Am Mukanka Airport der angolanischen Stadt Lubango hält sich das Verkehrsaufkommen in Grenzen. Gerade mal zwei bis drei Linienflüge landen hier täglich aus der 700 km entfernt liegenden Hauptstadt Luanda. Selbst für Taxis lohnt es sich kaum auf Kunden zu warten. Weshalb ankommende Passagiere unter den Privatchauffeuren einen heftigen Kampf um die wenigen Fahrgästen auslösen. Deshalb werden sie von der Polizei auf Abstand gehalten. Immerhin bewegen sich deren Preisvorstellungen in dreifacher Höhe normaler Fahrtkosten. Ein übliches Geschehen vor dem futuristischen Flughafengebäude, welches äußerlich einem gestrandeten Raumschiff gleicht. Vor sechszehn Jahren wurde es feierlich eröffnet, rechtzeitig zum afrikanischen Fußballcup 2010, der damals in Angola stattfand. Gleich daneben brilliert der klassizistische Altbau und versprüht noch immer den morbiden Charme portugiesischer Kolonialarchitektur. Zumindest haben die Europäer dem Airport eine solide Runway 10/28 mit großzügigen 3.150 m Länge hinterlassen.

Das heutige Terminal des Flughafens Lubango wurde 2010 eröffnet.
MAF Angola in Lubango
Was für den Linienbetrieb gilt, scheint auch für die hier ansässige MAF Angola zu gelten. Drei Flugzeuge sind vor Ort stationiert, doch um dessen Hangar gibt es wenig Aktivitäten. Die Mission Aviation Fellowship betreibt weltweit über hundert Kleinflugzeuge in dreißig Ländern, zwecks der logistischen Unterstützung vieler humanitärer Hilfsorganisationen. Allerdings scheint ihre kleine Basis in Angola zu den recht ruhigeren Standorten zu gehören. Die Erklärung dafür ist einfach. Um den globalen Betrieb aufrecht zu erhalten benötigt MAF etwa hundert Millionen Dollar pro Jahr. Als internationale, christliche Organisation sind lediglich zwei Drittel davon durch Spenden und Kirchenzuschüsse gedeckt. Ein Drittel der Kosten müssen über kommerzielle Aufträge reingeholt werden. In Angola hat man dafür, im Gegensatz zu anderen Staaten, keine Genehmigung. Der bürokratische Aufwand eine solche Lizenz zu erhalten, wäre zu groß erklärt mir Marcel Boers bei einem Rundgang. Er stände in keiner Relation zum Aufgabenspektrum, welches wir hier vor Ort abdecken. Dabei handelt es sich in erster Linie um medizinische Notfälle, Personaltransporte für andere nichtstaatliche Organisationen, sowie um die Verteilung von Hilfsgütern in sehr abgelegene Landesregionen. Der Kanadier Marcel ist als Flugingenieur für die gesamte Technik der Flotte verantwortlich.

Mit der 1985 gebauten Cessna 208 D2-WOH nahm MAF Angola 1989 mitten im Bürgerkrieg den Flugbetrieb auf.
Hilfe im Bürgerkrieg
Warum aber betreibt MAF Canada ihr einziges Projekt ausgerechnet in Angola? Dafür gibt es eine logische Begründung. Nach der überstürzten Unabhängigkeit von Portugal 1975 im Zuge der sogenannten Nelkenrevolution tobte bis 2002 ein erbitterter Bürgerkrieg um das plötzlich entstandene Machtvakuum. Die beiden rivalisierenden Befreiungsorganisationen MPLA und UNITA lieferten sich einen Kampf um die Herrschaft im rohstoffreichen Angola. Während kommunistische MPLA mit Hilfe des Ostblockes die Regierung übernahm, erhielt UNITA Unterstützung aus dem Westen. Neben der Suche nach Diamanten geht es auch um die Ausbeutung der riesigen Erdölvorkommen durch internationale Konzerne vor der Küste. Zwischenzeitlich war Angola von 2016 bis 2017 sogar der größte Erdöllieferant in Afrika. Weil die UNITA von den Vereinigten Staaten mit Waffen versorgt wurde, kam bei Gründung von MAF Angola 1989 eine Mitwirkung von MAF USA nicht in Betracht. Deshalb sprang die kanadische Schwesterorganisation kurzerhand ein, um humanitäre Einsätze durchzuführen.

MAF Angola fliegt von Lubango aus in Regionen, die auf dem Landweg nur schwer erreichbar sind.
Angola öffnet sich
Tourismus soll für Angola zukünftig eine wichtige Einnahmequelle bilden. Denn im Schatten des Rohstoffbooms spielte er bisher keine Rolle. Doch nach Abschaffung der komplizierten Visavorschriften wurde die Einreise 2023 deutlich erleichtert. Über Luanda, der ehemals teuersten Stadt der Welt, thront die 1576 gebaute Festung Fortaleza de Sao Miguel. Darunter erstreckt sich die Promenade Avenida 4 de Fevereiro vor imposanter Wolkenkratzer Skyline. Selbst Lubango punktet mit dem Naturwunder Tunda Vala Valley und luxuriösem Iu Hotel.

Seit 2022 steht die Cessna 208B Grand Caravan EX D2-WOL bei MAF Angola im Einsatz.
Eine neue Caravan
Das Motto von MAF Angola lautet schlicht Wings of Hope, auf deutsch Flügel der Hoffnung. Im Erscheinungsbild des Unternehmens ist der Slogan als zentraler Auftrag überall sichtbar. Er versteckt sich nicht nur im Kennzeichen D2-WOH der einzigen Cessna 208 Caravan, sondern prangt auch als Schriftzug am Rumpf. Bei Flugzeugen von MAF eine Ausnahme. Mit dieser 1985 gebauten Maschine erfolgte 1989 der Betriebsbeginn von MAF Angola. Nach 17 000 Flügen und 33 unfallfreien Einsatzjahren zählte sie zum ältesten Exemplar der rund vierzig Cessna Caravan umfassenden MAF Flotte rund um den Globus. Kein schlechter Zeitpunkt sich nach drei Jahrzehnten von anspruchsvoller Missionsfliegerei zu verabschieden. Daher wurde sie im Februar 2022 durch eine fabrikneue Cessna 208B Grand Caravan EX abgelöst. Für den 14 500 km langen Auslieferungsflug von Wichita bis nach Lubango mit sieben Zwischenstopps war der Einbau von Zusatztanks erforderlich. Bei einem Listenpreis von fast drei Millionen Dollar zählt sie jetzt zu den modernsten Flugzeugmustern von MAF. Als passende Registrierung fungiert nun D2-WOL, das Kürzel für das Motto Wings Of Love. Eine hoffnungsvolle Botschaft für vier Millionen Angolaner, ein Zehntel der Bevölkerung, welche in entlegenen Landesteilen keinen Zugang zu medizinischer Versorgung haben.
Heute stand ein Flug mit der als D2-JTA registrierten Cessna 182 SMA auf dem Programm. Nachmittags kehrte mit ihr der holländische Pilot Marijn Goud von einem Dreieckskurs aus den Orten Namibe und Tchincompe zurück. Wie das im Hangar geparkte Schwestermodell D2-ADK hat sie eine komplette Triebwerksmodifikation hinter sich. Diese umfasste den Austausch des mit Avgas betriebenen Lycoming O-470 gegen den SMA Dieselmotor SR305. Das Kennzeichen ist übrigens eine Anspielung auf das günstigere und leichter erhältliche Kerosin Jet A-1. Saugmotor wie Turbodiesel weisen die gleiche Leistung von 230 PS auf, doch in heißen Regionen ist der Turbolader vorteilhafter versichert mir Mechaniker Basilio.

Bis zu rund eine Tonne Nahrungsmittel nimmt die Caravan auf Versorgungsflügen in den Südosten Angolas mit.
Eine Tonne Hilfsgüter an Bord
Manchmal vollbringt Pilot Marijn mit der Cessna Caravan eine logistische Meisterleistung. Aufgrund des Klimawandels und langanhaltender Dürren brechen im äußersten Südosten Angolas immer wieder Hungersnöte aus. In der betroffenen Provinz Cuando Cubango, etwa so groß wie Bayern, existieren keine asphaltierten Straßen. Deshalb türmen sich dann im kleinen Hangar zahllose Säcke voller Nahrungsmittel. Rund eine Tonne passen in die Maschine bevor der Start in die über 1300 km entfernte Krisenregion los geht. Etwa vier Stunden ist Lebensretter Marijn allein zu den entlegenen Zielorten Luiana und Licua unterwegs. Auf halber Strecke unterbrochen durch einen kurzen Stop im Provinznest Menongue, der einzigen Möglichkeit um im kargem Niemandsland auftanken zu können. Während des langen Fluges bleibt genügend Zeit ein paar Vokabeln in der Lokalsprache zu lernen, damit nach dortiger Landung die Verständigung mit den Bodenhelfern besser klappt. Bei diesem Einsatz zahlt es sich aus, dass MAF Angola keine kommerzielle Lizenz besitzt. Sonst wären laut den Vorschriften der Luftfahrtbehörde für solche ultralange Strecken zwei Piloten erforderlich. Bei unserer sehr dünnen Personaldecke ein aussichtsloses Unterfangen versichert mir Marcel. Alle Mitarbeiter des kleinen Teams in Lubango sind sowieso schon mit viel Bürokratie und der Wartung von drei Maschinen voll ausgelastet. Immerhin feierte man 2019 dreißig Jahre Flugbetrieb mit einem Jubiläumssticker auf den Leitwerken der Flugzeuge.
Übrigens hat sich die ehemalige D2-WOH nicht endgültig in den Ruhestand verabschiedet. Als N124AF ist sie nun bei der privaten Firma Randigo für Luftvermessungsflüge unterwegs.
Kleine Flotte, große Wirkung
MAF Angola beförderte 2025 mit drei Maschinen 1839 Passagiere und 47 Tonnen Fracht. Rekorde stellt die Airline damit sicher nicht auf. Doch für die völlig isolierten Regionen im Landessüden ist der Flugdienst oft letzter Lebensretter, für Menschen die sonst keine Hilfe erreichen würde.





