cancún.

Traurige Vergangenheit

Die jetzt runderneuerte CU-T1702 war nach Angaben der Datenbank russianplanes.net im Jahr 2007 im Flugzeugwerk Aviastar-SP in Uljanowsk fertiggestellt und werksneu an Cubana überstellt worden. Eigentümer ist die russische Leasinggesellschaft Ilyushin Finance (IFC). Cubana beschaffte insgesamt vier Tu-204 – zwei Passagierjets, zwei Frachter. Geflogen sind alle vier schon Jahre nicht mehr. Die CU-T1702 stand sich seit 2017 an ihrem Heimatflughafen José Martí in Havanna das Fahrwerk in den Bauch. Das Portal Transponder1200 berichtet, dass Cubana seinerzeit gar Teile aus dem Flugzeug entnahm, um damit den Betrieb der Il-96 aufrechtzuerhalten. Erst nachdem Russland offiziell zugesagt habe, die Kubaner bei der Reaktivierung russischer Jets zu unterstützen, habe sich die Tu-204 am 1. Juli 2019 auf den Weg nach Uljanowsk gemacht. Beim ersten Versuch sei die CU-T1702 jedoch nahe der Bahamas von einem Ausfall der Navigationssysteme ausgebremst worden und notgedrungen nach Havanna zurückgekehrt. Erst im zweiten Anlauf glückte die Überführung.

Tony Hisgett (CC BY-SA 2.0)
Insgesamt besitzt Cubana vier Tu-204. Ob auch die anderen drei reaktiviert werden, ist unklar.

Lange Wartezeit

Ob allerdings für den D-Check von Beginn an mehr als drei Jahre Zeit einkalkuliert waren, ist eher zweifelhaft. Zwar gilt der D-Check, der etwa alle zwölf Jahre stattfindet und bei dem ein Airliner komplett entkernt wird, als umfangreichste und teuerste Überholung im Leben eines Flugzeugs. Lufthansa Technik veranschlagt für ein Standardrumpfflugzeug nach eigenen Angaben eine niedrige fünfstellige Anzahl von Arbeitsstunden. Dennoch nimmt ein D-Check im Normalfall weniger als zwei Monate in Anspruch.

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