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Neue Flotte für Swiss

Helvetic Airways setzt auf Embraer

Die Schweizer Fluglinie Helvetic Airways ersetzt ihre Fokker 100 langfristig durch die Embraer E190. Ausschlaggebend war der Wetlease-Auftrag von Swiss aufgrund der verzögerten Auslieferung der Bombardier CSeries.

Des einen Freud ist des anderen Leid: Swiss International Air Lines wartet weiter auf die Auslieferung der Bombardier CSeries als Ersatz für die in die Jahre gekommenen Avro RJ100. Aufgrund der Verzögerung wäre eine teure C-Check-Instandsetzung der „Jumbolinos“ nötig gewesen. Schließlich setzten die Eidgenossen auf einen Ausbau der Zusammenarbeit mit der in Zürich beheimateten Helvetic Airways. Zusätzlich zu den vier bereits im Wetlease geflogenen Fokker 100 wird Helvetic vier Embraer 190 für Swiss betreiben. Damit ist ein wichtiger Entscheid für die Zukunft von Helvetic gefallen. „Wir sind seit mehreren Jahren dabei, ein Nachfolgeprodukt für die Fokker zu evaluieren. Helvetic Airways bleibt ganz klar im Flugzeugsegment um die 100 Sitze. Hier macht die Embraer-Familie am meisten Sinn“, sagt Tobias Pogorevc, Chief Financial Officer von Helvetic. Passenderweise wollte sich die zur airberlin-Gruppe gehörende NIKI von ihren sieben Embraer E190 trennen, um sie durch größere Airbus-Muster zu ersetzen. Obwohl Helvetic nur vier Jets brauchte, schlug man zu. „Auf dem Markt waren auch kleinere Pakete verfügbar, die aber verschiedenen Kabinen-konfigurationen entsprachen. Die sieben Embraers von NIKI besitzen einen einheitlichen Standard, was einen flexiblen Einsatz und Synergien verspricht“, erklärt der Finanzchef.

Das erste Exemplar der von AirFleet Capital geleasten Maschinen sollte noch im Dezember 2014 zur Flotte stoßen. Bis zum Sommer folgen dann die restlichen E190 im Monatsrhythmus. Die Besatzungen der ersten vier Embraers bestehen aus Swiss-Piloten und Helvetic-Kabinenpersonal. Anders wäre die rasche Indienststellung wohl nicht möglich gewesen. Die restlichen drei E190 will Helvetic mit eigenem Personal auf Charterstrecken vor allem ab Bern einsetzen und stellt entsprechende Mitarbeiter ein.

Fokker 100 fliegt zunächst weiter

Doch damit hat die Fokker 100 noch nicht ausgedient, obwohl 2015 ein Jet die Flotte verlässt. Vier Exemplare werden bis 2017 für Swiss fliegen, und eines wird weiter auf eigene Rechnung betrieben. Seit November 2011 führt der eigene Wartungsbetrieb in Zürich die Line Maintenance durch. „Die Fokker 100 ist nach wie vor ein sehr zuverlässiges Flugzeug. Wir erreichen eine sehr hohe Produktivität und sind, was die Fokker 100 betrifft – glaube ich –, weltweit die Nummer eins“, meint Pogorevc. Allerdings sind die Betriebskosten deutlich höher als die der Embraer E190. 

Die Zusammenarbeit mit Swiss begann im Jahr 2006 mit dem Wetlease-Betrieb einer Fokker 100 und wurde mehrfach ausgebaut und verlängert, zuletzt im September 2013 mit dem Betrieb der vier Fokker bis Frühjahr 2017. Helvetic Airways hatte als erster Low-Cost Carrier der Schweiz Ende 2003 den Betrieb aufgenommen. Die Übernahme durch die Patinex AG von Finanzunternehmer Martin Ebner wendete 2006 eine drohende Pleite ab. Trotzdem fiel später die Entscheidung, aus Kostengründen die eigenen Liniendienste ab Oktober 2008 nicht mehr durchzuführen. Knapp zwei Jahre später nahm die Airline diesen Bereich wieder in Angriff und erweiterte die Flotte um zwei Fokker 100. Derzeit beschäftigt Helvetic  235 Mitarbeiter und hat im letzten Geschäftsjahr, 2013/14, erstmals die Zahl von einer Million Passagieren erreicht. Jetzt muss die Fluglinie allerdings erst einmal das Wachstum verdauen. „Für uns ist ein guter Mix aus Wetlease, eigenen Linien und Charter ganz wichtig“, sagt Pogorevc. „Die Einführung neuer Flugzeuge und neuer Destinationen braucht ihre Zeit.“

FLUG REVUE Ausgabe 02/2015

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