in Kooperation mit
Hermeus

Mit dem Segen der Air Force

Startup will Mach 5 schnelle Air Force One bauen

Das US-Startup Hermeus arbeitet an einem Hyperschalljet, der mit Mach 5 in 90 Minuten von New York nach Paris fliegen soll. Der prototyp des Triebwerks wird bereits getestet. Jetzt hat das Projekt das Interesse der US Air Force geweckt.

Es wäre ein Dienstflugzeug, wie es sich Donald Trump ganz bestimmt wünschen würde. Doch selbst, wenn Hermeus tatsächlich eines Tages einen Jet mit fünffacher Schallgeschwindigkeit in die Luft bringt, und selbst, wenn Trump im November abermals zum Prässidenten der USA gewählt wird: erleben dürfte er den Erstflug des Mach 5-Jets nicht mehr. Zumindest nicht als Präsident. Stattdessen wird er sich bei seinen Reisen weiter mit der pomadigen Boeing 747 alias VC-25 abfinden müssen. Immerhin ab 2024 in der neuen Version 747-8I (VC-25B).

Nachfolger der VC-25B?

In einigen Jahren jedoch könnten künftige US-Präsidenten durchaus mit Mach 5 quer über den Globus reisen. Denn Hermeus, das Luftfahrt-Starup aus Atlanta, hat mit dem Presidential and Executive Airlift Directorate der US Air Force, das für die Flugzeuge des Präsidenten zuständig ist, einen Entwicklungsvertrag unterzeichnet. Der sieht vor, dass Hermeus von der Air Force finanziell gefördert wird – zunächst mit 1,5 Millionen US-Dollar. Man habe sich "zusammengetan, um auf Hyperschallreisen für das Verteidigungsministerium hinzuarbeiten", schreibt Hermeus in einer Pressemitteilung. Am Ende könnte ein Hyperschall-Präsidentenjet stehen, der eines eher fernen Tages die Nachfolge der Boeing 747-8 antritt.

Hermeus
Im März absolvierte Hermeus eine erste Testreihe mit einem verkleinerten Triebwerksprototypen. Geschwindigkeiten bis Mach 3,3 wurden dabei simuliert.

Erste Triebwerkstests waren erfolgreich

Bis dieses Szenario tatsächlich wahr werden kann, wird zweifellos noch viel Zeit ins Land ziehen. Ein bloßes Hirngespinst aber ist das Unterfangen nicht. Bereits im März hat Hermeus erfolgreich einen Prototypen seines Triebwerks getestet und damit einen wichtigen Grundstein für die Entwicklung eines (unbemannten) Testflugzeugs gelegt. Bei den Windkanalversuchen habe man einen Flug mit Mach 3,3 auf 65 000 Fuß Höhe (etwa 19 800 Meter) simuliert, schreibt das Portal Flight Global. Technisch setzt Hermeus dabei offenbar auf ein Turbojet-Triebwerk mit Vorkühlung. Ein Staustrahlantrieb (Ramjet) soll die hohen Geschwindigkeiten im Flug garantieren. Welches Triebwerk genau bei den Tests als Grundlage diente, teilte das Unternehmen nicht mit. Allerdings soll der spätere Serienantrieb deutlich größer ausfallen und bis zu zehn Mal mehr Schub liefern. Der dadurch angetriebene Airliner könnte 20 Passagieren Platz bieten und rund 7400 Kilometer weit fliegen. In etwa einem Jahrzehnt, so heißt es aus Atlanta, könnte das Flugzeug abheben.

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In etwa zehn Jahren möchte Hermeus seinen Hypersonic Airliner in die Luft bringen. Er soll 20 Passagieren Platz bieten und 7400 Kilometer weit fliegen.

Nutzung als Airliner hat Priorität

Das Interesse der Air Force an seinem Projekt möchte Hermeus-Chef AJ Piplica nach eigenem Bekunden noch nicht allzu hoch hängen. "Sie untersuchen, wie einige der nächsten Schritte in ihrer Flotte gegen Ende des Jahrzehnts und darüber hinaus aussehen könnten", so der Startup-Mitgründer. Bei der vertraglich geregelten Zusammenarbeit gehe es zunächst vor allem um die Vereinbarkeit von Hochgeschwindigkeitsflugzeugen mit bestehender Infrastruktur. Erste Priorität für sein Unternehmen bleibe der Nutzen des Flugzeugs als Airliner: "Wir wollen nicht zu sehr von dem kommerziellen Weg abweichen, auf dem wir uns befinden ", so Piplica. "Aber wir möchten sicherstellen, dass wir die Interessen aller möglicher Kunden berücksichtigen."