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Was geschieht mit der Unfall-Antonow von Nowosibirsk?

Ungewisses Schicksal Was geschieht mit der Unfall-Antonow von Nowosibirsk?

Im November 2020 flog der Crew einer Antonow An-124 kurz nach dem Start in Nowosibirsk ein Triebwerk um die Ohren. Es folgte eine Bruchlandung. Fast ein Jahr später steht die beschädigte Antonow immer noch in Nowosibirsk. Wird sie jemals wieder abheben?

In der Luftfahrt war es die Heldentat des Jahres: In 300 Metern Höhe, kurz nach dem Start vom Flughafen Nowosibirsk-Tomaltschowo, vernimmt die Crew einer Antonow 124 von Volga-Dnepr am 13. November 2020 plötzlich einen lauten Knall. Triebwerk Nummer 2, backbord innenliegend, explodiert. Trümmerteile regnen zu Boden, andere bohren sich wie Geschosse durch Rumpf und Flügelwurzel, durchtrennen Kabelstränge und Hydraulikleitungen. Der Kontakt zum Tower bricht ab, am Funk herrscht Totenstille. Stromausfall. Die Piloten entscheiden sich zur Umkehr und setzen zur Notlandung an – ohne Schubumkehr, Stromversorgung und Funkkontakt, mit 84 Tonnen Fracht und vollen Tanks. Wenig später können alle 14 Besatzungsmitglieder die havarierte Ruslan unversehrt verlassen. Zwar kommt die An-124 erst 300 Meter hinter der Runway im Schnee zum Stehen, mit abgeknicktem Bugfahrwerk. Doch schnell ist trotzdem klar: Das war eine wahre Meisterleistung der Piloten.

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"Uncontained engine failure" im inneren linken Triebwerk: Die An-124 RA-82042 nach ihrer Notlandung am 13. November 2020 in Nowosibirsk.

Noch keine Entscheidung

Seit diesen dramatischen Minuten ist nun fast ein Jahr vergangen. Die An-124 mit dem Kennzeichen RA-82042 steht noch immer in Nowosbirsk, auf einem Parkplatz im Randbereich des Flughafens, der zum Komplex der Wartungsfirma S7 Engineering gehört. Mit Bergungspanzern hatten Helfer das 180 Tonnen schwere Flugzeug zwei Wochen nach dem Unfall aus dem Schnee dort hin gezogen. Was nun mit der knapp 32 Jahre alten RA-82042 geschehen wird, ist noch immer ungewiss: "Es gibt noch keine Entscheidung des Eigentümers über das Schicksal des Flugzeugs", sagte ein Sprecher des Flughafens Tomaltschowo Anfang dieser Woche der russischen Nachrichten-Webseite RBK. Allerdings blieb die Antonow in den vergangenen Monaten nicht unberührt: "Volga-Dnepr Airlines hat die Triebwerke demontiert und führt regelmäßig Einlagerungsarbeiten an dem Flugzeug durch", so der Sprecher weiter. Ein von RBK veröffentlichtes Foto legt außerdem nahe, dass die Bereiche um die Flügelwurzel, durch die die Trümmer des Triebwerks flogen, teilweise verschlossen wurden – zumindest äußerlich. Auch das Bugfahrwerk scheint wieder aufgerichtet.

Großer Aufwand – zu groß?

Ob das nun darauf hindeutet, dass Volga-Dnepr ernsthaft eine Reparatur der Antonow anstrebt, ist schwer zu sagen. Gegenüber RBK teilte die Cargo-Airline mit, dass "bis Ende des Jahres Neuigkeiten über das weitere Schicksal des Flugzeugs zu erwarten seien." Bei einer technischen Überprüfung habe man bereits erörtert, ob sich die RA-82042 vor Ort für einen Überführungsflug nach Uljanowsk flott machen lässt, um dort dann weitere Reparaturen vorzunehmen. In der Flugzeugfabrik von Uljanowsk wurde die An-124 einst gebaut. Noch heute zeichnet das Werk von Aviastar-SP für die Instandhaltung der russischen An-124-Flotte verantwortlich.

Die technische Analyse habe allerdings zutagegebracht, dass wichtige Elemente der Flugzeugzelle bei dem Unglück beschädigt wurden, so Volga-Dnepr. Diese müssten zunächst in Uljanowsk neu angefertigt und anschließend nach Nowosibirsk transportiert werden, seien jedoch "überdimensioniert". Außerdem müsse man für den Einbau in Tomaltschowo einen geeigneten Hangar bauen oder mieten. Aviastar-SP soll deshalb hinter vorgehaltener Hand eine vollständige Instandsetzung des Flugzeugs bereits als "unmöglich" bezeichnet haben, wie es aus Russland heißt.