Der Zwischenfall ereignete sich am 24. Juni am texanischen Flughafen Horseshoe Bay. Dort war die bei Mammoth Freighters zum Frachter Boeing 777-200SF (Herstellerbezeichnung der Umbauwerft 777-200LRMF) umgebaute frühere Delta 777-200LR neu in den Farben ihres künftigen Betreibers Qatar Cargo lackiert worden.
Doch noch vor der Kundenübergabe des noch als N705DN registrierten Flugzeugs wagten Überführungspiloten der Leasingfirma Jetan LLC einen übermütigen Stunt: Filme in den sozialen Medien zeigen das Flugzeug mit eingefahrenem Fahrwerk, und scheinbar auch mit eingefahrenen Landeklappen, beim sehr niedrigen Überflug des texanischen Flughafens, der der gleichen Eigentümerfamilie wie die Leasingfirma gehören soll.
Im Tiefstflug, in wenigen Metern Höhe, unter einer halben Spannweite und vermutlich im Bodeneffekt, kurvt das Flugzeug nach Passieren der filmenden Beobachter akzentuiert nach rechts ab. Dabei rollt das Flugzeug um seine Längsachse und entsprechend kommt die rechte Flügelspitze dem Boden extrem nahe, geschätzt unter zwei Meter. Bei einer Bodenberührung, einem sogenannten Flügelschlag, hätte dem Flugzeug ein Totalschaden gedroht.
Kunde steht plötzlich im falschen Licht
Besonders unangenehm dürfte das leichtsinnige Manöver ausfallen, weil das Flugzeug bei der Vorführung bereits im Branding des künftigen Kunden lackiert war, Qatar Cargo, eine Airline, die diese unfreiwillige Negativ-PR ablehnen dürfte und sehr auf ihr Qualitätsimage achtet. Unklar ist, ob die gefährliche Vorführung so geplant war, wofür die Anwesenheit der Kamera und deren Kommentare auf dem Video hindeuten. Aufzeichungen der Webseite FlightRadar24 scheinen den Vorfall zu bestätigen.
US-Flugzeug und US-Piloten
Rechtlich gesehen wurde hier ein amerikanisches Flugzeug unter US-Flagge von US-Piloten nach FAA-Regeln betrieben. Diese verlangen aber ausdrücklich, keinerlei leichtsinnige oder gefährliche Manöver auszuführen.
Folgt noch ein dickes Ende?
Jetan LLC erklärte, man sei über die Existenz des Videos informiert. Das Flugzeug habe einen niedrigen Überflug ausgeführt, der nicht den Standard im späteren Einsatzbetrieb widerspiegele. Die 777 sei zwar in Qatar Airways Farben lackiert, gehöre dieser aber nicht und sei auch nicht von ihr geflogen worden. Die Piloten seien keine Qatar Airways Piloten gewesen. Das Flugzeug stehe vor der Übergabe und habe einen finalen Auslieferungstestflug absolviert. Man rechne mit eingehenden, behördlichen Untersuchungen und werde entsprechende Änderungen veranlassen, so Jetran LLC.
Abschiedsüberflüge sind bei Flugzeugauslieferungen aus besonderem Anlass, nach Absprache und mit Towerfreigabe, üblich. Dabei wird aber normalerweise, mit ausgefahrenem Fahrwerk und in normaler Landekonfiguration, nur ein flugbetrieblich normaler niedriger Überflug oder ein "Touch and Go" durchgeführt, was einer abgebrochenen Landung entspricht und für alle Piloten ein sicher beherrschtes Routinemanöver ist.





