in Kooperation mit
Patrick Zwerger
11 Bilder

Die Jak-42 verabschiedet sich aus dem Liniendienst

Abschied vom Liniendienst Die letzten Jak-42 sagen „Do swidanja“

Als letzte Fluglinie setzt die russische Izhavia noch die Jak-42 auf Linienflügen ein. Die kompakten Dreistrahler leisten der Airline seit Jahren treue Dienste. Nun naht ihr Abschied aus dem Linienbetrieb – auch wenn Izhavia noch nicht ganz auf sie verzichten will.

Wer bislang von Moskau nach Osten ins 1.200 Kilometer entfernte Ischwesk fliegen wollte, konnte endweder bei Aeroflot einsteigen – oder das Ticket für eine kleine Zeitreise buchen. Dann nämlich, wenn er (oder sie) sich für einen Flug mit Izhavia entschied. Die kleine Airline mit Sitz in Ischewsk, 1995 aus dem örtlichen Aeroflot-Ableger enstanden, bedient die Strecke zweimal täglich – und setzt dafür seit Jahren ausschließlich die Jakowlew Jak-42 ein.

Patrick Zwerger
Die Jak-42 wird von drei D-36-Turbofans aus dem Hause Lotarew angetrieben. Die Triebwerke besitzen keine Schubumkehr, ersetzen zumindest in Reihe 19 jedoch das (nicht vorhandene) Bord-Entertainment.

Die letzten ihrer Art

Dieser dreistrahlige Vertreter sowjetischer Flugzeugbaukunst ist schon von Haus aus eine Rarität: Nur 183 Jak-42 wurden überhaupt gebaut. Der größte Teil davon waren Exemplare der verbesserten Version Jak-42D, ausgestattet mit Lotarew D-36-Turbofans und Dreimann-Cockpit, gut für 4.000 Kilometer Reichweite und mit Platz für 104 bis 120 Passagiere. Von dieser Jak-42-Variante, bei der NATO hieß sie "Clobber", besitzt auch Izhavia noch eine gute Handvoll. Als letzte Airline weltweit setzt sie das Muster bis heute regulär im Liniendienst ein.

Ersatz durch 737

Doch damit ist bald Schluss, denn demnächst wird auch Izhavia die altbewährte Jak durch modernere Jets aus dem Westen ersetzen. Anfang 2021, so heißt es, sollen die Dreistrahler auf Linienflügen von der Boeing 737-800 abgelöst werden. Zwar bleiben sie vorerst trotzdem in der Flotte, sollen von da an aber nur noch sporadisch zum Zug kommen – etwa für Chartereinsätze sowie als Reserve für alle Fälle.

Anna Zvereva (CC BY-SA 2.0)
Die 30-jährige RA-42380 war im Dezember bisher die einzige Jak-42, die Izhavia einsetzte. Sie flog früher für Tatarstan Airlines.

Kaum noch Sowjet-Airliner

Für Izhavia beginnt mit dem Wechsel auf die 737 eine neue Ära – ist der Boeing-Bestseller doch das erste westliche Muster in der 25-jährigen Geschichte der Fluggesellschaft. Flugzeugfans und Freunden sowjetischer Jet-Airliner dagegen blutet das Herz, verschwindet mit der Jak-42 doch nach den Tupolew-Mustern Tu-134 und Tu-154 ein weiteres Charakterflugzeug "made in USSR" von der Bildfläche. So bleibt als letzter Vertreter dieser Zunft einzig die kleine Jak-40 im Liniendienst – etwa bei Vologda Air Enterprise aus der gleichnamigen Stadt. Nicht nur die Flight Crews der Izhavia dürften ihrer alten "Clobber" deshalb so manche Träne nachweinen.