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British Airways

Idee aus Großbritannien

A380 und Boeing 747 zu Intensivstationen!

Die Corona-Pandemie bringt die Gesundheitssysteme vieler Länder an ihre Grenzen – und oft auch darüber hinaus. Eine Gruppe britischer Experten hat deshalb einen Plan entwickelt: der sieht vor, gegroundete Großraum-Airliner als provisorische Krankenhäuser zu nutzen.

Die Idee klingt skurril, ist aber nicht so abwegig, wie man zunächst meinen könnte: Große Flugzeuge, die im Zuge der Corona-Pandemie derzeit nutzlos am Boden stehen, sollen bald schon im großen Stil zur Behandlung von Covid-19-Patienten herangezogen werden – zumindest, wenn es nach einer Gruppe britischer Medizin-, Technik- und Luftfahrtfachleuten geht. Auf diese Weise könne man allein in Großbritannien Hunderte, wenn nicht gar Tausende Intensiv-Pflegebetten für Erkrankte bereitstellen, argumentieren die Experten, und nennen ihre Idee "Project Caircraft". Die britische Behörde für Zivilluftfahrt CAA soll bereits ihren Segen gegeben haben – nun wendet sich die Gruppe an die Regierung mit dem Appell, den Plan schnell umzusetzen.

150 Intensivbetten in einer A380

Das Expertenteam, das von dem Chirurgen und Unternehmer Jonathan Sackier geleitet wird, hat vor allem Riesenjets wie den Airbus A380 und die Boeing 747 im Auge. Das schreibt die Tageszeitung "The Times". Beide Muster finden sich in der Flotte von Großbritanniens größter Fluglinie British Airways wieder, die den überwiegenden Teil ihrer Langstrecken-Airliner bis auf Weiteres stillgelegt hat. Nach entsprechendem Umbau könne jedes der gegroundeten Flugzeuge 100 bis 150 Intensivbetten beherbergen, rechnet der Luftfahrtanalyst Chris Tarry vor, der ebenfalls bei "Project Caircraft" mitwirkt. Die Modifikation der Airliner sei einfach und in wenigen Tagen zu stemmen, so Tarry weiter: Sitze entfernen, Intensivbetten mit den entsprechenden Geräten einbauen, Stromversorgung anzapfen – mehr sei nicht notwendig. Die Energie für den Betrieb der Caircraft-Intensivstationen soll mittels Bodenstrom erfolgen, den Sauerstoff für die Beatmungsgeräte wollen die Initiatoren des Projekts aus einem angrenzenden Tank mit Flüssigsauerstoff beziehen. Im militärischen Bereich hätten sich Intensivstationen in Flugzeugen bereits bewährt, unterstreichen die Experten. Tatsächlich lassen sich beispielsweise die Airbus A310 MRTT der Luftwaffe mit entsprechenden MedEvac-Rüstsätzen ausstatten und haben in dieser Konstellation auch schon Corona-Patienten transportiert.

A310 MRTT der Luftwaffe - Inentsivmedizin-Ausstattung
Luftwaffe
Als Vorbild nennen die Initiatoren von "Project Caircraft" das Militär: Die Airbus A310 MRTT der Flugbereitschaft können mit MedEvac-Rüstsatz bis zu 44 Patienten aufnehmen, sechs davon in Intensivbetten.

Auch Airports sollen einbezogen werden

Nach Ansicht der Gruppe eignen sich Flugzeuge vom Grundsatz her ideal als provisorische Intensivstationen, da man sie hermetisch abriegeln könne. Ihr Belüftungssystem ähnle jenem von Operationssälen und wirke der Ausbreitung von Keimen zuverlässig entgegen. Auch die Infrastruktur von Flughäfen ließe sich bestens in den Plan einbinden, heißt es seitens "Project Caircraft". So seien Airports nicht nur gut an das Verkehrsnetz angebunden und deswegen schnell erreichbar, sondern verfügten auch über umliegende Hotels, in denen man medizinisches Personal unterbringen könnte. Die Terminals ließen sich außerdem zu temporären Krankenstationen umrüsten, in denen Erkrankte mit weniger schweren Symptomen beobachtet werden könnten. Bei einer Verschlechterung ihres Zustands könne man sie von dort aus schnell ins Flugzeug verlegen.

Geht es nach den Project Caircraft-Initiatoren, sollen Covid-19-Patienten mit minderschweren Symptomen in Flughafenterminals behandelt und bei Verschlimmerung des Zustands ins Flugzeug verlegt werden.

Nicht nur in Großbritannien

Nach Angaben der Times hat "Project Caircraft" bereits Angebote zur Nutzung geparkter Flugzeuge erhalten, man warte jedoch noch auf grünes Licht von der Regierung. Geht es nach dem Willen der Ideengeber, soll die Initiative allerdings nicht auf Großbritannien beschränkt bleiben: Die Corona-Krise habe schließlich auch Auswirkungen auf ärmere Volkswirtschaften sowie auf Staaten, in denen es keine geregelte Gesundheitsversorgung gebe, so Jonathan Sackier. "Weniger entwickelte Länder verfügen nur über geringe Kapazitäten auf der Intensivstation und abgelegene Gebiete sind schlecht versorgt." Dennoch besitze ein Großteil dieser Länder zumindest eine gewisse Luftfahrt-Infrastruktur.