Russisches "Baikal-Flugzeug" LMS-901 - Fortschrittsmeldung wirft Fragen auf

Russisches „Baikal-Flugzeug“ LMS-901
Offizielle Fortschrittsmeldung wirft Fragen auf

ArtikeldatumVeröffentlicht am 26.08.2026
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Die Vorbereitungen für die Zertifizierung des russischen Kleinflugzeugs "Baikal" (LMS-901) laufen nach Plan. Jedenfalls erklärte das der russische Industrie- und Handelsminister Anton Alichanow gegenüber Journalisten in Nischni Nowgorod.

Der Prototyp werde derzeit für statische Belastungstests am Zentralen Aero-Hydrodynamischen Institut (ZAGI) vorbereitet, so Alichanow. Parallel dazu werde ein weiteres Testmuster für anstehende Ermüdungstests zusammengebaut.

Der Hersteller UZGA halte sich an den festgelegten Zeitplan der Zertifizierungstests. Vorläufige Flugerprobungen hätten bereits im Frühjahr 2026 begonnen. Zudem liefen eigenständige Zertifizierungstests an speziellen Prüfständen, beispielsweise das Programm für bodengebundene Frequenztests.

Zulassung in diesem Jahr unwahrscheinlich

Wirklich positiv sind die Ankündigungen bei näherer Betrachtung nicht. Tatsächlich war im Februar die erste LMS-901 mit russischem Triebwerk, Prototyp 535, zu ihrem Erstflug aufgebrochen. Dabei verlief laut Hersteller alles nach Plan. In der Serienmaschine soll die heimische Entwicklung WK-800SM zum Einsatz kommen.

Aus den Aussagen von Alichanow lässt sich allerdings schließen, dass es noch keine Maschine gibt, die Lebensdauertests absolviert – die muss erst noch zusammengebaut werden. Auch ein weiteres Exemplar, das für die statischen Tests bestimmt ist, ist noch nicht testbereit.

Außerdem ist offen, ob die bereits vorhandene Maschine, die im Februar ihren Erstflug absolvierte, bereits in der zertifizierungsreifen Konfiguration geflogen ist.

Baikal-Projekt (Ural Works)

An dem Prototyp 535 ist einiges anders als an den Vorgängern. Unter anderem wurde das Hauptfahrwerk modernisiert und der Einstellwinkel der Tragfläche angepasst. Zudem wurde die Bugsektion der Pilotenkanzel überarbeitet. Ob es bei den Änderungen bleibt, ist unklar.

Noch in diesem Jahr sei mit der Zertifizierung zu rechnen, hieß es noch im Februar. Danach sieht es nun allerdings nicht mehr aus. Serienreife würde dann im kommenden Jahr erreicht werden. Auch das ist angesichts der noch fehlenden Testmaschinen eher unwahrscheinlich.

Zu teuer und zu spät

Die "Baikal" soll die legendäre Antonow An-2 im russischen Hinterland als Standardflugzeug ablösen, vor allem in Sibirien und im Fernen Osten. Das Projekt gilt als strategisch wichtig für die russische Regionalluftfahrt, verzögerte sich jedoch bereits mehrfach gegenüber ursprünglichen Zeitplänen.

Die Kosten pro Exemplar liegen inzwischen bei einer halben Milliarde Rubel, eigentlich sollte eine einzelne Maschine nur 120 Millionen Rubel kosten.

Vor einem Jahr steckte das Projekt gar in einer Sackgasse. Der Auftrieb der Tragfläche war offenbar falsch berechnet worden, sodass statt der ursprünglich geplanten 600 Meter nun 1.200 Meter Start- und Landebahn benötigt werden.

Mit den Änderungen an der Konstruktion sollten diese Probleme gelöst werden. Ob das so geklappt hat, wird sich wohl erst nach der offiziellen Zulassung zeigen, wenn der Hersteller die technischen Daten veröffentlicht.