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Große Business-Jets

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Die großen Business-Jets waren immer eine Bank: Sie schienen resistent gegen jede Krise und glänzten mit guten Verkäufen. Nun gibt es jedoch Anzeichen dafür, dass auch die Ultralangstreckler nicht komplett immun sind.

Große Business-Jets

Einen „signifikanten Fortschritt“ im Global-7000- und -8000-Programm meldete Bombardier Business Aircraft Mitte September. In Montreal wurden am ersten Flight Test Vehicle (FTV1) des Global 7000 die Triebwerke installiert, nachdem alle anderen strukturellen Komponenten des Flugzeugs in der Endmontage zusammengesetzt worden waren. „Wir sind begeistert über den bedeutenden Fortschritt, den wir mit unseren Global-7000-Testflugzeugen machen“, sagte denn auch David Coleal, der Präsident von Bombardier Business Aircraft.

Meilensteine erreicht, Probleme bleiben

Die Falcon 8X ist der bisher größte Business-Jet von Dassault Aviation aus Frankreich. Foto und Copyright: Dassault Aviation

Die nun erreichten Meilensteine im Programm täuschen jedoch nicht darüber hinweg, dass es nicht gerade rundläuft bei den Topmodellen des kanadischen Konzerns. Erst im Juli dieses Jahres hatte das Unternehmen angekündigt, dass die Auslieferungen des Global 7000 und 8000 um zwei Jahre verschoben werden. Außerdem gab es bei den derzeit in Produktion stehenden Mustern Global 5000 und Global 6000 einen Rückgang der Nachfrage, sodass die Serienfertigung heruntergefahren wurde und 1750 Mitarbeiter ihren Job verloren.

Nach Ansicht des Business-Aviation-Analysten Brian Foley aus Sparta im US-Bundesstaat New Jersey sind diese Entwicklungen Anzeichen einer Trendwende in der Branche. „Der Markt für diese interkontinentalen Flugzeuge mit einem Kaufpreis von 35 bis 75 Millionen Dollar war so gut wie nicht von der Finanzkrise ab 2009 betroffen. Die Verkäufe von kleineren und bescheideneren Jets brachen dagegen aufgrund der Krise um bis zu zwei Drittel ein, und die Hersteller mussten in der Folge ihren Mitarbeiterstamm halbieren. Diese gegenläufige Entwicklung zwischen Groß und Klein zeigt objektiv Zeichen eines Wechsels, ja sogar einer kompletten Umkehrung des Trends.“ 

Foley zieht zur Beweisführung seiner These die aktuellen Zahlen des Branchenverbands GAMA (General Aviation Manufacturers Association) heran, die  zeigen, dass die Auslieferungszahlen von Business-Jets 2014 im Vergleich zu 2013 zwar um 6,5 Prozent gestiegen sind, dass die Treiber dieser Entwicklung aber ausschließlich die kleinen und mittleren Muster sind. In diesem Marktsegment stiegen die Auslieferungen um 11,8 Prozent, während sie bei den großen und sehr großen Jets sogar um 2,8 Prozent zurückgingen.

Absatzrückgang im ersten Halbjahr 2015

Gulfstream ist im Segment der Ultralangstrecken-Flugzeuge sehr gut vertreten. Foto und Copyright: Gulfstream

Im ersten Halbjahr 2015 hat sich dieser Trend fortgesetzt. Von den kleinen und mittleren Jets wurden in den ersten sechs Monaten dieses Jahres 3,4 Prozent mehr Exemplare an Kunden übergeben als im Vorjahreszeitraum. Bei den großen Jets hingegen sank die Zahl der ausgelieferten Flugzeuge um 12,7 Prozent. Nach Angaben von Brian Foley hat Dassault Aviation – die keine kleinen und mittleren Jets in ihrem Portfolio haben – im ersten Halbjahr netto lediglich fünf Neuflugzeuge verkaufen können, da ein Großauftrag in diesem Zeitraum storniert worden ist. 

Neben Nordamerika, dem traditionellen Topmarkt für interkontinentale Jets, kam die Nachfrage in der Zeit der globalen Finanzkrise vor allem von russischen und chinesischen Käufern. Sie haben allein aus geografischen Gründen einen Bedarf an Flugzeugen mit einer großen Reichweite. Allerdings spielt auch die Mentalität der Käufer durchaus eine Rolle. In den genannten Ländern ist Bescheidenheit nicht gefragt, wenn es um Business-Jets geht. Je größer, umso besser, lautete das Motto vieler Käufer. In den osteuropäischen und einigen asiatischen Ländern war und ist es für ein erfolgreiches Unternehmen oder einen erfolgreichen Unternehmer wichtig, zu zeigen, dass man sich ein solches Geschäftswerkzeug leisten kann. 

Aufgrund schwacher Nachfrage hat Bombardier die Produktion der Global-Jet-Familie reduziert. Foto und Copyright: Bombardier

Die Sanktionen gegen Russland nach der Annexion der Krim sowie die spürbar nachlassende Dynamik in der chinesischen Wirtschaft haben jedoch den Absatz von großen Flugzeugen in diesen wichtigen Märkten empfindlich getroffen. Eine schnelle Erholung ist nicht zu erwarten.

Da auch Mineralölkonzerne zu den Stammkunden für große Jets gehören, sorgt der niedrige Ölpreis dafür, dass diese Branche derzeit nur sehr zurückhaltend in neue Jets investiert, was die Situation zusätzlich verschärft.

Foley erwartet trotzdem, dass in diesem Jahr die Zahl der ausgelieferten Business-Jets mindestens das Vorjahresniveau erreicht. Allerdings geht er davon aus, dass der Gesamtwert der ausgelieferten Neuflugzeuge zurückgeht, da sich der Mix der Flugzeuge zugunsten der kleineren und mittleren – und damit preisgünstigeren – Jets ändert.

FLUG REVUE Ausgabe 11/2015

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